Pläne

Linkspartei will Gemeinschaftsschule in Brandenburg

Piloteinrichtungen für zehn Millionen Euro ab 2017 geplant

Die Brandenburger Linken wollen ab 2017 schrittweise Gemeinschaftsschulen für gemeinsames Lernen bis zum Abitur einführen. „Angesichts rückläufiger Schülerzahlen gewährleisten Schulzentren mit Grundschulen und Oberschulen und auch Gymnasien gerade auf dem Land die gleichen Bildungschancen für alle Kinder“, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, Kathrin Dannenberg, am Freitag in Potsdam. „In heterogenen Klassen mit starken und schwächeren Schülern lernen alle Kinder besser.“ Im Koalitionsvertrag hatte Rot-Rot die Möglichkeit der Errichtung von Schulzentren beschlossen, wenn Schulträger und Eltern dies wünschen.

112 zusätzliche Lehrerstellen nötig

Die Linke will die SPD nun davon überzeugen, zusätzlich zehn Millionen Euro pro Jahr für Pilotschulen in allen Landkreisen und kreisfreien Städten bereitzustellen. „Für eine erfolgreiche Arbeit in inklusiven Gemeinschaftsschulen sind etwa 112 zusätzliche Stellen für Lehrer und Schulsozialarbeiter notwendig“, erläuterte Dannenberg.

Bildungsminister Günter Baaske (SPD) zeigte sich in einer ersten Reaktion allerdings skeptisch gegenüber Pilotschulen im ganzen Land. „Das, was die Linke vorschlägt, ist schon heute möglich: Örtlich gemeinsames Lernen von der Einschulung bis zum Abitur, wenn die Schulträger – also Kreise und Kommunen – dies wollen“, sagte Baaske. Im Koalitionsvertrag werde aber ganz bewusst nicht von einer „Gemeinschaftsschule“ gesprochen. „Was wir nicht brauchen, sind neue Schulversuche. Wir brauchen Schulfrieden“, betonte der Minister. Auch die oppositionelle CDU lehnt die Pläne der Linken strikt ab und verweist darauf, dass ein Zusammenschluss von Grundschulen und weiterführenden Schulen bislang noch keinen der bedrohten Standorte habe retten können. „Tatsächlich sind Schulzentren bloß ein Placebo, das die SPD der Linken gegeben hat, die eigentlich die Einheitsschule einführen und damit die Gymnasien in Brandenburg abschaffen will“, sagte der Bildungsexperte Gordon Hoffmann. „Wir warnen davor, mit mehrdeutigen Diskussionen über Schulzentren den Schulfrieden zu gefährden.“

In Berlin will die CDU das Thema Einheitsschulen als Wahlkampfthema nutzen. Die Christdemokraten in der Hauptstadt befürchten – ähnlich wie die Parteifreunde in Brandenburg – eine Schwächung der Gymnasien, sollte es zu einheitlichen Lehrplänen für die Klassen eins bis zehn kommen. Ein erster Versuch einer erneuten Schulreform in Berlin war aufgrund vielfacher Proteste – gerade auch von Lehrern – um ein Jahr verschoben worden. So sollte beispielsweise der Geschichtsunterricht in bestimmten Jahrgängen mit anderen Fächern zusammengelegt werden.