Schulpolitik

In Mitte fehlen 500 Plätze für Erstklässler

Viele Eltern wissen noch immer nicht, an welcher Schule ihr Kind lernen soll

In vielen Bezirken fehlen Schulplätze für Erstklässler. Viele Eltern haben deshalb noch immer nicht Bescheid bekommen, an welcher Einrichtung ihr Kind eingeschult werden soll.

Besonders schwierig ist die Situation in Mitte. Dort müssen 500 Schulanfänger mehr als geplant versorgt werden. Bildungsstadträtin Sabine Smentek (SPD) sagte am Donnerstag der Berliner Morgenpost, dass das nicht absehbar gewesen sei. Die Politikerin räumte ein, dass viele Eltern noch auf einen entsprechenden Bescheid warten. Die Mitarbeiter des Schulamtes würden jetzt auf Hochtouren arbeiten, die Sprechstunden des Amtes deshalb ausfallen. „Bis Mitte Juli wollen wir alle Eltern informiert haben“, kündigte Smentek an.

Alle Kinder würden einen Platz bekommen, sagte die Bildungsstadträtin. Wahrscheinlich würden zehn zusätzliche erste Klassen aufgemacht. Außerdem würden alle Klassen, auch die jahrgangsgemischten Gruppen, bis an die Obergrenze aufgefüllt.

Der Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Tom Erdmann, kritisierte das Vorgehen des Bezirks. „An Schulen, die seit Langem erfolgreich mit jahrgangsgemischten Anfangsklassen arbeiten, wird damit das Schulkonzept in Frage gestellt“, sagte er. Zudem sei völlig unklar, wo angesichts der aktuellen Bewerberlage die Lehrkräfte für die neuen Klassen herkommen sollen. Außerdem stünden in vielen Schulgebäuden in Mitte die benötigten Räume nicht zur Verfügung.

Berechnungsgrundlage prüfen

Erdmann forderte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) auf, die Berechnungsgrundlage für den Bedarf an Plätzen zu überprüfen: „Seit Jahren weisen wir darauf hin, dass in Berlin Tausende Kitaplätze fehlen. Der Platzausbau wurde massiv vorangetrieben. Und jetzt werden aus Kita-Kindern Schulkinder.“ Das Hickhack um fehlende Plätze raube Kindern und ihren Familien die Vorfreude auf die Schule. Die pädagogischen Konzepte erfolgreich arbeitender Grundschulen seien gefährdet.

Beate Stoffers, Sprecherin von Senatorin Scheeres, sagte der Berliner Morgenpost, dass mangelnde Organisation der Grund dafür sei, dass Grundschulplätze zum Unterrichtsjahr 2015/16 fehlen. Die Zahl der in den Einschulungsbereichen einzuschulenden Kinder würden den Bezirken bereits seit August und September 2014 vorliegen.

Auch in Marzahn-Hellersdorf, Pankow, Friedrichshain-Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg sind mehr Erstklässler angemeldet worden als geplant. Um alle zu versorgen, müssen auch in diesen Bezirken zusätzliche erste Klassen aufgemacht und viele Klassen zudem mit bis zu 27 Kindern eingerichtet werden. Das ist mehr als die Obergrenze (26) vorsieht. Jutta Kaddatz (CDU), Bildungsstadträtin in Tempelhof-Schöneberg, räumte ein, dass auch in ihrem Bezirk viele Eltern noch keine Bescheide haben und nicht wissen, wo ihre Kinder eingeschult werden. Der Berliner Morgenpost sagte sie, dass es in Teilen des Bezirks nicht genug Plätze für Schulanfänger gebe. „Seit drei Jahren haben wir deutlich mehr Schüler, als von der Verwaltung prognostiziert.“