Justiz

„Maskenmann“-Fall: Polizei überprüft jetzt Ermittlungen

Streit und Unstimmigkeiten in der Ermittlungsgruppe „Imker“

Nach dem Urteil im „Maskenmann“-Prozess wird nun die umstrittene Ermittlerarbeit der Polizei intern überprüft. Noch in dieser Woche nimmt eine Gruppe unter Leitung eines Beamten des Landeskriminalamtes ihre Arbeit auf, wie das Polizeipräsidium am Mittwoch in Potsdam mitteilte. Es werde geklärt, wie die Arbeit in der Soko „Imker“ genau ablief – von der Organisation, über die Arbeitsweise bis hin zum Verhältnis zwischen den Ermittlern. Beamte hatten in dem Indizienprozess ausgesagt, dass sie nicht in alle Richtungen hätten ermitteln dürfen. Ihre Chefs bestritten das.

Schwieriger Prozess

Das Landgericht Frankfurt (Oder) hatte den angeklagten Mario K. am Freitag wegen des Angriffs auf Millionärsfamilien und der Entführung eines Managers südöstlich von Berlin zu lebenslanger Haft verurteilt. Der vorbestrafte 47-Jährige hatte in dem Indizienprozess die Taten bestritten. Die Verteidiger des früheren Dachdeckers aus Berlin legten wenige Stunden nach dem Urteilsspruch Revision ein. Der Täter hatte bei den Taten 2011 und 2012 jedes Mal eine Art Imkermaske getragen. Bundesweites Aufsehen erregte der Prozess, weil immer wieder die Ermittlerarbeit in den Fokus rückte. In der Verhandlung äußerten Beamte Zweifel an den Angaben des Entführungsopfers und berichteten, dass kritische Fragen nicht erlaubt gewesen seien. Eine Polizistin sagte zudem, sie habe von einer Kollegin erfahren, dass aus einem Bericht Fakten gestrichen werden sollten. Fakten, die den Angeklagten entlastet hätten.

Jetzt soll die interne Prüfgruppe das alles aufarbeiten. Auch der Landespolizeipfarrer und die Personalvertretung seien einbezogen, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums. Er betonte zugleich: „Es geht ausdrücklich nicht um Ermittlungen gegen einzelne Personen, sondern um Strukturen.“ Neben der Verteidigung wollen jetzt auch die Anwälte von zwei Nebenklägern vorsorglich Revision gegen das Urteil einlegen. Anwalt Manuel Operhalsky bestätigte einen Bericht des Rundfunks Berlin-Brandenburg. Er vertritt die Tochter einer Millionärsfamilie, auf die der „Maskenmann“ im Kurort Bad Saarow schoss. Die junge Frau konnte damals fliehen. Operhalsky betonte: „Es geht uns nicht darum, eine Aufhebung des Urteils und eine Neuauflage des Prozesses zu erwirken.“ Das schriftliche Urteil liege noch nicht vor, erläuterte er. Mit der Revision wolle man sich eine Tür offen halten, wenn es um Details der rechtlichen Bewertung des Gerichts geht. Die Frist für die Revision läuft Ende der Woche ab. Operhalsky bestätigte, dass neben ihm auch der Anwalt der Mutter der Millionärsfamilie Revision einlegen will.