Stadtplanung

Der „Kreml“ wird zum Hotel

Ehemaliger Landtag wird an Investor verkauft. Geplant sind auch Wohnungen

Es ist eines der ersten Bauwerke von Potsdam, die ein Besucher sieht, wenn er den Hauptbahnhof durch den Ausgang an der Langen Brücke verlässt. Und es ist nicht gerade eines der schönsten. Wie eine düstere Trutzburg erhebt sich der markante rote Backsteinbau auf dem Brauhausberg – mit seinem maroden Turm, an dem bei genauem Hinsehen immer noch die verblichenen Umrisse der verschlungenen Hände des alten SED-Parteiemblems zu erkennen sind. Doch bald wird dieser Blick Vergangenheit sein. In dem seit dem Auszug des Parlaments im Dezember 2013 leer stehenden Gebäude sollen jetzt ein Hotel und Wohnungen in bester Lage entstehen. Ein weiteres Kapitel für den Bau, in dem zunächst eine Reichskriegsschule, zu DDR-Zeiten dann der Sitz der SED-Bezirksleitung und zuletzt 22 Jahre lang der Landtag untergebracht waren.

Acht Bewerber für Kauf

Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) will den Verkauf der Landesimmobilie an eine in der Region tätige Investorengruppe am heutigen Donnerstag in nicht öffentlicher Sitzung vom Hauptausschuss des Landtages absegnen lassen. Unter acht Bewerbern empfiehlt er, den Zuschlag einem Konsortium zu erteilen, zu dem das Berliner Immobilienunternehmen Sanus AG gehört. Die Zustimmung des Hauptausschusses gilt als sicher. Parteiübergreifend herrscht Erleichterung, dass ein Käufer mit überzeugendem Konzept für die zwar gut gelegene, aber nicht einfach zu gestaltende Immobilie gefunden worden ist.

Über den Kaufpreis soll Stillschweigen vereinbart worden sein, nach Informationen der Berliner Morgenpost soll er aber mehr als das Doppelte des von Gutachtern geschätzten Verkehrswerts von rund 3,9 Millionen Euro betragen. Im Gebäude, das der Volksmund „Kreml“ nennt, stehen für das geplante Hotel und die Wohnungen 12.700 Quadratmeter zur Verfügung. Nach den Vorgaben soll die denkmalgeschützte Fassade erhalten bleiben. Der Investor muss sich zudem verpflichten, aus Brandschutzgründen eine zweite Zufahrt zu bauen. Im hinteren Bereich des Grundstücks soll ein Wohnhaus mit maximal drei Stockwerken gebaut werden dürfen.

Auf dem insgesamt 25.000 Quadratmeter großen Gelände über der Stadt werden zudem wissenschaftliche Einrichtungen untergebracht. Vier Neubauten sind geplant, vor allem das renommierte Geoforschungsinstitut auf dem nahe gelegenen Telegrafenberg benötigt dringend weitere Räume.

Das Landesparlament war Ende 2013 in das wieder aufgebaute Stadtschloss in Potsdams historischer Stadtmitte gezogen, danach suchte das Land einen Käufer. Im Herbst vorigen Jahres schrieb es den alten Landtag für eine neue Nutzung aus. Damit das mehr als 110 Jahre alte Gebäude nicht zu lange leer steht, wurde das Genehmigungsverfahren für die Ausschreibung verkürzt. „Möglich wurde dies dadurch, dass die Stadtverordneten ein Konzept beschlossen haben, das eine gemischte Nutzung von Wissenschaft und Forschung, wissenschaftsnahem Gewerbe, Hotelbetrieb und Wohnungen vorsieht“, sagt Ingrid Mattern, Sprecherin des Finanzministeriums. Auf dem insgesamt 25.000 Quadratmeter großen Gelände über der Stadt werden zudem wissenschaftliche Einrichtungen untergebracht. Vier Neubauten sind geplant, vor allem das renommierte Geoforschungsinstitut auf dem nahe gelegenen Telegrafenberg benötigt dringend weitere Räume.

Für Potsdam bedeutet der Verkauf einen weiteren Schritt bei der Entwicklung des Brauhausberges. Am Fuße des 88-Meter-Hügels plant die Stadt für maximal 36 Millionen Euro das neue Sport- und Freizeitbad. Oberhalb sollen Wohnhäuser mit etwa 200 Wohnungen entstehen.

Ein Anblick bleibt den in Potsdam ankommenden Besuchern vom Hauptbahnhof vorerst allerdings erhalten: das heruntergekommene Terrassenrestaurant „Minsk“ aus DDR-Zeiten unterhalb des „Kremls“. Es ist immer noch keine Entscheidung gefallen, ob der Bau saniert oder abgerissen wird.