Landwirtschaft

Stallgeruch und Imagepflege

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Gudrun Mallwitz

260 landwirtschaftliche Betriebe laden am kommenden Wochenende zur Landpartie

Thomas Richter hat schon einige Landpartien hinter sich. Einmal standen gar über tausend wissbegierige Berliner bei ihm auf den Hof. Die Familie öffnet die Stalltore im westhavelländischen Damme, einem Ortsteil von Nennhausen nahe Rathenow, bereits das zwölfte Mal für ein ganzes Wochenende. „Es ist alles vorbereitet“, sagt der Landwirt.

Bei den Richters in Damme wird am kommenden Sonnabend die landesweite Eröffnungsveranstaltung für den zweitägigen brandenburgischen Landausflug stattfinden. „Wir möchten den Besuchern zeigen, wie unsere Tiere gehalten werden, was wir auf unseren Feldern anbauen und wie eine Biogasanlage funktioniert“, kündigte Thomas Richter am Dienstag an. 40 Mastrinder und 60 Schweine leben auf dem Hof, dessen Betreiber das Fleisch wie auch das Gemüse über einen Hofladen direkt vermarkten.

Auf dem Traktor sitzen

Die Kinder können nicht nur die Kühe streicheln, sie dürfen auch auf einem Traktor sitzen. Die Feuerwehr und weitere Vereine aus Damme bewirten die Besucher. Landesweit wollen in diesem Jahr 260 Gastgeber einen Einblick in die Landwirtschaft ermöglichen, darunter sind 30 Biobetriebe wie der Hof Domnigk in Groß Ziescht in Teltow-Fläming und der Ökohof Kuhhorst im Havelland. 26 Unternehmen sind das erste Mal mit dabei, darunter das Forsthaus am Schloss Sommerwalde in Oberhavel, der Jugend-Ökohof im Angermünder Ortsteil Crussow in der Uckermark sowie der Sonnenlandhof aus dem Neuruppiner Ortsteil Wuthenow. Eines der größten Feste wird Sonnabend und Sonntag von 11 bis 18 Uhr in Schmerwitz in Potsdam-Mittelmark gefeiert. Das Gut Schmerwitz ist einer der größten Biolandbetriebe Deutschlands.

Die Besucher können im ganzen Land Hofläden besuchen, sich mit Landwirtschaftstechnik vertraut machen oder sich durch Ställe oder über Weiden führen lassen. Sie können auch Brot, Wurst oder Wein aus eigener Produktion probieren. Der Verband Pro Agro zur Förderung des ländlichen Raumes in der Region Berlin-Brandenburg und der Landesbauernverband rechnen mit rund 100.000 landlustigen Besuchern. „Den Verbraucher interessiert immer mehr, woher die Lebensmittel kommen, die auf seinem Tisch landen“, sagt der Schirmherr, Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD). Das Land Brandenburg gibt laut Vogelsänger für die zweitägige Imagepflege der Landwirtschaft 69.000 Euro aus.

Auch in Brandenburg ist die Massentierhaltung zunehmend umstritten. Die Volksinitiative „Stoppt Massentierhaltung“ hatte rasch mehr als die erforderlichen 20.000 Unterschriften zusammen, scheiterte aber mit ihrem Anliegen im März am mehrheitlichen Votum des Landtags. Das Aktionsbündnis Agrarwende mit mehr als 40 Organisationen sammelt nun Unterschriften für ein Volksbegehren. Damit soll der Bau weitere Geflügel- und Schweinemastanlagen verhindert werden. Udo Folgart, Präsident des Landesbauernverbandes, sagt: „Wir Landwirte haben nichts zu verbergen.“ So gebe es in Brandenburg keine Kühe, die angekettet sind. Zwar seien die Betriebe überdurchschnittlich groß, doch sei nicht die Anzahl der Tiere entscheidend, sondern die artgerechte Haltung. Mehr als 70 Prozent der rund 5300 landwirtschaftlichen Betriebe seien mindestens über 500 Hektar groß. Zehn Prozent der Unternehmen seien Ökobetriebe. Damit steht Brandenburg bundesweit an der Spitze.

Das Wochenende der offenen Ställe dient auch der Nachwuchspflege. In Brandenburg sind laut Ministeriumsangaben 39.400 Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt, 3000 mehr als noch vor fünf Jahren. Selbst Politikern macht aber ein zunehmender Ausverkauf an finanzkräftige auswärtige Investoren Sorgen. Viele Investoren kaufen Land und spekulieren anschließend auf steigende Bodenpreise.

brandenburger-landpartie.de, Info-Hotline 033230/2077-0, werktags 10 bis 16 Uhr, Sa und So, 13./ 14. Juni, von 10 bis 18 Uhr