Gastronomie

Kebap für Körner-Esser

Zwei Absolventen der Europa-Universität Viadrina wollen den Döner-Markt mit einer gesunden Variante revolutionieren

So viele Döner Kebap wie Dominik Birnbach und David Lasok in den vergangen sechs Monaten gegessen haben – das reicht für Jahre, betonen beide. „Zum Glück machen wir regelmäßig Sport“, erzählen die beiden Absolventen der Frankfurter Europa-Universität Viadrina. Dabei kann das wohl bekannteste und beliebteste Schnellgericht der türkischen Küche nach der Geschäftsphilosophie der beiden Mittzwanziger doch ziemlich gesund sein – vorausgesetzt, das gewohnte weiße Fladenbrot wird durch herzhaftes Vollkornbrot ersetzt.

Die beiden Uni-Absolventen, der eine kommt aus Bad Saarow, der andere aus Dortmund, haben Internationale Betriebswirtschaftslehre studiert. Nach dem Studium haben sie ihr eigenes Unternehmen gegründet, First Fit Food, und vermarkten den Vollkorn-Kebap seit Jahresbeginn unter dem Motto „Lecker trifft gesund“. Und das offenbar mit Erfolg: Gut ein Dutzend Döner-Läden – unter anderem an der Friedrich- und der Bergmannstraße, am Mehringdamm und am Alexanderplatz – haben die Kreation bereits im Angebot, außerdem ein Imbiss in Bad Saarow sowie zwei Geschäfte in Frankfurt (Oder).

Passt am besten zu Hühnerfleisch

„Die Kunden stehen voll drauf. Das Brot ist das i-Tüpfelchen“, bestätigt Said Hashemi. Seit einem Jahr ist der 23-jährige gebürtige Afghane Inhaber des „Leto-Grills“ in der Frankfurter Innenstadt, seit er den Vollkorn-Kebap anbietet, hat er eine völlig neue Kundschaft gewonnen, wie er sagt: „Zu mir kommen jetzt auch die Ernährungsbewussten, die um den Döner früher einen großen Bogen gemacht haben“, erzählt der Imbissbetreiber, der Birnbach und Lasok eines Tages im Fitnessstudio kennengelernt hat. Zwei Wochen können Interessenten das Vollkorn-Brot für Kebap oder Wrap testen, bevor sie sich entscheiden, ob sie es in ihr Programm aufnehmen wollen. „Alle potenziellen Partner hat unser Produkt letztlich überzeugt“, erzählt der 26-jährige Lasok stolz. Die Vollkornvariante passe aus seiner Sicht übrigens besonders gut zu Hühnchenfleisch.

Gern würden die Jungunternehmer auch in Potsdam oder sogar in Polen Fuß fassen. Doch flächendeckend soll ihr gesunder Drehspieß-Snack nicht zu haben sein. „Er soll etwas Exklusives bleiben. Deswegen haben wir uns auch nur für Partner entschieden, die qualitativ hochwertige und frische Zutaten sowohl beim möglichst mageren Fleisch als auch für den Salat verwenden“, erklärt der 25-jährige Birnbach. Außerdem, sagt der Jungunternehmer, kämen sie logistisch nicht hinterher, wenn sie zu schnell wachsen würden. Selbst stellen sich die Viadrina-Absolventen allerdings nicht an den Backofen. „Wir haben lange nach einer geeigneten Bäckerei gesucht, die Brot nach unseren Erwartungen zubereitet“, erzählt Lasok. Das sei nicht einfach gewesen, einige Male hätten sie schon fast das Handtuch werfen wollen.

Inzwischen haben sie die ideale Bä-ckerei aber gefunden, der Rest ist Betriebsgeheimnis. „Wir haben mit der Firma einen Vertrag, dass sie nur für uns das Döner-Vollkornbrot macht. Wüsste die Konkurrenz, wo das ist, würden wir uns nur selbst das Wasser abgraben“, glaubt Lasok. Oder aber die Döner-Imbiss-Besitzer würden selbst in der Bäckerei bestellen, ohne dass sie die Vermarkter bräuchten, ergänzt Birnbach. Offenbar haben beide schon viel gelernt in Sachen Geschäftspraxis. Das BWL-Studium habe ihnen dabei nicht allzu viel geholfen, sagt er. „Wenn du vorhast, dich selbstständig zu machen, wie es uns beiden schon während des Studiums klar war, bekommst du nicht viel vermittelt.“

Zumindest haben sie dort aber gelernt, wie man einen Geschäftsplan erstellt. Und sie haben sich mit ihrer Idee erfolgreich für ein Coachingprogramm des Uni-Gründungszentrums beworben, das aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert wird. „Eine finanzielle Unterstützung gibt es für die potenziellen Existenzgründer zwar nicht, aber du bekommst erfahrene Trainer zur Seite, die dich begleiten und beraten“, erzählt Lasok. Die Viadrina arbeite dazu mit einem Pool an Anwälten, Steuer- und Unternehmensberatern zusammen. Und die machten den beiden angehenden Existenzgründern offenbar Mut. Nach 40 Jahren geschmacksneutralen Fladenbrots zum Kebap brachte First Fit Food eine herzhaftere Alternative mit gesünderen Inhaltsstoffen auf den Markt – weniger Kohlenhydrate, mehr Ballaststoffe, und vor allem mehr Geschmack.

Die Vollkornvariante, die sich die beiden Uni-Absolventen namensrechtlich haben schützen lassen, ist im Durchschnitt 30 bis 50 Cent teurer als der Fladenbrot-Kebap. So nimmt Said Hashemi 3,80 Euro für seinen Hühnchen-Vollkorn-Döner. Nach seiner Beobachtung seien die Kunden aber gern bereit, für gesunde Qualität tiefer in die Tasche zu greifen. „Du musst dich ausprobieren und etwas riskieren – eigentlich untypisch für Deutschland“, resümieren die beiden Döner-Revolutionäre.

Firma will nach Berlin ziehen

Noch hat die Firma, zu der auch Designer Alex Bard und Marketingexperte Robert Dümke gehören, ihren Sitz in Bad Saarow. Langfristig aber will First Fit Food nach Berlin ziehen, der Döner-Hochburg mit rund 1000 Läden. Derzeit bastelt das unternehmerische Quartett schon an neuen Geschäftsideen. „Wir bleiben im Sektor Fitness und Ernährung, haben Kontakte zu renommierten Personaltrainern und tüfteln an einem neuen, innovativen Produkt.“ Denn leben können die Existenzgründer allein von der Vermarktung des Vollkorn-Döners noch nicht, gibt Birnbach zu. „Wir fahren zumindest keine Verluste mehr ein, aber das reicht uns auf Dauer nicht.“