Sicherheit

1500 Polizisten in Neuruppin gegen Neonazis im Einsatz

Deutlich mehr Gegendemonstranten als Rechtsextreme

Im brandenburgischen Neuruppin haben am Sonnabend rund 1400 Menschen gegen einen bundesweiten Neonazi-Aufmarsch protestiert. Insgesamt fanden acht Veranstaltungen gegen den sogenannten „Tag der deutschen Zukunft“ statt, an dem etwa 600 Rechtsextreme teilnahmen. Um gewalttätige Auseinandersetzungen zu verhindern, waren rund 1500 Polizisten aus Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen und von der Bundespolizei im Einsatz.

Dabei kam es nach Polizeiangaben auch zu einzelnen gewalttätigen Angriffen von Anhängern des linken Spektrums gegen Polizeibeamte. Die Einsatzkräfte setzten kurzfristig Pfefferspray, Schlagstöcke und einen Wasserwerfer ein. 30 Gegendemonstranten wurden vorübergehend festgenommen.

Unter dem Motto „Schöner leben ohne Nazis“ hatten Landesregierung, Handel, Jugendverbände und Kirchen zu Protesten gegen den Aufzug der Neonazis aufgerufen. „Wir haben unsere Ziele weitestgehend erreicht“, sagte der Sprecher des Aktionsbündnisses „Neuruppin bleibt bunt“, Martin Osinski. Es sei gelungen, kreativ und gewaltfrei gegen den Neonazi-Aufmarsch zu protestieren. Zudem sei die Route der Rechtsextremen verkürzt worden.

Am Rande der Gegenveranstaltungen kam es nach Polizeiangaben mehrmals zu Rangeleien zwischen Demonstranten des linken Spektrums und Beamten. So seien Einsatzkräfte mit Pyrotechnik angegriffen worden, worauf die Polizei Pfefferspray gegen die Angreifer einsetzte. Die Bahnstrecke in Richtung Neuruppin wurde zudem kurzzeitig von einer Gruppe Vermummter blockiert. Die Gegendemonstranten wurden vorübergehend festgenommen.

Auch in der Neuruppiner Innenstadt setzte die Polizei vereinzelt Schlagstöcke, Pfefferspray und einen Wasserwerfer ein, der den Angaben zufolge allerdings nicht gezielt gegen Personen gerichtet gewesen sei. Nach Polizeiangaben nahmen rund 700 Menschen an Bürgerfesten und ähnlichen Gegenveranstaltungen teil. Hinzu kamen rund 700 linksorientierte Demonstranten, von denen mehrere Hundert als gewaltbereit eingestuft wurden.

Die Aktionen des Bündnisses „Neuruppin bleibt bunt“ hatten am Sonnabend mit einem ökumenischen Gottesdienst und zwei Demonstrationen begonnen. Daran schloss sich ein zehnstündiges Kultur-, Sport- und Kinderprogramm an. „Neuruppin ist bunt und soll es bleiben“, hieß es auch in einem Aufruf zu den Gegendemonstrationen. Unterzeichner waren unter anderemdie evangelische Generalsuperintendentin Heilgard Asmus, der Direktor des Kurt-Tucholsky-Museums in Rheinsberg, Peter Böthig, und der Diözesanadministrator des katholischen Erzbistums Berlin, Tobias Przytarski.