Prozess

Maskenmann: Verteidigung sieht neue Erkenntnisse

Kurz vor den Plädoyers der Verteidigung im spektakulären Maskenmann-Prozess vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) am kommenden Freitag rückt ein alter Verdächtiger wieder in den Fokus.

Nach einem Bericht des „Tagesspiegels“ soll der Verdacht gegen einen früheren Polizisten vorschnell zu den Akten gelegt worden sein. Aussagen seiner von ihm getrennt lebenden Frau erschütterten das Alibi des Mannes, hieß es.

Der Staatsanwalt hat eine lebenslange Haftstrafe für Mario K. aus Berlin-Marzahn gefordert. Der 47 Jahre alte Dachdecker wird beschuldigt, 2011 als Maskierter die Familie P. in Bad Saarow überfallen und den Berliner Unternehmer Stefan T. im Oktober 2012 aus seinem Haus am Storkower See entführt zu haben. Recherchen zu dem weiteren Verdächtigen gingen über die bisher bekannten Informationen hinaus, sagte Axel Weimann, der Berliner Rechtsanwalt und Verteidiger von Mario K., am Sonnabend. Der Polizist, der nicht mehr im Dienst ist, war nur kurze Zeit im Visier der Ermittler. Er war auch observiert worden, weil sein Handy zu allen Tatzeiten in den jeweiligen Funkzellen erfasst worden war. Anhand des Dienstplans konnte er ein Alibi vorweisen. Es wurde nun durch seine von ihm getrennt lebende Frau im Gespräch mit dem „Tagesspiegel“ erschüttert. Im Gegensatz zu Mario K. könnte es bei ihm ein Motiv geben. Der frühere Hubschrauberpilot hatte hohe Schulden. Er soll beide Opferfamilien gekannt haben, sich in der Umgebung der Tatorte auskennen und die Täterbeschreibung soll passen. „Wir haben diese Verdachtsrichtung ausgeschlossen“, sagte hingegen Staatsanwältin Dorina Dubrau.

Der CDU-Innenexperte im Landtag, Björn Lakenmacher, fordert nun, allen Informationen müsse nachgegangen werden. In vergleichbaren Situationen habe sich ein Austausch des Ermittlerteams als hilfreich erwiesen. Der Politiker sprach sich für die Wiedereröffnung der Beweisaufnahme vor Gericht aus. „Um jeglichen Zweifeln am korrekten Agieren der Justiz entgegenzutreten, sollte die Zuständigkeit einem anderen Staatsanwalt übertragen werden“, sagte er.