Bußgeldverfahren

Fünf Tote in Särgen in einem ehemaligen Supermarkt entdeckt

„Pietätlos“, etwas anderes fiel Heike Zander, der Leiterin des Gesundheitsamtes beim Landkreis Barnim, nicht ein, nachdem sie zu einer Ortsbegehung in Klosterfelde (Gemeinde Wandlitz) gerufen worden war.

Was die Beamtin am Donnerstag vergangener Woche sichtlich erregte, war ein ebenso ungewöhnlicher wie makabrer Fund im hinteren Teil eines leer stehenden Supermarktes. Dort hatte ein Bestattungsunternehmen fünf Särge mit Toten abgestellt.

Verstoß gegen Bauordnung

Nach bisherigen Erkenntnissen der Behörden hatte der Bestatter schon vor längerer Zeit die leer stehenden Räume angemietet und beim zuständigen Gewerbeamt die Nutzung beantragt. Dabei gab er an, dort leere Särge und „Bestattungszubehör“ zwischenlagern zu wollen. Die Genehmigung wurde ihm erteilt.

Einem Sprecher des Landratsamtes zufolge droht dem Mann jetzt ein Bußgeldverfahren wegen Verstoßes gegen die Bauordnung. Um dort Särge mit Leichen zu lagern, hätte er zuvor einen „Antrag auf Umnutzung“ stellen müssen.

Dass die von ihm abgestellten Särge keinesfalls leer waren, hatte der Bestatter bei seinem Antrag an das Gewerbeamt allerdings nicht erwähnt. In dem Fall hätte er mit Sicherheit auch keine Bewilligung erhalten, hieß es aus dem Landratsamt.

Aus rein hygienischer Sicht könne dem Bestatter aber kein Vorwurf gemacht werden, teilte ein Sprecher des Landkreises weiter mit. Die fünf Leichen waren demnach in einem Kühlraum untergebracht, auch die Papiere seien einwandfrei gewesen. Entdeckt wurde die laut Behördendeutsch „unselbstständige Zweigstelle“ des Bestattungsunternehmens durch einen anonymen Hinweis aus der Bevölkerung.

Die fünf Toten wurden unmittelbar nach dem Fund zu nahe gelegenen Krematorien, unter anderem nach Treptow in Berlin gebracht. Der Bestatter habe sich einsichtig gezeigt, sagte der Landkreis-Sprecher.