Interview

Jetzt streiken auch die Erzieher

Am Montag beginnt der Arbeitskampf in Brandenburg

Die Gewerkschaft Verdi ruft ihre Mitglieder in den kommunalen Kitas in Deutschland zum unbefristeten Streik auf. Der Arbeitskampf soll bereits heute in den meisten Bundesländern starten, in Brandenburg allerdings erst am Montag. Berlin ist größtenteils nicht betroffen. Die Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zum Arbeitskampf.

Welche Kitas werden in Berlin und Brandenburg bestreikt?

Die Gewerkschaft Verdi hat zunächst Mitarbeiter von Kitas in den Landkreisen Potsdam-Mittelmark, Havelland, Uckermark, Barnim sowie in Neuruppin, in Frankfurt (Oder), Königs Wusterhausen, Wildau und Zeuthen zum Streik aufgerufen. In Berlin werden ab Montag sieben Kitas des Studentenwerks sowie die Sozialberatung des Studentenwerks bestreikt. Potsdam ist von dem Arbeitskampf nicht betroffen, alle Kitas dort befinden sich in privater Trägerschaft.

Worum geht es?

Verdi, der Deutsche Beamtenbund und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordern eine bessere Eingruppierung und damit mehr Gehalt für Erzieher und Sozialarbeiter. In kommunalen Einrichtungen arbeiten rund 240.000 Erzieherinnen, Sozialpädagogen, Kinderpflegerinnen, Heilpädagogen und Sozialarbeiter.

Was fordern die Erzieher?

Silke Liebert, Leiterin der Kita Schwalbennest in Falkensee und Verdi-Mitglied, wünscht sich mehr Anerkennung der Leistungen der Erzieher und Kita-Leiter. „Es werden hohe Anforderungen an uns gestellt. Wir sollen frühkindliche Bildung leisten und hohe Qualitätsstandards erfüllen.“ Sie wisse, dass die freien und kommunalen Träger die Arbeit der pädagogischen Fachkräfte schätzten. Aber mit Lob alleine sei es nicht mehr getan. 1991 sei das letzte Mal über die Eingruppierung der Erzieher verhandelt worden. „Wir brauchen gut ausgebildete Fachkräfte. Die bekommen wir aber nicht, wenn keine adäquate Bezahlung angeboten wird.“ Besonders junge Erzieher mit wenig Berufserfahrung würden meist nur für 30 bis 32 Wochenstunden eingestellt und mit der geringsten Gehaltsstufe entlohnt. Von diesem Gehalt könnten sie aber kaum leben.

Mit welchen Problemen hat eine Kita-Leiterin in Brandenburg zu kämpfen?

Eines der Hauptprobleme „ist der schlechte Personalschlüssel“, sagt Silke Liebert. „In unserer Kita sind acht Erzieherinnen für 100 Kinder zuständig. Eine Gruppenerzieherin muss zwischen 16 und 18 Kinder betreuen. Dadurch ist die Belastung während der Gruppenarbeit für die Pädagogen sehr hoch.“ Auch die Kita-Leiter litten unter einer hohen Belastung. Sie arbeiteten pro Woche nur zehn Stunden als Leiter und die restlichen 30 Stunden in der Gruppe. Das sei in anderen Bundesländern oft anders geregelt: „Dort unterliegen die Leiter nicht dieser Doppelbelastung und müssen nicht noch zusätzlich in einer Gruppe arbeiten.“

Wie lange wird der Streik dauern?

Wie lange der Streik dauert, kann im Augenblick niemand sagen. Je schneller ein Kompromiss auf dem Verhandlungsweg gefunden wird, desto schneller sei der Konflikt beendet, sagt Verdi- Vertreter Andreas Splanemann. Wenn es zu keiner Annäherung zwischen den Arbeitgebern und der Gewerkschaft komme, könne der Streik notfalls auch über Pfingsten weiter geführt werden, heißt es in einer Erklärung von Verdi.

Welche öffentlichen Streikversammlungen gibt es?

Am Montag plant Verdi, eine zentrale Streikkundgebung in Potsdam zu veranstalten. Beginn ist 11 Uhr auf dem Steubenplatz. In Eisenhüttenstadt wird am Dienstag und Mittwoch gestreikt. Geplant ist auch eine Versammlung mit anschließender Demonstration vom Rathaus zum Sportplatz in der Waldstraße. Am Dienstag wird es außerdem in Falkensee eine öffentliche Streikversammlung mit anschließender Kundgebung geben. Am Mittwoch sind in Hennigsdorf und Königs Wusterhausen weitere Aktionen geplant.

Wie reagieren denn die Eltern auf den Streik?

„In unserer Kita haben die Eltern sehr positiv reagiert, sie wissen welche qualitativ hochwertige Arbeit wir leisten“, sagt Silke Liebert. Viele Eltern „haben uns bereits zu Beginn des Bahnstreiks darauf angesprochen, ob die Kitas auch streiken würden“. Für die Eltern sei es jetzt wichtig, zu organisieren, wer sich in der Streikzeit um das Kind kümmere. Ob die Kinder beispielsweise in einer solchen Situation mit zur Arbeit gebracht werden dürfen, muss mit dem Arbeitgeber abgeklärt werden. Einige Kindertagesstätten wollen auch einen Notdienst anbieten.