Streik

60 Prozent mehr Fahrgäste bei der BVG

Jeder Bahn-Streiktag kostet die Verkehrsbetriebe rund 300.000 Euro

Der andauernde Streik der Lokführer beschert den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) erheblich mehr Fahrgäste, aber auch deutlich höhere Kosten. In Spitzenzeiten – etwa im morgendlichen Berufsverkehr – befördert das Unternehmen bis zu 60 Prozent mehr Fahrgäste als an normalen Werktagen. Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD), zugleich BVG-Aufsichtsratsvorsitzender, würdigte am Donnerstag den Einsatz. „Für den öffentlichen Personennahverkehr in Berlin bedeutet der Streik der GDL eine enorme Herausforderung. Darauf hat die BVG sehr schnell reagiert: mit mehr Personal, größeren Fahrzeugen und umfassender Information an den wichtigen Umsteigeknoten. Dafür möchte ich allen Mitarbeitern danken.“ Ihr Engagement mache es möglich, dass selbst unter den aktuell erschwerten Bedingungen der Personenverkehr weiter fast reibungslos funktioniere, sagte Kollatz-Ahnen.

Als Reaktion auf den Streik der Lokführer, der seit Dienstag große Teile des Berliner S-Bahn- und Regionalverkehrs lahm legt, hat die BVG unter anderem 85 Mitarbeiter für die Fahrgastinformation an den Bahnhöfen abgestellt. Außerdem kommen größere Fahrzeuge auf den wichtigsten Strecken zum Einsatz. Die Kehrseite: Der zusätzliche Einsatz von Personal und Fahrzeugen beschert dem landeseigenen Unternehmen auch höhere Kosten. „Wir gehen von rund 300.000 Euro pro Streiktag aus“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz der Berliner Morgenpost. Mehrkosten, für die es bisher keine Gegenfinanzierung gebe. Der Grund: Die Ticketeinnahmen werden im Verkehrsverbund nach einem festen Schlüssel aufgeteilt, kurzfristige Fahrgastzuwächse bringen der BVG daher keine merklichen Mehreinnahmen.

Besonders gefordert ist die BVG derzeit auf den U-Bahn-Linien U2, U5 und U6. Sehr voll seien auch die Straßenbahnen auf den Linien M5, M6, M8 und der 27, auf denen die BVG teilweise längere Züge einsetze. Das hohe Fahrgastaufkommen und der dichtere Autoverkehr würden allerdings zu Verspätungen führen. Betroffen davon sind vor allem die Busse der BVG, die selbst häufig im Stau stecken bleiben.

Ungeachtet des Vermittlungsangebots durch Bahnchef Rüdiger Grube will die GDL ihren Streik bis Sonntag, 9 Uhr fortsetzen. Bei der S-Bahn Berlin und im Regionalverkehr gelten weiter Notfahrpläne. Weil jedoch mehr Lokführer als erwartet zur Arbeit erschienen, konnte die S-Bahn ihr Angebot sogar ausweiten. So ist die Linie S5 bis auf Weiteres dauerhaft bis Friedrichstraße und die S7 bis Charlottenburg verlängert. Anfangs fuhren die Züge von Osten kommend nur bis Alexanderplatz. Verlängert wurde auch die S9, die jetzt bis Pankow statt nur bis Landsberger Allee verkehrt. Der Zugverkehr auf der Ringbahn sowie westlich von Charlottenburg bleibt jedoch weiter komplett eingestellt. Für die S25, S5 und S8 gibt es auf Teilstrecken Ersatzverkehr mit Bussen. Alle anderen Linien fahren im 20-Minuten-Takt.

Im Regionalbahnverkehr kann DB Regio aktuell etwa 18 Prozent des Normalangebots fahren. Die privaten Eisenbahngesellschaften Odeg, NEB und EGP sind nicht vom GDL-Streik betroffen. Odeg-Züge auf der RE-Linie 2 (Wismar–Berlin–Cottbus) halten zusätzlich in Finkenkrug und Brieselang.

Die Streiks im Brandenburger Nahverkehr gehen unbefristet weiter. Die Gewerkschaft Verdi und die kommunalen Arbeitgeber konnten sich am Donnerstag nicht auf neue Gespräche zur Beilegung des Konflikts einigen.