Sicherheit

Mehr Aufklärung über „Würgespiele“ an Schulen

Fünftklässler in Potsdam verletzt. Kinder unterschätzen tödliche Gefahr

Nach sogenannten Würgespielen an einer Potsdamer Schule mit einem verletzten Fünftklässler will die rot-rote Landesregierung die Aufklärung verbessern. „Kindern und Jugendlichen sind die tödlichen Gefahren von Würgespielen oftmals nicht bekannt oder bewusst“, sagte Bildungsminister Günter Baaske (SPD) in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage. Die Regierung habe den jüngsten Fall zum Anlass genommen, die Lehrer im Land ausführlich über mögliche Gefahren zu informieren. In Brandenburg ist 2009 sogar ein Schüler bei einem Würgespiel gestorben.

Über die Luftnot wollen die Betroffenen einen rauschähnlichen Zustand erreichen. Durch das Würgen oder Zusammendrücken des Brustkastens werde die Blutzufuhr zum Gehirn unterbrochen. Das führe zu einer Art Rauschzustand und zur Ohnmacht, heißt es beim Bildungsserver Berlin-Brandenburg. Immer wieder sterben dabei Jugendliche. Die „Märkische Allgemeine Zeitung“ hatte im März berichtet, dass in einer Pause auf dem Hof der Potsdamer Goethe-Grundschule ein Würgespiel aus dem Ruder lief und ein Junge verletzt wurde. Er hatte sich von einem anderen Jungen so schwer würgen lassen, dass er ins Krankenhaus musste. Er trug laut Zeitung keine bleibenden Schäden davon, im Krankenhaus wurde allerdings festgestellt, dass der Jugendliche dabei ausgesprochenes Glück hatte.

Gymnasiast starb 2009

Bekannt ist der Landesregierung den Angaben Baaskes zufolge darüber hinaus ein Fall, bei dem im Schuljahr 2013/14 in einer Grundschule in Schwarze Pumpe (Spree-Neiße) ein Schüler erhebliche Verletzungen davontrug, die ärztlich behandelt werden mussten.

Im Jahr 2009 starb ein 14 Jahre alter Gymnasiast aus dem Havelland: Er hatte sich mit einem Strick selbst stranguliert und dabei das Bewusstsein verloren. Der Todesfall war bereits für den damaligen Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) Anlass, die Aufklärung zu verbessern. Das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) ergänzte damals das Informationsangebot auf dem Bildungsserver Berlin-Brandenburg entsprechend. Außerdem gab es Informationsblätter für Eltern.

Abgesehen von einzelnen öffentlich gewordenen Fällen ist das Problem in den Schulen und vor allem bei den Eltern bislang noch weitgehend unbekannt, musste das Institut feststellen. „Schüler unterschätzen die Gefahren, Lehrer, die in den Pausen als Aufsichtskräfte fungieren, bekommen nicht alles mit und Eltern wissen in vielen Fällen überhaupt nicht, was bei ihren Kindern so alles passiert“, sagte ein Sprecherin am Sonnabend. Auch das Landesinstitut plant deshalb in Abstimmung mit dem zuständigen Ministerium weitere Aufklärungsprojekte.