Feuerwehr

Feuerwehr muss am Flughafen aushelfen

Weil die Südbahn am BER gesichert werden muss, gibt es derzeit einen Engpass

Berlins Feuerwehrleute haben es nicht leicht. Ihr ohnehin belastender Job wird dadurch erschwert, dass das Personal schon ziemlich knapp ist. Und in einer Wache im Süden der Stadt sind von den eigentlich 14 Kollegen pro Schicht seit kurzem nur noch 13 übriggeblieben.

Der fehlende Kollege gehört zu einer Gruppe von 30 Berufsfeuerwehrleuten, die künftig am Flughafen Tegel Dienst tun werden. Per Rundmail hatte die Feuerwehrleitung bei der Belegschaft nachgefragt, wer denn Interesse habe, für eine Übergangszeit die Flughafenfeuerwehr zu verstärken. Das Personal wurde auch schnell gefunden. „Diese Leute fehlen uns jetzt natürlich auf der Wache“, sagt ein enttäuschter Brandbekämpfer. Er und viele andere der Männer verstehen nicht, warum angesichts von 300 fehlenden Beamten jetzt noch Kollegen zum Flughafen abgezogen werden.

Sanierung der Nordbahn

Die Flughafengesellschaft versichert, die Anwerbeaktion habe nichts mit irgendwelchen Mängeln an der Brandüberwachung an den Flughäfen zu tun. Aber die 220 regulären Brandbekämpfer der Flughafenfeuerwehr reichten nicht aus, wenn der Flugverkehr am Schönefelder Airport künftig über die neue Südbahn des BER geleitet werden muss. Denn der SXF nutzt die neue Bahn, während die bestehende Nordbahn saniert und für den BER-Start auf den neuesten Stand gebracht wird.

Weil die Südbahn aber viel weiter weg ist vom alten Schönefelder Terminal, müssen drei statt bisher zwei Feuerwachen auf dem Gelände des SXF/BER in Betrieb gehalten werden. Nur so sind nach Auffassung der Brandenburger Aufsichtsbehörden die Zeiten einzuhalten, in denen die Feuerwehr mögliche Unglücksorte erreichen muss. Deswegen wechseln die Tegeler Mitarbeiter der Flughafenfeuerwehr jetzt an den BER, die Berufsfeuerwehrleute übernehmen die Aufgaben am größten Berliner Flughafen. Dafür werden sie derzeit geschult.

Der Einsatz soll auf acht Monate für die planmäßige Bauzeit bis zum 26. Oktober begrenzt sein. Es besteht aber die Option, die Überlassung auf zwölf Monate bis Ende Dezember auszuweiten.

Die Flughafengesellschaft, die den Ländern Berlin und Brandenburg sowie dem Bund gehört, überweist für die überlassenen Beamten an die Feuerwehr eine Summe, die sich aus der Entgeltordnung der Berliner Feuerwehr ergibt. Wie viel Geld dafür an die Berliner Behörde fließt, wird aber nicht bekannt gegeben. Laut dieser Gebührenordnung werden für einen Feuerwehrmann zwischen 56 und 71 Cents pro Minute fällig.

Aus Sicht der Feuerwehr wird es auch keine Personalengpässe in ihren Reihen geben. Denn als Ersatz für die 30 ausgeliehenen Kollegen werden zusätzlich Rettungssanitäter und Rettungsassistenten eingestellt. Zurzeit laufe eine Stellenausschreibung für befristete Verträge. Mit diesen würden die Abgänge kompensiert, so ein Feuerwehrsprecher. Mit den Einnahmen von der Flughafengesellschaft werde die Feuerwehr „die Kosten für die befristeten Arbeitsverträge decken können“. Auf die Personalsituation habe die Ausleihaktion also keine Auswirkungen.

Das sehen viele Kollegen vor Ort jedoch anders. Denn ihre Kollegen sind jetzt weg und es wird sicher einige Zeit dauern, ehe Ersatz in Gestalt der Rettungssanitäter eintrifft. Und im Übrigen, so sagt es ein altgedienter Brandbekämpfer, seien diese Leute eben kein Ersatz für einen voll ausgebildeten und erfahrenen Feuerwehrmann.