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16.234 Zusagen zur Spargelparty

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Per Facebook melden sich Tausende zu einer Feier in Beelitz an. Der Bürgermeister fordert deshalb ein Sicherheitskonzept

„Stell Dir vor, du machst eine Spargelparty und alle gehen hin!“ Frank Duske steht momentan genau vor diesem Problem. Denn mit einem solchen überwältigenden Ansturm hat er bei aller Zuversicht nicht gerechnet. „Vor gut zwei Wochen haben wir unser Event auf unsere Facebook-Seite gestellt“, sagt der Berliner Immobilienentwickler auf Anfrage der Berliner Morgenpost. „Innerhalb von fünf Tagen hatten wir die ersten 10.000 Zusagen.“ Bis Donnerstagabend hatten sich mehr als 16.000 Menschen für das Food Festival „Spargel International“ auf dem Gelände der ehemaligen Frauenklinik in Beelitz-Heilstätten (Potsdam-Mittelmark) angemeldet. Stündlich klicken weitere den Button „Zusagen“. Sie alle wollen am Sonnabend, 9. Mai, die letzte Möglichkeit nutzen, die verfallenden Gebäude zu besichtigen – und vor der Ruinenkulisse ein Frühlingsfest zu feiern.

„Dass unsere Veranstaltung ankommen wird, wussten wir vorher“, sagt der gebürtige Stuttgarter Duske. „Dass das Interesse dieses Mal derart groß sein würde, das hätten wir aber nicht gedacht.“ Beelitz-Heilstätten ziehe die Menschen seit Jahren magisch an. Und dann die Kombination aus Frühling und Spargel: Köche aus Syrien, dem Iran, Südkorea, Peru und Frankreich werden bei der Party von 12 bis 22 Uhr Spargelgerichte anbieten. Das Ganze organisiert von Contemporary Food Lab, eine Gemeinschaft um die Themen Mensch, Natur und Essen. „Food ist das neue Art“, philosophiert Duske. „Früher ging man zur Vernissage, heute zum Vegan-Brunch.“ Vor allem Berliner haben sich zum Event angemeldet. 2014 kamen zu einem Picknick auf dem Gelände 1300 Menschen. Fünfmal mehr als angesagt.

Eine Marketingstrategie

Frank Duske ist kein Eventmanager. Zusammen mit seinem Kompagnon Jan Kretzschmar will er eigentlich nur die 50 Wohnungen vermarkten, die mit dem Umbau der drei Gebäude der ehemaligen „Frauenheilanstalt für nicht ansteckende Krankheiten“ entstehen sollen. Für Kreativschaffende, wie er betont. Maler, Bildhauer, Schriftsteller, Journalisten. Im „Refugium Beelitz“ sollen sie arbeiten und wohnen können. Der Immobilienentwickler hofft, die Genehmigung für den ersten Bauabschnitt im August zu erhalten. 2017 sollen alle Wohnungen – zwischen 45 und 240 Quadratmeter groß – fertig sein. 1900 bis 2500 Euro koste der Quadratmeter. „Dafür bekommt man doppelt so viel Raum wie in Berlin oder denselben Raum für den halben Preis“, versucht er potenzielle Kunden zu überzeugen. Die Party am 9. Mai ist also eigentlich eine Werbeveranstaltung, was den bisher rund 16.300 angemeldeten Besuchern egal ist. Sie wollen einfach nur ihren Spaß haben. Und das an einem geschichtsträchtigen Ort. Beelitz-Heilstätten hat in den vergangenen 20 Jahren viele Fotografen und Filmemacher angezogen. Verstörende Fotos gingen um die Welt, von verrosteten Eisenbetten und zurückgelassenen Puppen ohne Augen in fensterlosen Gebäuden. Filme wie „Operation Walküre“ mit Tom Cruise, Roman Polanskis Holocaust-Film „Der Pianist“ oder Wolfgang Beckers „Krankes Haus“ sind hier teilweise entstanden.

Die Landesversicherungsanstalt Berlin hatte die Arbeiter-Lungenheilstätten Beelitz-Heilstätten zwischen 1898 und 1930 erbauen lassen. 60 Gebäude auf 200 Hektar. Nördlich der Bahnlinie die Lungenheilstätten, südlich von ihr die Sanatorien zur Behandlung nicht ansteckender Krankheiten. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg dienten die Heilstätten als Lazarett und Sanatorium für Soldaten. Vom 9. Oktober bis zum 4. Dezember 1916 war auch der Gefreite Adolf Hitler dort. Zuletzt nutzte die Rote Armee das Gelände mit dem größten Militärhospital der sowjetischen Streitkräfte im Ausland. Der an Leberkrebs erkrankte Erich Honecker wurde ab Dezember 1990 dort behandelt, bevor er und seine Frau Margot im März 1991 nach Moskau ausgeflogen wurden.

Der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth (parteilos) sieht das Event skeptisch. Er kritisiert: „Facebook ist nicht der richtige Platz, um zu einem solchen Fest einzuladen.“ Einem solchen Ansturm sei die Stadt nicht gewachsen. Nicht nur massive Verkehrs-, auch Sicherheitsprobleme seien zu befürchten. „Ich werde die Veranstaltung nur genehmigen, wenn die Organisatoren ein überzeugendes Sicherheitskonzept vorlegen“, kündigt Knuth am Donnerstag gegenüber der Morgenpost an. Kommende Woche werde es ein Treffen geben.

Begrenzte Teilnehmerzahl

„Das Ordnungsamt hat mit dem Veranstalter inzwischen abgemacht, dass die Besucherzahl auf 2500 reduziert wird“, sagt Knuth. Organisator Duske will dies nicht bestätigen. Auf Facebook teilte er aber mit: „Wir MÜSSEN die Teilnehmerzahl begrenzen – dazu verpflichtet uns die Stadt, die Bahn, der Respekt gegenüber allen Anwohnern in und um Beelitz und der gesunde Menschenverstand. Wir haben uns deshalb entschlossen, im Vorfeld ‚Eintrittskarten‘ über einen Ticketlink zu verkaufen.“ Die Karten kosten sieben Euro, inklusive Fünf-Euro-Gutschein für Speisen und Getränke. Kinder unter zwölf Jahren bräuchten kein Ticket. Am Mittwoch 19 Uhr startete der Verkauf. „22.30 Uhr waren die ersten 1600 Tickets weg“, sagt Frank Duske.