Gesundheit

Angst an Forster Grundschule: Drei Kinder an Krebs erkrankt

Gebäude wird jetzt auf mögliche Kontaminierung untersucht

An der Grundschule Nordstadt in Forst sind gleich drei Kinder an Krebs erkrankt, alle aus der Klassenstufe vier. Nachdem dies Ende Februar bekannt wurde, haben sich besorgte Eltern an die Schulleitung gewandt. Sie fragen sich, ob sie ihre Kinder noch gefahrlos in diese Schule schicken können. Der stellvertretende Bürgermeister Sven Zuber (CDU) sieht bisher zwar keinen Zusammenhang zwischen den Fällen. „Wir nehmen die Sorgen der Eltern aber sehr ernst“, sagte Zuber der Berliner Morgenpost.

„Momentan gehen wir davon aus, dass es sich um eine unglückliche Häufung handelt. Die Krebserkrankungen der Kinder sind unterschiedlich“, fügte er hinzu. In einem Elternbrief kündigte der Kommunalpolitiker kurz vor den Osterferien dennoch umfangreiche Überprüfungen an. Sein Schreiben liegt der Berliner Morgenpost vor.

Umweltbelastung aus DDR-Zeiten

„Um die Möglichkeit von gesundheitlichen Einschränkungen auszuschließen, haben wir sofort umfassende Untersuchungen eingeleitet“, schreibt der Vize-Bürgermeister an die Eltern. „Dazu zählt unter anderem Raumluftmessungen in den Gebäuden.“ Die erste Messreihe auf mögliche Schadstoffe sei inzwischen durchgeführt und werde in einem Speziallabor auf 50 Spurenelemente ausgewertet. „Die Nordstadtschule wurde zwischen 2003 und 2005 komplett saniert und gehört zu den bestausgestatteten Schulen in der Region“, sagt Zuber.

Der Backsteinbau mit zwölf Klassenräumen und drei Fachräumen sei über 100 Jahre alt. Ein Teil der Schule wurde bereits im Jahr 1856 erbaut. „In den Ferien werden wir weitere Luftuntersuchungen in den Klassenzimmern und in den Kellerräumen vornehmen“, kündigt der Vize-Bürgermeister an. Auch die Luft am Boden und draußen werde überprüft. Das Gesundheitsamt und das Umweltamt des Landkreises Spree-Neiße sowie das Landesgesundheitsamt Brandenburg und der Arbeitsmedizinische Dienst seien damit befasst. Sobald die Ergebnisse vorliegen, werde es noch in diesem April eine Informationsveranstaltung geben. Für Rückfragen bis dahin hat die Stadtverwaltung eine Telefonnummer eingerichtet, an die sich besorgte Eltern wenden können (Tel. 03562/989 288).

Ob die Erkrankungen womöglich mit Umweltbelastungen aus DDR-Zeiten zu tun haben, wird ebenfalls untersucht. „Damals gab es in der Stadt eine chemische Reinigung“, so Sven Zuber. Über Jahrzehnte nutzte die „Lausitzer Textilreinigung Forst“ leicht flüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW) als Lösungsmittel. Diese Schadstoffe stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen. „Der Boden wurde dadurch kontaminiert. Der Grundwasserstrom trägt die Verunreinigungen in die nördliche Innenstadt“, so Zuber. Laut einem Bericht des Tagesspiegel hatte dies schon 2003 zur Sperrung mehrerer Spielplätze in der Stadt geführt. „Die Belastung mit LCKW wird überwacht. Die bisher gemessene Belastung liegt aber unterhalb der Grenzwerte“, sagte Zuber der Morgenpost. „Umweltexperten zufolge ist eine Gefahr auszuschließen. Wir wollen dies jetzt aber mit Messreihen untersetzen.“

Für eine systematische Untersuchung aller rund 260 Schüler und der Lehrer auf eine mögliche Erkrankung bestehe zum jetzigen Zeitpunkt keine Veranlassung, macht Vize-Bürgermeister Zuber deutlich. Erst die Ergebnisse der Luftuntersuchung könnten dafür die Basis liefern. Wenn die etwa 260 Schüler der multimedialen Modellgrundschule Nordstadt in Forst in der Lausitz aus den Osterferien in die Klassenzimmer ihrer zurückkehren, herrscht vielleicht schon ein wenig mehr Klarheit.