Kampagne

Golfturnier statt Olympia

Deutschland bewirbt sich mit Bad Saarow um den Ryder Cup

Lässig jongliert Martin Kaymer den kleinen weißen Ball erst mit dem Schläger, dann mit dem Spann seines rechten Fußes. Die Sonne strahlt, und Deutschlands bestem Golfspieler sieht man die Begeisterung im neuen Videospot der Kampagne „Mein Herz schlägt Schwarz. Rot. Golf“ an. Seit Mittwoch ist es offiziell: Deutschland bewirbt sich mit dem A-Rosa-Resort in Bad Saarow um den Ryder Cup 2022. „Wir freuen uns, mit dem wunderschönen Faldo Course ins Rennen zu gehen“, sagte Marco Kaussler, Leiter der deutschen Ryder-Cup-Bewerbung und Geschäftsführer der RC Deutschland GmbH in Berlin. „Die Zeit ist gekommen, diesen einzigartigen Wettbewerb nach Deutschland zu holen.“

Der Ryder Cup ist das größte Golfturnier der Welt, seit 1927 treten alle zwei Jahre bei diesem Teamwettkampf die besten Spieler Europas gegen die Auswahl der USA an, das Heimrecht wechselt bei jeder Austragung. Die jüngste Auflage in Schottland besuchten im vergangenen Jahr 255.000 Menschen, mehr als fünf Millionen Ticketanfragen waren eingegangen. Die TV-Berichterstattung in 183 Ländern erreichte mehr als 500 Millionen Haushalte. Um die vielen Menschen an den Scharmützelsee zu transportieren, muss ein exzellentes Park-and-ride-System erarbeitet werden.

Die Macher sind zuversichtlich

„Es gibt nichts Größeres als den Ryder Cup. Wie man das als Spieler erlebt, ist nur schwer in Worte zu fassen“, jubilierte Kaymer, der den Mannschaftswettkampf mit Europa bereits dreimal gewinnen konnte. „Wenn Deutschland den Zuschlag bekommt, ist das eine große Chance für den Golfsport hierzulande.“ Die Macher fühlen sich gut aufgestellt und sehen der Bewerbung zuversichtlich entgegen. Unterstützung kommt auch aus der Politik. So sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD): „Die deutsche Hauptstadtregion bietet mit 20 Anlagen eine optimale Infrastruktur für die olympische Sportart Golf. Das weltweite Interesse, das der Ryder Cup erfährt, gibt Brandenburg und Berlin nun die große Chance, dieses faszinierende Angebot bekannter zu machen, der Welt unsere wunderschöne Region zu präsentieren und neue Touristen zu begeistern.“

Bis Ende April müssen die Bewerbungsunterlagen eingereicht werden. Neben Deutschland bewerben sich auch Italien, Spanien, Portugal sowie Österreich um den 44. Ryder Cup. Der Sieger wird dann im Oktober/November gekürt.

Das Resort in Bad Saarow verfügt noch über drei weitere Golfplätze und bietet so genügend Platz für die erwarteten Zuschauer sowie die Fernsehaufbauten, Tribünen und Hospitality-Bereiche. Nach Angaben der Ryder Cup Europe muss der Veranstalter dafür eine Fläche von 120 Hektar zur Verfügung stellen.

Trotz aller Euphorie warnte Hans Joachim Nothelfer, Präsident vom Deutschen Golf Verband (DGV): „Das war bislang nur ein guter Abschlag, gewonnen haben wir noch lange nicht.“ Vor allem im Bereich der Technik und Logistik müsse noch viel geleistet werden. Für den Ryder Cup muss der Faldo Platz, auf dem einst schon Box-Legende Max Schmeling abschlug, erweitert und umgebaut werden. Die Aufgabe übernimmt Sir Nick Faldo höchstselbst. Der Engländer ist der erfolgreichste europäische Ryder-Cup-Spieler überhaupt. Ein gutes Omen.