Initiative

Brandenburger helfen Flüchtlingen in Seenot

Ausrangierter Kutter wird derzeit für Einsatz im Mittelmeer vorbereitet

Die Männer, die im Harburger Hafen an einem alten Kutter arbeiten, haben ihre Zielgruppe quasi vor Augen: Schräg gegenüber liegt das Wohnschiff „Transit“ für 200 Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea und anderen Ländern. Die Männer aus Brandenburg schweißen, schrauben und pinseln an ihrem Boot „GO 46“. 60 Jahre war der Kutter auf Fischfang auf der Nordsee, dann fast 40 Jahre Angelkahn und Wohnschiff. Bald soll der alte Kahn unter dem Namen „Sea Watch“ im Mittelmeer kreuzen und Bootsflüchtlinge in Seenot der Küstenwache melden. Hinter dem Projekt stehen eine Handvoll Brandenburger, die etwas gegen die Flüchtlingstragödie tun wollen. „Wir sind keine Millionäre“, sagt Harald Höppner. In der Kajüte sitzt er zwischen Seekarten, Laptop, Werkzeug und Kaffeetassen. Sonst lebt der 41-Jährige im brandenburgischen Landkreis Barnim. „Die Idee kam uns bei den Feiern zu 25Jahre Mauerfall“, sagt Höppner. „Überall gab es Filme, wo die Flüchtlinge an der innerdeutschen Grenze als Helden dargestellt wurden und sie von Fluchthelfern unterstützt wurden.“

Jedes Jahr kommen Tausende Flüchtlinge, vor allem aus Afrika und dem Nahen Osten, über das Mittelmeer nach Italien. Allein 2014 waren es mehr als 170.000. „Die EU-Grenzschutzagentur Frontex sichert nur die 30 Meilen vor den EU-Küsten“, sagt Hagen Kopp von der Initiative Watch The Med. „Der Schutz der Menschen ist zweitrangig.“

Die Hilfe müsse auf hoher See beginnen, sagt Höppner. Im ganz kleinen Kreis sammelte er Geld – für ein Schiff, Ausrüstung und Hilfsgüter. Mit Hilfe des Skippers Tillmann Holsten fand er in den Niederlanden den 1917 gebauten Kutter „GO 46“. Seit ein paar Wochen wird das 21 Meter breite Schiff im Harburger Hafen überholt und ausgebaut.

Ab Mai soll der Kutter mit acht Mann Besatzung zwischen Malta und Libyen kreuzen. In diesem Gebiet gab es die meisten Unglücke und Opfer. Auf dem gesamten Mittelmeer verloren im vergangenen Jahr 3500 Flüchtlinge ihr Leben, schätzen die Vereinten Nationen.

„Wir können nicht zahllose Menschen aus dem Wasser ziehen. Wenn wir Boote in Seenot entdecken, verständigen wir die Küstenwache“, beschreibt Höppner das Konzept. Die sei dann verpflichtet, den Flüchtlingen zu Hilfe zu eilen und andere, in der Nähe fahrende Schiffe zu alarmieren. Die „Sea Watch“ selbst hat Rettungsinseln, Wasser und Funkgeräte an Bord. Wichtig ist vor allem das Satellitentelefon, um von jeder Position aus Hilfe rufen zu können.

Eine „sinnvolle Aktion“ findet auch Hagen Kopp, dessen Initiative eine zentrale Notrufnummer für Flüchtlinge in Seenot betreibt. „Wir könnten mithilfe der ‚Sea Watch‘ kontrollieren, wo Schiffe in Not sind und auch über unsere Kanäle Hilfe organisieren.“ Und wenn die Behörden nicht eingreifen? „Dann können wir das bekannt machen.“