Gedenken

Loriot und sein Brandenburg

Eine Ausstellung im Landtag erinnert an den 2011 verstorbenen Vicco von Bülow und seine Verbindungen zu seiner Heimat

Es war das Ereignis in Brandenburg an der Havel. Damals, vor 30 Jahren. Etwa 1500 Menschen aus allen Bezirken des Landes strömten am 18. Mai 1985 zum Dom nach Brandenburg. „Auch westliche Medien waren da, um über die Sensation einer Loriot-Ausstellung in der DDR zu berichten“, erinnert sich Katrin Arndt. Sie war zu der Zeit 18 Jahre alt. Ihre Mutter Gerda Arndt hatte es geschafft und alle staatlichen Hürden überwunden: Zum Internationalen Museumstag konnte auf ihre Initiative hin die Schau mit Werken des bekannten Humoristen „aus Westdeutschland“ eröffnet werden. Vicco von Bülow, bekannt als Loriot, war zu diesem Anlass nach mehr als 60 Jahren erstmals wieder in seiner Geburtsstadt – und tief gerührt über das unglaubliche Echo.

Bis zum 19. Juni beleuchtet nun eine kleine Wanderausstellung im Potsdamer Landtag diesen einst so bewegenden Tag für den 2011 verstorbenen Künstler Vicco von Bülow und für die Brandenburger. Die privaten und politischen Umstände, unter denen die erste Loriot-Ausstellung in der DDR eröffnet wurde, bilden den Schwerpunkt der am Dienstagabend eröffneten Schau im Foyer des wiederaufgebauten Stadtschlosses mit einigen Tafeln. Der Titel: „Moooment – Loriot, der Brandenburger in Brandenburg“.

Nur eine kleine Schau

Die Schau beleuchtet zunächst die frühe Kindheit Bülows rund um die Brandenburger Kasernenmauern, in deren Schatten er seine ersten Jahre verbrachte. Zu hohe Erwartungen sollte der Besucher aber nicht mitbringen: Es handelt sich lediglich um einen Teil der Ausstellung, die unmittelbar nach dem Tod Loriots von dem Verein „Die Altstädter“ unter dem Vorsitz von Katrin Arndt in Zusammenarbeit mit dem Büro „ZEITseeing“ entstanden ist. Rund 7000 Menschen besuchten 2012 die Ausstellung im Bürgerhaus in der Altstadt von Brandenburg an der Havel. Die Texttafeln, die jetzt in Potsdam zu sehen sind, waren in der St.-Gotthardt-Kapelle zu sehen, die damals mit einbezogen war. Dort war Loriot einst getauft worden. „Der frühere Ministerpräsident Matthias Platzeck hatte angeregt, die Schau im Landtag zu zeigen“, sagt Katrin Arndt. „Wir wollen damit auch bei den Politikern und in der Bevölkerung um Unterstützung werben, eine dauerhafte Ausstellung zu Ehren Loriots in Brandenburg an der Havel installieren zu können.“

Bernhard-Victor Christoph-Carl von Bülow war am 12. November 1923 um 21.50 Uhr im dortigen städtischen Krankenhaus geboren worden. Als Sohn des Polizeileutnants Johann-Albrecht Wilhelm von Bülow und dessen erster Ehefrau Charlotte Mathilde Luise. Ein Jahr später kam sein Bruder auf die Welt. Die Familie von Bülow wohnte in einer Dienstwohnung der ehemaligen Infanteriekaserne, seit 1921 Polizeikaserne Groß-Berlin an der Magdeburger Straße 51. Der Vater arbeitete dort als Ausbilder. Hier verbrachte Loriot seine ersten drei Jahre. Nach der Trennung der Eltern zogen die Kinder zu ihren Großmüttern nach Berlin.

„Meine Eltern kamen 1982 auf die Idee, Vicco von Bülow in seine Geburtsstadt zu holen“, erzählt Katrin Arndt im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Ihre Mutter war damals Leiterin des Dommuseum. „Loriot hat Brandenburg, seine preußische Herkunft und Brandenburg an der Havel in vielen Interviews erwähnt.“ Gerda Arndt fand für ihr Vorhaben, im kirchlichen Raum eine eher weltliche Ausstellung zu veranstalten, engagierte Mitstreiter. Darunter der Brandenburger Dompfarrer und Leiter des evangelischen Kunstdienstes, Heinz Hoffmann, und Altbischof Albrecht Schönherr.

Nach seiner ersten Wiederbegegnung mit seiner Heimatstadt kam Vicco von Bülow regelmäßig nach Brandenburg an der Havel. Er engagierte sich mit seiner Vicco-von-Bülow-Stiftung für soziale und kulturelle Belange und den Denkmalschutz. Brandenburg verlieh ihm 1993 die Ehrenbürgerwürde. Allein für die Rettung des Doms brachte Loriot über eine Million Mark zusammen. Die Stadt machte dem Ehrenbürger zum 85. Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk: Sie ließ die Nordkapelle seiner Taufkirche St. Gotthardt sanieren. Die dafür nötigen 85.000 Euro waren bei einer Spendenaktion mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) zusammen gekommen. An der feierlichen Übergabe am 19. September 2009 nahm Loriot mit seiner Frau Rose-Marie und seiner Tochter Susanne teil. In seinen Dankesworten sagte er damals: „Ob Sie es glauben oder nicht: Dies ist ein Höhepunkt in meinem Leben.“ Es war sein letzter Besuch in seiner Geburtsstadt. Am 22. August 2011 starb Loriot mit 87 Jahren.