Bildung

Tausende Kinder auf der Warteliste

Die Brandenburger Musikschulen sind sehr gefragt. Eine Volksinitiative fordert vom Land eine stärkere Förderung

Der Bedarf an musischer Bildung in Brandenburg wächst. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Die Angebote der Musik- und Kunstschulen sind gefragt wie nie. Die Schülerzahlen steigen“, sagt die Sprecherin des Verbandes der Musik- und Kunstschulen im Land (VdMK), Katja Bobsin. Derzeit würden 39.000 Schüler an den 35 öffentlichen Einrichtungen unterrichtet, weitere 3550 Schüler warteten auf einen Platz. Im Vergleich zum Jahr 2000 seien die Schülerzahlen um mehr als 40 Prozent gestiegen, die Personalkosten sogar um 44 Prozent. Eltern schätzten Bobsin zufolge die hohe Qualität der Schularbeit. Angebote wie die Breitenausbildung, Förderung der Bigbands sowie zahlreiche kreative Projekte seien stark nachgefragt. Die Talentförderung obliege im Land allein den Musikschulen.

Kommunen tragen die Hauptlast

Brandenburg gibt für die Einrichtungen nach Angaben der Sprecherin 2,6 Millionen Euro aus. „Im Vergleich zu den fünf bis 30 Millionen Euro, die andere Bundesländer für Musik-, Musikhoch- und Spezialschulen ausgeben, ist das eine marginale Größe“, so Bobsin. Sie kritisiert, dass die Landesförderung seit 15 Jahren nicht an die gestiegenen Schülerzahlen und die Tariferhöhungen angepasst worden sei. So sei der Anteil der staatlichen Unterstützung an den Gesamtkosten von ursprünglich 15 Prozent auf zuletzt neun Prozent gesunken. „Die Mehrkosten gehen zulasten der Eltern und Kommunen“, sagt die VdMK-Sprecherin. Insbesondere die Kommunen schulterten die Hauptlast für ihre Musik- und Kunstschulen, tragen mehr als die Hälfte der Kosten. „Die sinkende und relativ geringe finanzielle Beteiligung des Landes wurde bisher durch die Stadt und die Nutzer aufgefangen“, bestätigt Potsdams Stadtsprecherin Christine Weber.

„Die von der Landesregierung geforderten Qualitäts- und Ausbildungsstandards können nur dann bezahlt werden, wenn auch eine angemessene Förderung seitens des Landes vorliegt“, sagt der Leiter der städtischen Musikschule in Guben (Spree-Neiße), Andreas Zach. In seiner Einrichtung arbeiten derzeit lediglich vier fest angestellte und 28 freie Lehrer. Mit der derzeitigen finanziellen Ausstattung ist nach Ansicht von Katja Bobsin dem drohenden Fachlehrermangel nicht abzuhelfen. Festanstellungen würden seit Jahren aus Kostengründen eingespart, dafür Honorarkräfte engagiert. „Weitere Einsparungen würden zu einem Kollaps des Systems ‚Musikschule‘ führen“, so Bobsin. Die Breiten- und Begabtenförderung, Behindertenarbeit und Kooperationen mit allgemeinbildenden Schulen seien unter diesen Umständen nicht mehr aufrechtzuerhalten. Die Qualität des Angebotes nehme Schaden.

Volksinitiative gegründet

Für eine bessere Finanzierung der Musikschulen hatte sich 2014 die Volksinitiative „Musische Bildung Jetzt“ gegründet. Im November reichten die Initiatoren eine Liste mit mehr als 35.000 Unterschriften beim Landtag ein. Eine Entscheidung ist im März anberaumt, teilt eine Landtagssprecherin mit. Allerdings haben sich die Koalitionsfraktionen von SPD und Linke bereits darauf geeinigt, dass die Mittel für die Musik- und Kunstschulen von 2017 an um 2,1 Millionen Euro erhöht werden sollen.

Die privaten Musikschulen wachsen auch ohne staatliche Zuschüsse. „Wir erhalten gar keine öffentliche Förderung, mal abgesehen von Bildung und Teilhabe, das einige wenige unserer Schüler in Anspruch nehmen“, sagt der Leiter der Freien Musikschule Potsdam, Roland Menthel. Mit rund 800 Schülern sei die Einrichtung die drittgrößte Musikschule Potsdams. Er beschäftige ausschließlich Musiklehrer mit Hochschulausbildung oder besonderer künstlerischer Laufbahn, die als freie Mitarbeiter engagiert sind. Deren Bezahlung sei im Laufe der Jahre leicht angestiegen.