Pädagogenmangel

„Buschprämie“ für Lehrer auf dem Land

Bildungsminister Günter Baaske will drei Jahre lang einen Bonus zahlen

Ludger Melters war 1994 als Lehrer vom Niederrhein nach Brandenburg gekommen. Mit seiner Frau, die aus Paris stammt. Der Katholik hatte sich auf dem flachen Land beworben, da, wo kaum einer seiner Kollegen freiwillig hin will. „Ich habe das nicht bereut“, sagt Melters. In einem Werbefilm auf dem Fachkräfteportal des Landes wirbt der stellvertretende Schulleiter am Oberstufenzentrum Prenzlau derzeit für das Lehrerdasein in der „schönen Uckermark“. Brandenburg sucht allein für das kommende Schuljahr mehr als 1000 Lehrer. Um sie für die Prignitz oder Uckermark zu gewinnen, will Bildungsminister Günter Baaske (SPD) es aber nicht nur bei der bundesweiten Werbung belassen. Er erwägt jetzt sogar eine finanzielle Zulage – für schwer zu besetzende Lehrerstellen. Eine „Buschprämie“ sozusagen.

Etwa 300 Euro mehr

Derzeit werde ein befristeter Bonus juristisch geprüft, sagte der Minister am Dienstag in Potsdam. Denkbar seien etwa 300 Euro brutto monatlich für drei Jahre. Auch mehr Anreize für Schulleiter würden erwogen. Laut Baaske sind momentan rund 25 Schulleiterstellen unbesetzt. „Der Posten ist für viele nicht attraktiv genug“, sagte der Minister. Denn gerade an kleinen Schulen auf dem Land müssten die Rektoren zu viele Aufgaben übernehmen, ohne dass dies entsprechend vergütet werde. „Wir prüfen daher, ob ihnen mehr Stunden angerechnet werden können.“

Offenbar reicht es nicht mehr aus, dass Brandenburg – anders als Berlin – mit der Verbeamtung lockt und damit einen sicheren Arbeitsplatz garantiert. Auch nicht, dass „fast alle Schulen bei uns mittlerweile wie aus dem Ei gepellt sind“, wie Baaske es formulierte. Und Lehrer kein Problem haben, einen Kita-Platz für ihre Kinder zu finden. „Brandenburg hat vielfach auch recht kleine Klassen“, nannte der Bildungsminister noch einen Vorteil auf. Derzeit sucht das Land Interessenten für etwa 70 Stellen im Brandenburger Schuldienst.

Das Fachkräfteportal www.fachkraefteportal-brandenburg.de hat Baaske als früherer Arbeitsminister in Brandenburg aufgebaut. Die Schulen sind mit den Ausschreibungen verlinkt, sodass Bewerber sich Fotos von ihrem künftigen Arbeitsort und andere Detailinformationen im Netz holen können. „Lehrer aus anderen Bundesländern brauchen keinen Tauschpartner, wenn sie sich für eine bestimmte Schule bewerben“, sagte Minister Baaske. Die Einstellungen nehmen die Regionalstellen des Landesschulamtes Brandenburg/Havel, Cottbus, Frankfurt (Oder) und Neuruppin vor. Die Bewerbungsverfahren laufen.

Deutsch und Mathematik

Den größten Bedarf sieht Baaske in den Grund- und Oberschulen. Vor allem für die Fächer Deutsch und Mathematik, aber auch für Kunst und Musik, Englisch, Sport und Sachkunde werden Lehrer gesucht. Vor allem in den berlinfernen Regionen wie der Prignitz, der Uckermark und der südlichen Lausitz. Ab 2016/17 würden an Gymnasien wieder Biologie-, Chemie-, Physik- und Informatiklehrer benötigt.

Die 1000 neu einzustellenden Lehrer im Schuljahr 2015/16 ersetzen laut Ministerium etwa 700 Kollegen, die aus dem Schuldienst ausscheiden. Die restlichen 300 neuen Stellen werden gebraucht, weil ab kommendem Schuljahr die Lehrer an den Gesamtschulen, Gymnasien und Oberstufenzentren eine Unterrichtstunde pro Woche weniger geben müssen. In den nächsten fünf Jahren will die rot-rote Regierung 4300 Pädagogen neu einstellen.

Damit vermieden wird, dass weiterhin Tausende von Schülern in Brandenburg wegen Unterrichtsausfalls in bestimmten Fächern keine Noten bekommen, will der Minister die Schulleiter nun verpflichten, größere Ausfälle zu melden. „Das ist bislang nicht ausreichend geregelt“, sagt er. Außerdem sucht er nach Möglichkeiten, erkrankte Lehrer häufiger frühpensionieren zu lassen. Sind sie wieder gesund, können sie sich in den Schuldienst zurückmelden. Bis dahin aber könne ihre Stelle besetzt werden.