Dokumentation

Fürst Pückler: Playboy, Pascha, Visionär

Arte zeigt eine Dokumentation über den Gartenkünstler und Lebemann

Weiße Hirsche sollen seine Kutsche durch Berlin gezogen haben: Fürst Pückler (1785-1871) war zeitlebens für Spektakuläres zu haben. Bekannt ist der Adlige vor allem als genialer Gartenkünstler. Im sächsischen Bad Muskau schuf er eine riesige Parkanlage, die seit 2004 zum Unesco-Weltkulturerbe zählt. Eine Dokumentation beleuchtet den Fürsten als „Playboy, Pascha, Visionär“. Der TV-Sender Arte strahlt das Ganze an diesem Sonntag (17.35 Uhr) im Vorabendprogramm aus. Es gibt viele schöne Luftaufnahmen von seinen Parks.

Hermann von Pückler-Muskau, ein Mann, der mehr Frauen verführte als Casanova – so wird der Fürst gleich zu Beginn angekündigt. „Wäre er heute noch unter uns, gehörte er sicherlich zu den ganz großen Medienstars“, sagt der Direktor der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, Gert Streidt. Im Branitzer Park im brandenburgischen Cottbus, dem Alterssitz Pücklers, wurde er auch beigesetzt. Sogar das inszenierte er: Er ließ sich eine Grabpyramide aus Erde inmitten eines Sees erschaffen. Heute ist der Tumulus genannte Hügel ein Wahrzeichen der Stadt.

Seine Scherze, mit denen er andere in Angst und Schrecken versetzen konnte, begannen laut der rund 50-minütigen Dokumentation schon früh: Als Kind fühlte er sich von seinen Eltern zu wenig beachtet. Er half nach und warf aus Schloss Muskau, wo er geboren wurde, eine Puppe aus dem Fenster, die ihm ähnlich sah. Als die Eltern zu ihrem vermeintlichen Sohn stürmten, hörten sie schallendes Gelächter.

In der stimmigen und unterhaltsamen Dokumentation von Eike Schmitz und Philipp Grieß geben unter anderen ein Historiker, eine Literaturwissenschaftlerin und ein Baumschulen-Experte Einschätzungen ab – dazwischen sind Filmsequenzen eingestreut. Pücklers Leben wird auch in den politischen Kontext gestellt. Der Fürst wird in den nachgestellten Szenen von Stephan Grossmann („Weissensee“) dargestellt. Gedreht wurde viel in den Parks in Bad Muskau und Cottbus. Die Landschaften wurden nach dem Vorbild romantischer Gemälde angelegt. „Unsere Aufgabe ist es, die Natur zu veredeln, spannende Bilder zu schaffen“, sagt die Figur Pückler in einer Szene. Die Parks sind so geschaffen, dass sie natürlich aussehen. Riesige Bäume, weitläufige Wiesen und verschlungene Wege.

Der Muskauer Park liegt heute zu zwei Dritteln auf polnischem Boden und erstreckt sich über etwa 830 Hektar Fläche. Seit 1945 markiert der Fluss Neiße die Staatsgrenze. In diesem Jahr ist es 200 Jahre her, dass Pückler in Muskau die Bevölkerung aufrief, ihm für den Park die nötigen Grundstücke zu überlassen. Aber die Liebe für Parks kostete Geld und Pückler ging es langsam aus. Die Idee seiner Frau Lucie von Hardenberg: Scheidung, damit er sich eine reiche Frau suchen kann. Beide wollten so ihre Parkpläne weiterführen. Er fuhr nach England und berichtete täglich von seiner Brautschau. Durch die Veröffentlichung seiner Briefe an Lucie verdiente er viel Geld. Das Paar konnte weitermachen.