Bilanz

So wenige Verkehrstote wie noch nie

Brandenburgs Straßen bleiben aber gefährlich. Innenminister kündigt verstärkte Kontrollen an

Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz-Schröter (SPD) hat am Freitag bei der Vorstellung der Unfallbilanz für 2014 eine unerwartet positive Nachricht verkündet: Auf den märkischen Straßen starben innerhalb eines Jahres die wenigsten Menschen seit Bestehen des Landes. Dennoch liegt Brandenburg mit 139 Toten immer noch unter den traurigen Spitzenreitern – hinter Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Die Zahl der Toten ging 2014 in Brandenburg um 18,2 Prozent zurück, bundesweit stieg sie dagegen um 0,9 Prozent.

„Wenn man Berlin mit dazurechnet, sieht die Situation noch besser aus“, sagte Schröter. „Jeder Berliner, der mit dem Auto außerhalb seiner Stadt unterwegs ist, muss ja durch Brandenburg.“ Und umgekehrt seien Brandenburger in Berlin unterwegs. Jahrelang hatte das Transitland Brandenburg bundesweit die Negativstatistik der Verkehrstoten angeführt. Der Höhepunkt war 1992. Damals wurden 876 Menschen getötet.

Berlin am sichersten

In Berlin ist die Gefahr bundesweit am geringsten, im Straßenverkehr getötet zu werden. Im vergangenen Jahr wurden in der Hauptstadt statistisch 15 Verkehrstote pro eine Million Einwohner gezählt, in Brandenburg waren es 57 Tote. „Fasst man beide Statistiken zusammen, läge Brandenburg im unteren Drittel“, so Schröter. Nach Ministeriumsangaben sind unter den Toten auf Brandenburgs Straßen rund zehn Prozent Berliner.

Auch die Zahl der Verkehrsunfälle ging 2014 auf 79.254 und damit erstmals auf unter 80.000 zurück. Allerdings gab es 10.739 Verletzte. Das ist eine Steigerung von 4,4 Prozent.

Hauptursache für Unfälle bleiben laut Polizei zu hohe Geschwindigkeit und Alkohol am Steuer. Alkoholisierte Autofahrer haben im vergangenen Jahr 1165 Unfälle verursacht und dabei 578 Menschen verletzt – 16,3 Prozent Personen mehr als noch im Vorjahr. „Auch Drogen spielen immer häufiger eine Rolle“, sagte der amtierende Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. Vor allem Cannabis und Speed würden konsumiert. Die Unfälle unter Drogeneinwirkung sind von 83 auf 108 gestiegen – um 30 Prozent. Auch bei Kontrollen wurden häufiger Fahrer angetroffen, die Drogen genommen hatten.

Die Polizei ertappte 2014 mehr als 1,3 Millionen Temposünder. Auch wenn deren Zahl insgesamt zurückging, stellten die Beamten größere Verstöße fest. Das habe zum Anstieg der Bußgelder von 42 auf 46 Millionen Euro im vergangenen Jahr geführt. Brandenburg setzt künftig verstärkt auf Kontrollen. „Das ist keine Androhung von Abzocke“, sagte Innenminister Karl-Heinz Schröter. Die aktuelle Verkehrsstatistik zeige, dass das Land mit seiner repressiven Verkehrspolitik und präventiven Maßnahmen richtig liege. Brandenburg werde sich erneut am „Blitzermarathon“ am 16. und 17. April beteiligen, kündigte er an. Nach Berliner Vorbild sollen Bürger erstmals die Behörden auf Orte hinweisen können, wo sich Radarkontrollen besonders lohnen könnten. Zudem soll es, wie im vorigen Jahr gestartet, häufiger gemeinsame Kontrollen mit Berlin geben.

Tempolimit auf Alleen

Ein Grund für die hohe Rate tödlicher Unfälle bleiben die vielen Alleen im Land. 54 Menschen sind dort im vergangenen Jahr gestorben. Zehn Jahre zuvor waren es noch 118. Mit Tempo 70 auf Alleen und mehr Leitplanken versucht Brandenburg, die Gefahr zu senken. „Wir werden weiter darauf dringen, dass die Beschränkung von 70 Stundenkilometer durchgesetzt wird“, kündigte Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (parteilos) am Freitag an.

Zunehmend an Unfällen beteiligt sind Senioren (15.055, plus 4,3 Prozent). 71 Prozent der Unfälle wurden von ihnen selbst verursacht. Dies sei auch auf den wachsenden Anteil der über 65-Jährigen an der Bevölkerung zurückzuführen, so Schneider. Positiv bewerten die Behörden den Führerschein mit 17, den allein im vergangenen Jahr 8680 junge Menschen nutzten. Unfälle nach Discobesuchen sollen weiter mithilfe von Fifty-Fifty-Tickets, mit denen Jugendliche zum halben Preis Taxi fahren können, vermieden werden. Das Land gibt dafür in diesem Jahr laut Ministerium 62.000 Euro aus.