Affäre

Und noch ein Korruptionsfall

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Bau-Bereichsleiter am BER

Eine neue Korruptionsaffäre erschüttert den Berliner Flughafen BER. Nach Informationen von „Bild am Sonntag“ ermittelt die Staatsanwaltschaft Neuruppin seit Dezember gegen einen ehemaligen Baubereichsleiter des neuen Hauptstadtflughafens und vier leitende Mitarbeiter der Firma Imtech wegen Bestechung und Bestechlichkeit in besonders schwerem Fall.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte auf Anfrage, dass der Flughafenmitarbeiter einen erheblichen Geldbetrag im Zusammenhang mit Aufträgen für die Firma erhalten habe. Dabei geht es um zwei Zahlungen der Flughafengesellschaft an die Firma Imtech und die Arbeitsgemeinschaft Imtech/Caverion (Imca) in Höhe von rund 60 Millionen Euro. Die Überweisung erfolgte, obwohl die gestellten Nachtragsrechnungen der Firmen noch nicht geprüft waren. Im Gegenzug soll der zuständige Bereichsleiter von Mitarbeitern der Firma Imtech einen Millionenbetrag erhalten haben. Die Firma ist unter anderem für den umstrittenen Brandschutz am BER zuständig. Der Flughafen soll bereits Mitte 2013 in einem anonymen Schreiben auf den Vorgang hingewiesen worden sein.

Andreas Otto (Grüne), Sprecher im Untersuchungsausschuss BER des Berliner Abgeordnetenhauses, forderte eine umfassende Aufklärung und eine ordentliche Rechnungsprüfung: „Angesichts des neu bekannt gewordenen Korruptionsfalles stellt sich die Frage, ob Herr Mehdorn und die Aufsichtsratsmitglieder gegenüber dem Abgeordnetenhaus den Fall bisher bewusst verschwiegen haben“, sagte Otto. „Die Behauptung von Herrn Mehdorn, der Fall Großmann sei singulär gewesen, war leider offenbar falsch.“ Wenn tatsächlich zweistellige Millionenbeträge ungeprüft an Firmen überwiesen worden seien, stelle sich das Thema Mehrkosten am BER ganz neu dar: „Der Flughafen ist eine Goldgrube für Glücksritter, die die öffentliche Hand ausnehmen“, so Otto. „Sie finden ideale Bedingungen in einem schlecht organisierten Projekt, dessen Strukturen nicht funktionieren.“

Im Oktober vergangenen Jahres hat das Amtsgericht Cottbus gegen den früheren Technikchef des Hauptstadtflughafens BER, Jochen Großmann, wegen Korruption einen Strafbefehl erlassen. Großmann wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Außerdem musste der Manager 200.000 Euro an die Landeskasse zahlen. Der Strafbefehl ist rechtskräftig.