Streik

Stillstand bei Bussen und Straßenbahnen

Erster Warnstreik der Mitarbeiter von Brandenburger Verkehrsbetrieben. Weitere Aktionstage sollen folgen

Ausgefallene Schulprüfungen, Staus und Verspätungen: Am Dienstagnachmittag gegen 15 Uhr hatten Potsdamer, Brandenburger und auch die zahlreichen Berufspendler aus Berlin den ersten Streiktag im öffentlichen Personennahverkehr überstanden. Wegen eines Warnstreiks fuhren am Dienstag in Potsdam und in Teilen von Brandenburg weder Busse noch Straßenbahnen. Die blieben für zwölf Stunden in den Depots. Allein in der Landeshauptstadt waren es 54 Busse und 53 Straßenbahnen. Etwa 300 Mitarbeiter verschiedener Verkehrsbetriebe in Potsdam, Potsdam-Mittelmark, Barnim, Märkisch-Oderland und Oder-Spree hatten von Betriebsbeginn an gegen 3 Uhr nachts bis zum Nachmittag ihre Arbeit niedergelegt. Die Streiks sollen bis voraussichtlich Freitag in verschiedenen Regionen fortgesetzt werden. Am heutigen Mittwoch stehen die Busse und Bahnen von 3.30 Uhr bis 14 Uhr in Frankfurt/Oder still.

„Der zwölfstündige Warnstreik war ein toller Erfolg“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Marco Pavlic. „Die Stimmung war kämpferisch.“ Wie Pavlik der Berliner Morgenpost sagte, wurde der Warnstreikaufruf seit Betriebsbeginn vollständig befolgt. „Der größte Teil der Streikenden sind Gewerkschaftsmitglieder“, sagte er. „Es haben sich aber auch Mitarbeiter, die nicht in der Gewerkschaft sind, dem Warnstreik angeschlossen.“ Verdi hatte wegen einer ersten ergebnislosen Verhandlungsrunde am vergangenen Freitag zu den Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Mit dem Ausstand will die Gewerkschaft Druck ausüben. Die Arbeitnehmervertreter fordern für die Bus- und Straßenbahnfahrer unter anderem mindestens 120 Euro mehr Lohn pro Monat. Nach Angaben von Verdi bekämen Bus- und Bahnfahrer ungefähr 1800 Euro brutto plus Zuschläge für Schichten an den Wochenenden und an Feiertagen.

Streiks werden angekündigt

Bis zum 9. März erwartet Verdi jetzt ein Angebot von den Arbeitgebern, am 16. März werden sich beide Seiten zur nächsten Verhandlungsrunde an einen Tisch setzen. Pavlik betonte, dass es auch in den kommenden Tagen zu Warnstreiks bei Bussen und Straßenbahnen in Brandenburg kommen wird. „Wir werden jeweils am Abend vor dem nächsten Streiktag mitteilen, welche Regionen betroffen sein werden.“

Nach Angaben der Pressestelle der Potsdamer Polizei gab es in der Innenstadt ein „erkennbar erhöhtes Verkehrsaufkommen“. Große Staus seien aber ausgeblieben. Besonders betroffen waren am Dienstag Schüler. Viele von ihnen kamen zu spät oder gar nicht zum Unterricht. Das hatte zur Folge, dass die sogenannten Vergleichsarbeiten Vera 8 an einigen Potsdamer Schulen nur zum Teil stattfinden konnten. Diese Tests sollen fachliche und pädagogisch-psychologische Impulse für schulinterne Aktivitäten liefern sowie die Kooperation innerhalb und zwischen Schulen stärken, wie es auf der Internetseite des Institutes für Schulqualität Berlin-Brandenburg heißt. Am Dienstag standen Tests im Fach Englisch an. Die Vera-Tests für Mathematik und Deutsch in den kommenden Tagen sollen wegen der weiteren Warnstreiks auf spätere Unterrichtsstunden verlegt werden. Auch Nachschreibtermine wurden schon festgelegt.

In Erkner (Oder-Spree) hat Verdi auf Bitte der Arbeitgeber den Streik bereits um 13 Uhr beendet, damit der Schülerverkehr am Nachmittag wieder aufgenommen werden konnte. „Die Busse sind ab 13 Uhr und 13.30 Uhr wieder gefahren“, sagte Pavlik. „Die Arbeitgeber haben unser Zeichen verstanden. Der Streik richtet sich gegen die Arbeitgeber und nicht gegen die Fahrgäste.“

„Streiks lösen das Problem nicht“, sagte der Verhandlungsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Brandenburg e.V., Klaus Klapproth. Die Verkehrsunternehmen sehen eine gewisse Berechtigung für Lohnerhöhungen und stehen einem fairen Kaufkraftausgleich auch nicht völlig ablehnend gegenüber, heißt es. Es gebe aber das nachhaltige Problem der Refinanzierung. „Es liegt nicht daran, dass die Unternehmen nicht wollen, sondern daran, dass sie nicht können.“