Nachfolger

Kein zweiter Mehdorn als Ober-Boss

Was vom neuen BER-Chef Karsten Mühlenfeld erwartet wird und was für den Aufsichtsrat geplant ist

Der frühere Rolls-Royce-Manager Karsten Mühlenfeld soll das Flughafenprojekt BER vollenden. Er stellte sich am Freitag nach dem Beschluss des Aufsichtsrats als Nachfolger von Hartmut Mehdorn vor, der den Posten spätestens im Juni aufgibt. Zu seiner Motivation, die Aufgabe zu übernehmen, sagte der künftige Chef: „Ich komme aus der Region, ich kenne mich in Brandenburg und Berlin bestens aus. Für mich ist es eine große Herausforderung, diesen Flughafen fertigstellen zu dürfen.“ Die mehrmals verschobene Eröffnung wurde von Mehdorn auf die zweite Hälfte 2017 festgelegt. „Es ist für mich sehr schön zu zeigen, welche Fähigkeiten in mir stecken, hier diesen komplexen Betrieb rechtzeitig ans Netz zu bringen“, so der 51-Jährige weiter.

Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), sagte nach der Entscheidung: „Karsten Mühlenfeld ist ein erfahrener Manager, der das Zeug dazu hat, das Projekt rasch zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.“ Für den BER bedeute das endlich Klarheit und Planungssicherheit.

Veränderungen im Aufsichtsrat

Mühlenfeld war schon lange Favorit des Potsdamer Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD). Er soll aber kein zweiter Mehdorn als Ober-Boss des BER werden, sondern die bisherige Führungsmannschaft der Flughafengesellschaft eher als Teamspieler leiten. Insbesondere Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte darauf gedrungen, dass Finanzgeschäftsführerin Heike Fölster und der Leiter Betrieb, Elmar Kleinert, ebenso weiter arbeiten können wie Technik-Chef Jörg Marks. Der Neue soll vor allem die Koordination der Geschäftsführung übernehmen und die zahlreichen Auftritte vor Parlamentsausschüssen und anderen Gremien absolvieren. Von ihm wird erwartet, dass er planerische Vorarbeiten von Marks zur Lösung der Probleme mit der Brandschutzanlage übernimmt und sich nicht in das erfolgreich laufende Management der beiden alten Flughäfen Tegel und Schönefeld einmischt.

Als Gegenleistung dafür, dass Berlin Mühlenfeld akzeptiert und nicht auf den früheren Bombardier-Chef Michael Clausecker bestanden hat, darf das Land den Vorsitzenden des Aufsichtsrates stellen. In dem Kontrollgremium wird es massive Veränderungen geben. Nachdem Woidke nicht in den Aufsichtsrat gehen wollte und auch seine Minister ausgeschieden sind, sieht sich auch Müller in der Pflicht, sein Mandat abzugeben. Denn sonst hätten alle immer auf ihn als Ministerpräsidenten geschaut. So verlassen der Senatschef und sein Innensenator Frank Henkel (CDU) den Aufsichtsrat.

Als neuen Vorsitzenden will Müller seinen Vertrauten Engelbert Lütke Daldrup installieren. Der Regierende hatte den Sozialdemokraten als Staatssekretär in die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geholt, als er dort noch Ressortchef war. Jetzt soll der 58-Jährige neben dem Wohnungsneubau auch den Flughafen übernehmen. Ihm zuarbeiten soll ein neues Sonderreferat, das aus zwei Mitarbeitern der Senatskanzlei und weiteren Experten aus den Verwaltungen bestehen soll. Müller hat den Eindruck, dass die bisherige Unterstützung, die sich sein Vorgänger Klaus Wowereit für die Arbeit im Aufsichtsrat organisiert hatte, nicht ausreichend war. Lütke Daldrup kennt das Flughafenprojekt aus seiner Zeit als Staatssekretär im Bundesbauministerium. Für den damaligen SPD-Minister Wolfgang Tiefensee saß der Stadtplaner von 2006 bis 2009 im BER-Aufsichtsrat.

An Stelle Henkels soll dessen Staatssekretär Bernd Krömer in den Aufsichtsrat gehen. Hintergrund: Der Koalitionspartner CDU soll nicht komplett aus der Verantwortung entlassen werden. Auch Finanz-Staatssekretärin Margaretha Sudhoff soll Aufsichtsrätin bleiben, um über die künftigen Geld-Wünsche des Flughafens zu wachen. Um mehr technischen Sachverstand auf die Berliner Aufsichtsrats-Bank zu bringen, könnte der Hotelier Michael Zehden durch einen Bau-Experten ersetzt werden. Indem die erste Reihe von Politikern aus dem Kontrollgremium verschwindet, soll die Rolle der Gesellschafterversammlung gestärkt werden. Müller, Woidke und Bundesbauminister Alexander Dobrindt (CSU) werden sich künftig dreimal pro Jahr treffen, um Entscheidungen für den BER wie Finanzbedarf oder Erweiterungen des Flughafens zu beraten.

Dobrindt zögerte lange

Bis zuletzt hatte Dobrindt gezögert, sein Okay zu diesem von Berlin und Brandenburg seit Wochen gemeinsam vertretenen Weg für die Zukunft des BER-Projekts zu geben. Noch vergangene Woche hatte der Minister öffentlich erklärt, man habe keine Eile, die Nachfolgefrage an der Spitze des BER zu klären, weil Hartmut Mehdorn ja bereit sei, bis Juni weiter zu arbeiten. Aber der frühere Bahn-Chef selbst hatte erklärt, dass eine schnelle Entscheidung im Sinne der Firma nötig sei. Dobrindt lenkte schließlich ein. Ihm wurde klar, dass es auch für ihn einen politischen Schaden bedeuten würde, sollte der Zeitplan zur BER-Eröffnung sich weiter verzögern. Denn im Herbst 2017 ist Bundestagswahl, da könnte auch der Flughafen-Gesellschafter Dobrindt aus Bayern die Eröffnung des Pannen-Airports gut vertragen.