Sicherheit

Brennende Barbies und Steinzeit-Gefühl

Im Brandenburger Brandschutzzentrum üben Kinder, wie sie sich bei Feuer richtig verhalten

Die „Steinzeitmenschen“ versuchen vergeblich, ein Feuer zu entzünden. „Boah ist das schwer“, sagt ein Mädchen und legt einen Bogen weg, mit dem es durch Reibung versucht hat, ein Holzstück zu erhitzen. Neben ihr sitzt ein anderes Mädchen und schneidet Fleisch. Steinzeit-Feeling. „Ich brauch’ noch mehr.“ Sie will das Fleisch eigentlich grillen. Aber das Feuer fehlt. Die Kita-Gruppe befindet sich in einem Brandschutzdorf südöstlich von Berlin.

Dort sollen Kinder den sicheren Umgang mit Feuer lernen und vor Gefahren gewarnt werden. Obendrauf gibt es viel Geschichte über das Feuer. Die Steinzeitfeuerstelle ist offenbar beliebt. „Die werfen sich erst mal alle auf die Felle“, sagt eine Betreuerin über ihre Erfahrung mit Kindergruppen. Das Brandschutzzentrum gibt es seit Herbst 2014. Weil die Nachfrage groß ist, will es expandieren.

Im Nebenhaus brennt es gerade. Also nicht wirklich. Der Rauch kommt aus einer Nebelanlage. Die Hortkinder sollen lernen, wie man sich bei Feuer verhält. „Hallo?“, sagt ein Junge zaghaft. Ein Mädchen stupst ihn an. „Du musst doch rufen: Hier brennt’s!“ Zweiter Versuch. Es klappt besser.

„Kinder haben oftmals kein Gefahrenbewusstsein“, sagt der Geschäftsführer des Kinder- und Jugenderholungszentrums Kiez Frauensee, Joachim Schneider. Das Zentrum betreibt das sogenannte Floriansdorf auf dem Gelände eines ehemaligen Jugendlagers aus DDR-Zeiten im Heideseer Ortsteil Gräbendorf. „Kinder entwickeln bei Bränden eine ungeheure Panik, auch deshalb, weil sie die Situationen noch nie durchgespielt haben.“ Die Lehrkräfte zeigen etwa, wie schnell die Haare einer Barbiepuppe brennen, oder was passiert, wenn eine Kerze umkippt. Das solle helfen, Gefahren einzuschätzen.

Nachfrage der Jugendfeuerwehr

Der Brandenburgische Landesfeuerwehrverband unterstützt das Heideseer Brandschutzzentrum. „Kinder müssen an Gefahrenpotenziale herangeführt werden“, sagt Präsident Werner-Siegwart Schippel. Das könne im Notfall vieles erleichtern. Die Einrichtung im brandenburgischen Heidesee (Landkreis Dahme-Spreewald) ist die nach eigenen Angaben dritte ihrer Art in Deutschland. Der Name Floriansdorf leitet sich vom Heiligen Sankt Florian ab, dem Schutzpatron der Feuerwehrleute. Zwei weitere Einrichtungen gibt es in Nordrhein-Westfalen – in Iserlohn und in Aachen. Dorthin kamen im vergangenen Jahr 3000 Kinder, wie das dortige Aachener Floriansdorf mitteilt. Es wird von einem Feuerwehrverband betrieben und kann pro Tag eine Gruppe Kinder betreuen.

Bislang gab es in dem brandenburgischen Zentrum eine große Nachfrage von Jugendfeuerwehren aus Berlin und Brandenburg, wie Schneider sagt. Bei Kitas und Schulen will es jetzt noch bekannter werden. Seit dem Start vor rund fünf Monaten sei die Nachfrage stetig gestiegen. Deshalb solle bald die Zahl der Brandschutzerzieher im Floriansdorf von vier auf acht erhöht werden.

Für eine verstärkte Brandschutzerziehung an Schulen und Kitas setzen sich auch mehrere Ministerien in Brandenburg ein. Im vergangenen Jahr wurde eine Rahmenvereinbarung unterzeichnet, wonach Feuerwehren den Sachunterricht in den Einrichtungen mitgestalten können. Lehrer können darüber hinaus Schulungen machen.

Letzte Station im Brandschutzzentrum: Jetzt geht es darum, einen Notruf abzusetzen. Ein Mädchen traut sich und greift nach dem Hörer. „1-1-2 und grünen Hörer drücken.“ Sie atmet tief durch. Dann geht’s los.