Entwicklung

Das „Bad“ im Namen verpflichtet

Stadt erfüllt Auflagen als Kurort nicht. Nachbesserungsfrist läuft Ende März ab

Die Stadt schmückt sich gern damit, der älteste Kurort Brandenburgs zu sein. Doch damit könnte demnächst offiziell Schluss sein. An der Wirkung des schwefelhaltigen Moorschlammes liegt es allerdings nicht, sondern eher daran, dass die Stadtväter von Bad Freienwalde die Entwicklung des 12.300-Einwohner-Ortes regelrecht verschlafen haben. Dieser Ansicht war zumindest der Landesfachbeirat, in Brandenburg zuständig für die staatliche Anerkennung von Heilbädern. Den Titel Moorheilbad bekam Bad Freienwalde vor zwölf Jahren – das höchste Prädikat, das in Deutschland in diesem Bereich vergeben wird. Schon damals gab es jedoch Auflagen, die in den nächsten zehn Jahren erfüllt werden sollten. „Wir hatten von Beginn an Bedenken, erwarteten allerdings, dass sich das Kurwesen zum Hauptwirtschaftsfaktor der Stadt entwickelt“, sagte der Vorsitzende des Landesfachbeirats, Michael Siebke. Eine klare Linie war hingegen nicht zu erkennen, wollte sich Bad Freienwalde doch gleichzeitig mit seinen vier Skischanzen als nördlichster Wintersportort Deutschlands etablieren.

Ende der Frist naht

Bei einer Überprüfung durch den Landesfachbeirat 2013 mussten die Experten so auch feststellen, dass sich wenig getan hatte. Bad Freienwalde bekam noch einmal eine Frist – und die läuft Ende März aus. „Es geht uns nicht darum, Bad Freienwalde den Kurort-Status abzuerkennen. Wir wollen, dass die Verantwortlichen in der Stadt endlich ihre Hausaufgaben machen“, stellt Siebke klar. Denn Potenziale gebe es genug in dem malerisch gelegenen Ort, dessen Kurtradition sich ursprünglich auf im 17. Jahrhundert entdeckte Heilquellen begründete. In der Folge entstanden auf Betreiben und mit großzügiger finanzieller Unterstützung der preußischen Könige Gesundbrunnen, Kur- und Badehäuser sowie ein Kurpark. Zahlreiche mondäne Villen im malerischen, von Hügeln umgebenen, Kurviertel zeugen von diesen Glanzzeiten.

Mit der Übernahme des Betriebes im alten Badehaus und im Neubau der Fachklinik mit 220 Betten durch die Allgemeine Hospitalgesellschaft Hilden (AHG) gelangte der Kurbetrieb nach der Wende zu neuem Aufschwung. Spezialisiert ist man in der Fachklinik auf rheumatische Erkrankungen und den Bewegungsapparat. Viel Geld, inklusive Fördermittel, floss in die Sanierung des alten Kurmittelhauses, in dem Patienten ambulant behandelt werden – mit Physiotherapien auf Verordnung, Rezept oder für Selbstzahler. Allerdings ist das Kurhaus defizitär, deshalb sollte die Behandlung in die Fachklinik verlegt werden. Der Betrieb eines Kurmittelhauses ist jedoch Bedingung für die Anerkennung als Kurort, da die Klinik nicht alleiniger Anbieter des Heilmittels Moor sein dürfe, hat der Landesfachbeirat deutlich gemacht.

„Wir brauchen eine deutliche Steigerung der Behandlungszahlen, dann können wir das Haus weiter betreiben“, sagt Bad Freienwaldes Bürgermeister Ralf Lehmann (parteilos), der auf mehr Werbung für die vielfältigen Angebote setzt. Bis zum 31. März müssen zudem ein schon lange eingeforderter Lärmaktions- und ein Flächennutzungsplan vorgelegt werden, der Kur- und Erholungsgebiete in ausreichender Zahl als Sondergebiete ausweist. Beides liegt laut Lehmann inzwischen vor, der Lärmaktionsplan soll am 19. März von den Stadtverordneten abgesegnet werden. Der Flächennutzungsplan allerdings muss noch öffentlich ausgelegt werden, die Frist Ende März kann in diesem Punkt nicht gehalten werden. Fertig ist offenbar auch ein ebenfalls vom Landesfachbeirat eingefordertes 60.000 Euro teures Marketingkonzept. Darin enthalten sein sollen unter anderem Vorschläge, wie die Arbeit der umstrittenen Bad Freienwalder Tourismus GmbH „gestrafft“ werden könnte. Denn bemängelt wurde vor allem die touristische Infrastruktur: Gäste finden nach der Insolvenz des größten Hotels im Ort und der Schließung eines weiteren kaum Übernachtungsmöglichkeiten. „Wir mussten schon häufig größere Gruppen wieder wegschicken“, muss Kurdirektor Jens Lüdecke zugeben. Dadurch fehlen wiederum wichtige Einnahmen. Und so fordert die Tourismus GmbH von Jahr zu Jahr mehr städtische Zuschüsse, für 2015 insgesamt 335.000 Euro. Gemeinsam mit dem Bürgermeister und dem externen Marketing-Gutachter hat Lüdecke am 12. März einen Termin beim Landesfachbeirat, der eine Beratung angeboten hatte.

Auch das gastronomische Angebot ist nach Ansicht des Gremiums dürftig und ohne Vielfalt. „Daran hat sich auch nichts geändert“, konstatiert Reinhard Schmook, SPD-Stadtparlamentarier. Die Stadt erlebe eine Pleite nach der anderen – die gescheiterte Bewerbung für die Landesgartenschau, dann für den Brandenburg-Tag, weil nicht an einem Strang gezogen werde. Dreh- und Angelpunkt ist aber auch die aus den 70er-Jahren stammende, stark sanierungsbedürftige Betonhochbrücke, die die Stadt quasi teilt und für Lärm und Abgase sorgt. Anderthalb Jahre lang wurden Alternativen diskutiert. Letztlich stimmte eine Mehrheit der Stadtverordneten doch für einen Erhalt der Hochbrücke. Im Interesse einer attraktiven Kurstadt ist das allerdings ein Unding für den Landesfachbeirat. „Wir werden geforderte Unterlagen sichten und bewerten. Die letzte Entscheidung trifft letztlich das Gesundheitsministerium“, sagt Siebke.