Gewalt

Messerattacke auf Schüler – Hohe Strafen für Rocker

Täter hielten Opfer für Mitglied eines verfeindeten Klubs

Als ein Schüler Ende 2011 bei Berlin in seinen Geburtstag hineinfeierte, ahnte er nicht, wie brutal der Abend enden würde. Der Angriff auf ihn geschah auf offener Straße in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) – völlig unvermittelt. Tritte gegen den Kopf und mehrere Messerstiche in den Körper, auch ins Gesicht. Nur eine Notoperation konnte den 16-Jährigen retten. Zu den Tätern zählen laut Landgericht Cottbus vier damalige Rocker. Am Freitag verhängten Richter gegen sie Haftstrafen zwischen acht und zehn Jahren wegen versuchten Totschlags. Den Schüler hielten die heute 25 bis 39 Jahre alten Männer irrtümlich für ein Mitglied eines befeindeten Rockerklubs.

Die Messerattacke war nach Überzeugung des Gerichts Teil eines geplanten Vergeltungsakts von Rockern des Klubs MC Gremium. Wenige Tage zuvor war in Königs Wusterhausen ein Rocker dieses Klubs nach einer vermeintlichen Beleidigung des Präsidenten der Hells Angels niedergestochen worden. Deshalb sei am Abend des 30. Dezembers 2011 eine größere Rockergruppe zu einer Diskothek in der Stadt gegangen, um Hells-Angels-Rocker anzugreifen. Dort fanden sie jedoch niemanden vor – wenig später entdeckten die Täter dann den Schüler und gingen auf ihn los.

Revision angekündigt

Als der Vorsitzende Richter das Urteil verlas, schüttelten die Angeklagten und einige Anwälte heftig mit dem Kopf und zeigten sich empört. Die Verteidigung hatte teilweise Freispruch verlangt. Einige der insgesamt acht Verteidiger kündigten bereits an, Revision einzulegen. Ihrer Ansicht nach waren Zeugenaussagen in dem Prozess widersprüchlich.

In der Verhandlung hatten einige Angeklagte zwar eingeräumt, dass sie an dem Abend mit der Rockergruppe vor der Diskothek waren. Dass sie mit einem Messer auf den 16-Jährigen eingestochen haben sollen, stritten sie aber ab.

Den Angeklagten direkt gegenüber saß das Opfer. Der heute 19-Jährige, der Nebenkläger ist, blickte nach unten und umklammerte einen Plastikbecher. Sein Anwalt sagte, dass die Attacke sicher psychische Nachwirkungen haben werde.

Auch die Nebenklage will prüfen, ob sie gegen das Urteil vorgeht. Sie geht genauso wie die Staatsanwaltschaft davon aus, dass es sich um einen versuchten Mord handelt und hatte deshalb für jeden Angeklagten jeweils elf Jahre Haft gefordert. Das von der Staatsanwaltschaft beantragte Strafmaß lag zwischen sieben Jahren und neun Monaten und zwölf Jahren. Laut Gericht können die Beteiligten innerhalb einer Woche Revision einlegen. Die Haftbefehle bleiben bestehen.