Personalien

Joggen gegen den Flughafen-Stress

Finanz-Staatssekretärin Daniela Trochowski ist eine von drei Frauen im BER-Aufsichtsrat

Eigentlich wollte sie Entwicklungshelferin werden. Ihre Diplomarbeit als Volkswirtin schrieb Daniela Trochowski 1994 an der Universität Leipzig über ein Thema, das heute immer noch aktuell ist: die Entwicklungsmöglichkeiten Afghanistans. Aus dem einstigen Traumjob im Ausland ist nichts geworden. Dafür hat die 45-Jährige jetzt eine Aufgabe übernommen, die auch viel Geduld und Ausdauer erfordert. Daniela Trochowski sitzt für Brandenburg im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft, die den Airport baut, es zumindest versucht. Auch in Deutschland gibt es also noch entwicklungsbedürftige Projekte. „Wir müssen alles tun, damit der geplante Eröffnungstermin im zweiten Halbjahr 2017 klappt und der Flughafen nach dem Start zum Erfolgsmodell wird“, sagt die neue Aufsichtsrätin. Den angekündigten Rückzug von Flughafenchef Hartmut Mehdorn bis spätestens Mitte dieses Jahres bedauert sie: „Dadurch wird es nicht einfacher.“

Daniela Trochowski sieht nicht so aus, wie man sich eine Aufsichtsrätin und Staatssekretärin vorstellt. Am Anfang ihrer politischen Karriere hielten sie manche bei der ersten Begegnung für die Referentin, die sie auch lange Zeit war. Zunächst in der PDS-Bundestagsfraktion, danach in der Berliner Wirtschaftssenatsverwaltung unter dem damaligen Senator Harald Wolf (Linke). „Beim ersten Zusammentreffen mit den Finanzministern der Länder vor rund sechs Jahren sagte ein Minister erstaunt zu mir: ‚Ach so, ich dachte, Sie wären Referentin‘“, erzählt Daniela Trochowski selbstironisch. Seit Ende 2009 ist sie in der rot-roten Regierungskoalition in Brandenburg Amtschefin über 5000 Bedienstete und vertritt den Minister bei offiziellen Terminen. Im Ministerium gilt sie als fachkundig und durchsetzungsstark. Zudem gehört sie dem Landesvorstand der Linkspartei an.

Sagt gern, was sie denkt

Dass sie auf den ersten Blick gern unterschätzt wird, liegt womöglich an ihrer jugendlichen Ausstrahlung. Mit ihrer zierlichen Figur, den schulterlangen dunkelblonden Haaren, sieht Daniela Trochowski nicht gerade so aus, wie man sich eine hohe politische Beamtin im Finanzministerium vorstellt. Dazu kommt ihre sanfte Stimme. „Ich bin relativ uneitel“, sagt sie über sich. „Im Gegensatz zu vielen Männern in der Politik, die gern viel Wind machen.“ Dem 15-köpfigen Aufsichtsrat gehören neben ihr noch zwei weitere Frauen an: Margaretha Sudhof, Berlins Finanz-Staatssekretärin und die Betriebsratsvorsitzende Claudia Heinrich der Flughafengesellschaft als Arbeitnehmervertreterin.

Brandenburgs Frau im Aufsichtsrat wohnt mit ihrem Lebensgefährten und ihrem 18-jährigen Sohn in Berlin-Weißensee. Aufgewachsen ist Daniela Trochowski in Coswig (Anhalt), mit sechs Jahren zog sie mit den Eltern nach Chemnitz, das damals noch Karl-Marx-Stadt hieß. Der Vater, der aus Ostpolen stammte, arbeitete als Dolmetscher. Die Mutter war Sekretärin. Beide waren in der SED. Die Tochter trat mit 18 Jahren in die DDR-Staatspartei ein.

Damals wollte sie noch Journalistin werden. „Ich habe ein Jahr bei der ‚Freien Presse‘ in Karl-Marx-Stadt volontiert“, erzählt sie, „weil ich den Führungsstil des Chefredakteurs kritisiert habe, wurde ich als einzige Volontärin seit Bestehen der Zeitung nicht zum Journalismus-Studium zugelassen.“ Sie sei anmaßend, habe der Chefredakteur ihr vorgehalten. „Ich sage einfach nur gern, was ich denke“, sagt Trochowski. Nach dem Fall der Mauer engagierte sie sich in der PDS, trat kurz danach aber wieder aus. „In meiner Basisorganisation als Studentin in Leipzig habe ich mich unter so vielen Ewiggestrigen nicht mehr wohlgefühlt“, sagt sie. 1996 kehrte sie in die Partei zurück.

Nach dem Studium bewarb sich die Diplom-Volkswirtin für den Entwicklungsdienst, statt in Südamerika landete sie 1994 in Bayern. Als Gruppenleiterin Rechnungswesen für einen bekannten Discounter bei Regensburg. Mit ihrem Mann wohnte sie in einem nahe gelegenen Dorf. „Wir waren Exoten dort, mein damaliger Mann, ein Afghane, und ich als Ostdeutsche“, erinnert sich Daniela Trochowski. Zwei Jahre hielt sie es aus, dann bewarb sie sich als Referentin der damaligen PDS-Bundestagsgruppe in Bonn. Nachdem die Partei 2002 an der Fünfprozenthürde scheiterte, ging sie nach Berlin, war persönliche Referentin von Wirtschaftssenator Wolf.

2009 bot ihr Brandenburgs damaliger Finanzminister Helmuth Markov (Linke) den Posten der Finanzstaatssekretärin an. „Ich fand es spannend, Staatssekretärin beim ersten Finanzminister der Linken in Deutschland zu sein“, sagt Trochowski. Mittlerweile ist Linke-Parteichef Christian Görke Ressortchef.

Der BER ist für Daniela Trochowski kein unbekanntes Thema. Sie vertrat Brandenburg offiziell in der Gesellschafterversammlung. Dort treffen die Eigentümer – Berlin und Brandenburg sowie der Bund – die wichtigsten Entscheidungen zum Flughafenbau. Dass Minister Görke vom Aufsichtsrat in die Gesellschafterversammlung wechselt, sieht vor allem Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) kritisch. Brandenburg folgt damit einer Empfehlung des Landesrechnungshofes. Es sei problematisch, dass die Staatssekretärin in der Gesellschafterversammlung ihren Minister im Aufsichtsrat entlaste, mahnte er. Ihre erste Aufsichtsratssitzung hat sie hinter sich. Das Gremium genehmigte dabei den von Mehdorn vorgelegten Terminplan, den BER im zweiten Halbjahr 2017 in Betrieb zu nehmen. Angst zu scheitern, hat sie nicht. Was sie jedoch fürchtet, sind die bis zu zwölf Stunden dauernden Sitzungen. „An den Tagen darauf plane ich schon jetzt eine lange Joggingstrecke ein“, sagt die Halbmarathonläuferin. „Ich bin ein konzentrierter Typ“, sagt sie, „ich arbeite gern zielgerichtet und effizient.“ Bei dem Projekt kann das ja nicht schaden.