Tierschutz

Quälerei im großen Stil

Tierschützer haben die Misshandlung von Enten in einem brandenburgischen Geflügelmastbetrieb dokumentiert

Der Mann trägt eine rote Hose, eine graue Arbeitsjacke und in der Hand eine Mistgabel. Langsam geht er durch den Stall. Mit jedem Schritt treibt er Tausende Weihnachtsenten vor sich her. Dann schlägt er zu. Ein, zwei, drei Mal, bis die Ente leblos vor ihm liegt. Er richtet die Mistgabel auf das Tier und sticht zu, hebt es hoch und schleudert es in den Anhänger des Traktors, der ihm folgt. Diese wenig weihnachtliche Szene nahmen Tierschützer der Organisation Animal Equality Anfang des Monats in dem ostbrandenburgischen Entenmastbetrieb Neuhardenberg mit versteckter Kamera auf.

Bei dem Betrieb dürfte es sich um einen der größten dieser Art handeln. 20 Millionen Enten werden jährlich in Deutschland geschlachtet. 60 Prozent davon im letzten Quartal zu den Festtagen. Der brandenburgische Masthof alleine liefert pro Jahr eine Million Enten aus. Empfänger sind die Flämischen Entenspezialitäten, ein PHW-Tochterunternehmen, das das Fleisch unter anderem über die Marke Wiesenhof vertreibt.

Aufmerksamkeit vor dem Fest

„Das ist natürlich nicht das erste Mal, dass Wiesenhof in der Kritik steht“, sagte Hendrik Haßel, Sprecher von Animal Equality, der Berliner Morgenpost. Wiesenhof, beziehungsweise PHW, die Firma, zu der die Marke gehört, wurde schon 2012 für ihren Umgang mit Mastenten kritisiert. Damals hatten Ermittler der Tierschutzorganisation Peta mehrfach aufgezeichnet, wie in einem Betrieb bei Osnabrück kranke Enten weder behandelt, noch von gesunden Tieren getrennt wurden. Im gleichen Jahr geriet ein weiterer Wiesenhof-Zulieferer ins Visier des Vereins Soko-Tierschutz. Die dortige Tierhaltung hatte innerhalb kurzer Zeit zum Tod von 6000 Hühnern geführt. „Trotzdem“, so Haßel weiter, „hatten wir keine Verdachtsmomente, bevor wir den Betrieb genauer untersucht haben.“ Eine zufällige Stichprobe sei es gewesen, die die Tierschützer nach Brandenburg geführt hätte. Außerdem habe man kurz vor Weihnachten noch einmal darauf aufmerksam machen wollen, unter welchen Umständen Enten in Deutschland gezüchtet werden. Im Fokus sollte dabei vor allem die Überzüchtung stehen, die mit der Fixierung auf immer mehr Brustfleisch einhergeht. 98 Prozent aller Puten, Gänse und Enten werden in Deutschland in Massenbetrieben gehalten. Obwohl Enten von Natur aus Wassertiere seien, hätten sie in der Mast keinen Zugang zu Wasser, erklärt Animal Equality. Das führe zu Verhaltensstörungen wie Federrupfen und Kannibalismus. Viele Tiere litten unter anderem an Knochenschwäche, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atemproblemen. Damit, dass man neben den Problemen des Mastbetriebs aber auch von Arbeitern ausgehende Tierquälerei eines solchen Ausmaßes dokumentieren würde, sei nicht zu rechnen gewesen.

„In der Nacht vor den Aufnahmen waren wir mit einem Team vor Ort, um die Situation im Betrieb zu erfassen“, sagt Haßel. Was sie fanden, seien verwundete Tiere gewesen, schwache und solche, die am ganzen Körper Verletzungen aufwiesen. „Deswegen hinterließen wir dort die versteckte Kamera“, erklärt Haßel. „Wir hatten den Verdacht, dass Tiere dort systematisch gequält werden.“ Mit ihren Befürchtungen sollte Animal Equality recht behalten. Keine 24 Stunden dauerte es, bis dem Team die Aufnahmen in Neuhardenberg gelangen. Neben der Quälerei zeigen die Bilder verletzte und bewegungsunfähige Enten, die zwischen anderen auf dem Boden der Halle liegen. „Auch die Umstände, die mit der Qualzucht einhergehen“, so die Tierschützer, seien mit den Bildern bestätigt.

Der Geschäftsführer des Mastbetriebs Neuhardenberg war am Sonnabend nicht zu erreichen. Medienberichten zufolge zeigte er sich erschüttert und beteuere, dass alle Mitarbeiter regelmäßig geschult und auf die neuesten Tierschutzgesetze eingeschworen würden. Auch Wiesenhof habe bereits reagiert, dem Masthof fristlos gekündigt und Anzeige erstattet. Animal Equality hat bei der Staatsanwaltschaft Eberswalde ebenfalls Strafanzeige erstattet.