Freizeitbad

Wasser marsch

Bau des Freizeitbades am Brauhausberg startet. Kritik an hohen Kosten

Nach jahrelangen Diskussionen und teuren Fehlplanungen durch die Stadt beginnt der Bau des Potsdamer Freizeitbades am Brauhausberg. Bis Ende 2016 soll in der Nähe des Hauptbahnhofes nach den Entwürfen des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner (gmp) ein Sportbad mit großem Wellnessbereich entstehen. Noch bevor Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) am heutigen Freitag symbolisch den ersten Spatenstich setzt, droht jedoch der Steuerzahlerbund Brandenburg damit, das mit rund 36 Millionen Euro veranschlagte Projekt ins nächste Schwarzbuch mit den bundesweit größten Steuergeldverschwendungen zu bringen.

„Die Stadtverwaltung konnte in ihrem Antwortschreiben auf unseren Brief von Ende Juni unsere erheblichen Bedenken nicht ausräumen“, sagte Jürgen Müller, der Bauexperte des brandenburgischen Bundes der Steuerzahler, der Berliner Morgenpost. „Sie hat uns auch nicht ermöglicht, in den Vertrag mit gmp als Generalunternehmen zu sehen.“ Das Architekturbüro um Meinhard von Gerkan, das neben dem Flughafen Tegel den Berliner Hauptbahnhof und den Hauptstadtflughafen BER plante, hatte nach einem Wettbewerb den Zuschlag für den Bau des Bades erhalten. Der Entwurf sieht ein 50-Meter-Sportbecken mit zehn Bahnen für Schwimmen und Wasserball vor, eine Tribüne mit 400 Besucherplätzen sowie ein Lehrschwimmbecken mit verstellbarer Tiefe. Außerdem wird es eine Ein- und Drei-Meter-Sprunganlage geben.

Familienbad und Wellness-Oase

Im Erdgeschoss soll auch das Familienbad mit Kleinkinderbereich zu finden sein, samt Freizeitbecken mit Strömungskanal und zwei große Rutschen. Im ersten Stock ist ein Imbissbereich mit Selbstbedienung geplant, eine Etage darüber eine Wellness-Oase mit Innen- und Außenbereich. Vorgesehen sind unter anderem mehrere Saunen, ein Dampfbad, ein türkischer Hamam und ein Whirlpool sowie Ruhe- und Massageräume.

Der Steuerzahlerbund verweist auf einen Beschluss der Stadtverordneten vom Juni 2012. Danach sollte der Kostenaufwand für den Neubau bei 23 Millionen Euro gedeckelt werden. Das neue Bad kostet nach den derzeitigen Plänen nun aber bis zu 36 Millionen Euro. „Wir gehen von 32 Millionen Euro an Baukosten aus“, sagte Rathaussprecher Jan Brunzlow auf Anfrage, „mit den restlichen vier Millionen Euro sind wir auf eine Preissteigerung vorbereitet.“

Der Grund für die deutlich höheren Ausgaben liegt vor allem an der Unentschlossenheit der Kommunalpolitiker: Als die Stadtverordneten die 23-Millionen-Euro-Budgetbegrenzung beschlossen, war das Sport- und Freizeitbad noch im Norden der Stadt neben der Tropenhalle Biosphäre am Bornstedter Feld vorgesehen. Dort sind bereits Parkplätze. Am Brauhausberg in der Stadtmitte muss hingegen ein Parkhaus errichtet werden, wie Brunzlow zu bedenken gibt. Vor dem Gebäude wird es weitere Stellplätze geben, 150 sind insgesamt vorgesehen, außerdem 342 Fahrradplätze. Die ersten Pläne für ein Bad am Bornstedter Feld lagen bereits vor, da erst entschieden sich die Stadtverordneten 2012 dafür, die Bürger nach ihrem Standortwunsch zu befragen. Das Ergebnis: Die meisten Potsdamer wollen auch das neue Schwimmbad in der Stadtmitte haben. Dort, wo das bisherige steht. Allerdings lag den Bürgern in dem Fragebogen nur eine Kostenschätzung von 23 Millionen Euro vor, wie der Bund der Steuerzahler scharf kritisiert. Auch der vorgesehene jährliche Zuschuss für den Badebetrieb erhöhte sich inzwischen von einer Million auf bis zu zwei Millionen Euro.

Die Stadtwerke Potsdam, die das Bad betreiben sollen, wollen für den Bau Kredite aufnehmen, sie rechnen außerdem mit sechs Millionen Euro aus Grundstücksverkäufen am Brauhausberg. Denn um das Bad herum sollen in bester Lage Wohnungen entstehen. „Der Bau eines Freizeitbades auf Pump ohne dezidierte Wirtschaftsberechnung, das ist angesichts der prekären Haushaltslage Potsdams verantwortungslos“, sagt Jürgen Müller vom Steuerzahlerbund. Die gesamte Geschichte des Badneubaus in Potsdam sei ein Desaster.

Vier Millionen Euro verschleudert

Ursprünglich sollte der inzwischen verstorbene brasilianische Stararchitekt Oskar Niemeyer das Potsdamer Bad bauen. Im Juli 2005 meldete der Sprecher der Stadtwerke: „Der Entwurf von Oscar Niemeyer für das Freizeitbad hat ein Medienecho verursacht, das weit über die Grenzen von Potsdam, Brandenburg und Deutschland reicht.“ Dies hätten Internetrecherchen der „New York Times“ ergeben.

Doch die Pläne für ein Schwimmbad mit vier Kuppeln verschwanden in der Schublade. Obwohl die Kosten von 50 auf 33 Millionen Euro reduziert wurden, versagte die Landesregierung dem ungewöhnlichen Projekt eine Förderung. Etwa vier Millionen Euro hatten die Stadtwerke als Bauherr damals bereits ausgegeben. Völlig umsonst.