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An den Weihnachtsmann in Himmelpfort

Seit 20 Jahren ist Himmelpfort die Adresse für rund 300.000 Wunschzettel aus aller Welt

Es ist Pauls Glückstag. Während andere Kinder bis Heiligabend warten müssen, trifft er Wochen zuvor den Weihnachtsmann. Und er ist auch besonders mutig: Der Fünfjährige steht direkt vor dem Mann im roten Mantel, der es sich in einem Ohrensessel bequem gemacht hat, und trägt ein Gedicht vor. Der Weihnachtsmann bedankt sich mit einem Bonbon, und Paul ergattert auch gleich noch einen für seine Mutter. Vor einem Jahr war das noch ganz anders. Da hielt er sich noch ängstlich an ihrem Bein fest. Doch nun möchte er sich am liebsten gar nicht mehr von dem weißen Rauschebart trennen: Von draußen klopft er noch einmal gegen die Scheibe der Weihnachtspostfiliale in Himmelpfort (Oberhavel), weil er dem Weihnachtsmann noch unbedingt etwas erzählen will.

Neben dem Weihnachtsmann sitzen im Raum weißgekleidete Frauen als „Weihnachtsengel“ vor Bergen von Briefen. Große und kleine Umschläge und Postkarten, oft liebevoll illustriert und adressiert: An den Weihnachtsmann, Weihnachtspostfiliale in 16798 Himmelpfort. Alljährlich im November nimmt die Weihnachtspostfiliale ihren Betrieb auf – seit genau 30 Jahren.

Weihnachten 1984 fand die Postmitarbeiterin Kornelia Matzke beim Sortieren der Post zwei Briefe: Wunschzettel von Kindern, adressiert an den Weihnachtsmann. Diese wollte sie nicht mit einem „Empfänger unbekannt“-Vermerk an die Absender in Berlin und Sachsen zurückschicken, sondern schrieb eine Antwort. Bis 1989 beantwortete sie mit Kollegen zusammen so jährlich bis zu 75 Briefe. Nach 1990 nahm die Anzahl der Wunschzettel kontinuierlich zu, 1994 eröffnete die Deutsche Post die Weihnachtspostfiliale in Himmelpfort und übernahm das Porto. Mittlerweile steht in dem Ortsteil von Fürstenberg das größte Weihnachtspostamt Deutschlands, und Kornelia Matzke benötigt als „Weihnachtsengel Konni“ mehrere Helfer: 294.000 Briefe, davon 17.500 aus dem Ausland erreichten sie im vergangenen Jahr, 24.500 Besucher gaben ihren Wunschzettel persönlich beim Weihnachtsmann ab – ein Rekord. Schon zum Start der diesjährigen Saison am 6. November stapelten sich 16.000 Briefe aus aller Welt im „Weihnachtspostamt“.

Die Wünsche sind vielfältig und haben sich im Lauf der Jahre gewandelt: Waren es früher Puppen, Teddys und Feuerwehrautos, ist es heute oft elektronisches Spielzeug. Und auch so mancher Kummerbrief ist dabei, erzählt „Weihnachtsengel Konni“. Da wird Gesundheit oder eine Arbeit für ein Familienmitglied gewünscht, ein neues oder anderes Geschwisterchen, oder dass sich die Eltern nicht mehr streiten. Beantwortet wird jeder Brief, der bis zum 13.Dezember eintrifft – mit Sonderstempel, Vordruck und einigen persönlichen Worten. Und das in 17Sprachen, denn Post kommt aus fast 80 Ländern in das 500-Einwohner-Dorf. Nur die Wünsche selbst können in der Regel natürlich nicht erfüllt werden.

Untergebracht ist die Postfiliale im Weihnachtshaus. Nebenan befindet sich ein Café, in einem Nebengebäude ist die „Weihnachtsstube“ eingerichtet. Dort kann man sehen, wie der Weihnachtsmann wohnt, und an den Adventswochenenden in der Wichtelwerkstatt backen und basteln, bevor es über den Wichtel-Weihnachtsmarkt geht.

In Himmelpfort könnte man fast an den Weihnachtsmann glauben. Dafür ist man wohl nie zu alt: Der älteste Briefschreiber war 94 Jahre alt. Er wollte auch einmal im Leben Post vom Weihnachtsmann bekommen.