Prozess

Entführungsopfer „voller Adrenalin“

Polizisten sagen im Maskenmann-Prozess aus – und lassen wieder Fragen offen

Ein Kriminalpolizist aus Frankfurt (Oder) hat im sogenannten „Maskenmann-Prozess“ massive Kritik an den Ermittlungen und der Arbeit seines Vorgesetzten geübt. Der 57 Jahre alte Kriminaloberkommissar Lutz B. gab zu Protokoll, dass es ein regelrechtes Verbot gegeben habe, den Zeugen Stefan T. weiter zu vernehmen. So habe er am 8. Oktober 2012 nach einer Vernehmung des Stefan T. seine Gedanken schriftlich niederlegen wollen. Darunter auch die für ihn alarmierende Feststellung, dass der 53-jährige Stefan T. nach der mehr als 30-stündigen Entführung und seiner „Flucht durchs Unterholz keinerlei Verletzungen aufwies“. Sein Vorgesetzter sei damals in sein Dienstzimmer gekommen und habe gesagt, diese Aufzeichnungen seien nicht nötig. Lutz B., der vor Gericht bei Nachfragen wenig überzeugend wirkte, hatte im August 2013 gegen Vorgesetzte mehrere Strafanzeigen gestellt – darunter wegen Rechtsbeugung und Mobbing.

Mit dem Angeklagten Mario K. selbst scheint das alles kaum noch etwas zu tun zu haben. Der 46-Jährige ist angeklagt, im August und Oktober 2011 Anschläge auf die Ehefrau und die Tochter eines Berliner Unternehmers verübt zu haben. Vorgeworfen wird ihm zudem die Entführung des Berliner Chefs einer Investmentfirma, Stefan T., am 5. Oktober 2012 aus dessen Ferienhaus in Storkow. Weil der Täter nach Zeugenaussagen eine Imkermaske trug, bekam er in der Presse den Namen „Maskenmann“.

Am Montag wurde als erster Zeuge der Kriminalpolizist Willmer F. vernommen. Er und seine Kollege Lutz B. betreuten Stefan T., nachdem sich dieser am 7. Oktober 2012 selbst befreien und fliehen konnte. Willmer F. hatte Stefan T. damals auch als erster vernommen – sagte er zumindest vor Gericht. Stefan T. sei „voller Adrenalin“ und gar nicht richtig vernehmungsfähig gewesen. Erinnern konnte sich Willmer F. auch daran, dass Stefan T. bei dieser ersten Vernehmung plötzlich von einem Brief gesprochen habe. Ein Brief, den T. – nach eigener Aussage – auf Anweisung des Entführers schrieb und dann heimlich einsteckte. Stefan T. habe dabei auf seine Hosentasche gewiesen. „Ich habe in diesem Moment gemerkt, dass Stefan T. unter einem weißen Overall noch die Kleidung trug, die er auch bei der Entführung anhatte“, sagte Willmer F. Deswegen habe er Stefan T. erst einmal zur kriminaltechnischen Untersuchung geschickt. Ein anderer Zeuge aus den Reihen der Polizei hatte im Oktober dieses Jahres vor Gericht ausgesagt, dass Stefan T. nach seiner geglückten Flucht vor mehreren Beamten an einem großen Tisch gesessen und mit einem Klebestreifen an seiner Hand gespielt habe. Da sei deutlich geworden, dass der Entführte und dessen Kleidung noch nicht kriminaltechnisch untersucht worden sei. Von dieser Situation wiederum wusste Willmer F. nichts.

Anlass für Nachfragen war für die Verteidigung auch die Tatsache, dass die Familie T. am 8. Oktober, also nur einen Tag nach Stefan T.s geglückter Flucht, für einige Tage in den Urlaub gefahren sei. Ob er das nicht merkwürdig finde, fragte Anwalt Axel Weimannn den Beamten. Immerhin sei Stefan T. zu diesem Zeitpunkt der wichtigste Zeuge gewesen. Willmer F. sah das anders. Aus seiner Sicht sei es sogar günstig gewesen, dass die Familie T. ein paar Tage verreise, immerhin sei der Entführer ja noch auf freiem Fuß gewesen.