Baupläne

Ein Bauzaun, ein Mäzen und die Sorge um eine Villa

Schlösserdirektor Hartmut Dorgerloh wirbt vor Potsdamer Stadtverordneten für Stiftungspläne am Pfingstberg

Hartmut Dorgerloh, der Direktor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, ist es gewohnt, für seine Belange zu kämpfen. Das gelingt ihm in der Regel auch ziemlich gut. So haben der Bund sowie die beiden Länder Berlin und Brandenburg der Stiftung auf sein Drängen hin bis zum Jahr 2017 mehr als 155 Millionen Euro zusätzlich für die Sanierung von Bau- und Gartendenkmälern zur Verfügung gestellt. Weil der Schlösserchef mit einem Zwangseintritt für den Park Sanssouci drohte, erklärte sich die Stadt immerhin bereit, fünf Jahre lang je eine Million Euro für die Pflege zu zahlen. Dieses Mal sind Dorgerlohs Überzeugungsqualitäten ganz besonders gefragt. Denn im Streit um den Zaun am Pfingstberg mag in Potsdam bislang keine Ruhe einkehren.

Auf dem Programm des Schlösserchefs stehen deshalb allein diese Woche zwei öffentliche Auftritte. Am Mittwoch warb er vor dem Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung für eine Versachlichung der Debatte. Am morgigen Freitag will er mit Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) bei einer öffentlichen Versammlung im Palais Lichtenau mit Potsdamern ins Gespräch kommen. Die Bürgerinitiative Neuer Garten hat dazu eingeladen. Dorgerloh und auch Jakobs treibt die Sorge an, der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE, Mathias Döpfner, könnte bald genug haben von dem Ärger – und sein bürgerschaftliches Engagement aufgeben.

Park war früher eingezäunt

Der Wahl-Potsdamer Döpfner will, wie berichtet, das verwilderte, sechs Hektar große Gelände am Pfingstberg bis zur Großen Weinmeisterstraße im Eigentum der Stiftung für mindestens 1,8 Millionen Euro sanieren – mitsamt der einsturzgefährdeten Villa Schlieffen. In dem Gebäude soll später ein Museum für die Öffentlichkeit entstehen. Döpfner will seine wertvolle Kunstsammlung ausstellen. Als Privatmann hat er bereits die Villa Schöningen an der Glienicker Brücke erworben und aufwendig saniert.

Nicht etwa sein neues Vorhaben stößt auf Proteste, sondern der Zaun, der Anwohnern den gewohnten Zugang zu dem Gelände versperrt. Die Proteste reißen nicht ab. Inzwischen haben in einer Online-Petition 3430 Menschen unterschrieben, über 1730 Potsdamer. „Wir halten diesen Zaun für überflüssig und bürgerfeindlich“, sagt Dominika Hörstel von der eigens gegründeten Bürgerinitiative Offener Pfingstberg. Sie erhielt vor dem Hauptausschuss Rede-Recht. Doch „statt zur Sache zu reden“, wie Jakobs es forderte, attackierte die Rednerin Döpfner persönlich. Daraufhin entzog er ihr das Wort.

Wie die Initiative, fordert auch die Linke, dass der Bauzaun umgehend beseitigt wird. Die Bürger müssten wieder freien Zutritt zu den Wegen auf dem Gelände haben, verlangte Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg. Der Antrag wurde zurückgestellt. Die Verwaltung will erst klären, ob für den Bauzaun eine Genehmigung erforderlich gewesen sei. Offenbar steht er ein kleines Stück auf öffentlichem Gelände. Außerdem könnten denkmalpflegerische Belange berührt sein. Die Hauptfrage wird am Ende sein: Muss der Zaun während der Sanierungsarbeiten tatsächlich jahrelang um den gesamten Park bestehen bleiben?

Nach der Wiederherstellung der Villa Schlieffen und des Parks soll der Zaun durch eine Einfriedung ersetzt werden, die sich am historischen Vorbild orientiert. Ursprünglich war geplant, dass er nach der Wiederherstellung zumindest am Wochenende für die Öffentlichkeit gesperrt wird. Döpfner besitzt oberhalb der Villa Schlieffen die Villa Henckel, die er privat nutzt. Das ist allerdings längst vom Tisch. Die Schlösserstiftung und Mäzen Döpfner haben sich aufgrund der Proteste auf einen Kompromiss geeinigt: Der Wahl-Potsdamer darf sein Privatgrundstück um die Villa Henckel einzäunen, dafür bleibt der Rest der Villen- und Parkanlagen bis zum Einbruch der Dunkelheit öffentlich zugänglich, auch am Wochenende. Über den Verlauf des Zauns soll bis zum Frühjahr 2015 entschieden werden. Oberbürgermeister Jakobs wies darauf hin, dass dazu ein detaillierten Verfahren geplant sei. Er versicherte: „Es wird nicht gegen den Bebauungsplan verstoßen.“ Das Gelände müsse auch künftig für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Das Konzept über die Gestaltung und die Öffnungszeiten würde dann mit Döpfner besprochen. „Von diesem Ergebnis wird dann abhängen, ob er die Investition noch durchführen will“, sagte Jakobs. Döpfner, so heißt es, fühle sich als Prügelknabe. Auch, weil es bislang an Unterstützung von offizieller Seite gemangelt habe. Mehrere Stadtverordnete hoben das große Engagement Döpfners hervor.

Längst hat die Stiftung den Vertrag mit Mathias Döpfner vom 4. März 2014 offen gelegt. Er kann im Internet unter www.spsg.de/liegenschaften eingesehen werden. Park und Villa, die zum Weltkulturerbe gehören, verbleiben danach im Eigentum der Stiftung und werden Döpfner zur Nutzung überlassen. Er trägt die Kosten für Sanierung und Pflege. Allein die Parkpflege kostet Gartenexperten zufolge zwischen 50.000 und 80.000 Euro im Jahr. Döpfner und seiner Frau Ulrike wird auf 40 Jahre ein sogenannter Nießbrauch eingeräumt, der nicht vererbbar ist. Für die Zeit danach ist in dem Vertrag eine Option auf Weiternutzung verankert – „auf unbestimmte Dauer“. Dann müsste Döpfner ortsübliche Miete zahlen.

Laut Vertrag hat Mathias Döpfner sechs Jahre Zeit, um die Arbeiten zu beenden. „Das Gelände war zu DDR-Zeiten von den Sowjettruppen genutzt worden, so dass nicht klar ist, ob und wie stark der Boden kontaminiert ist“, sagte Dorgerloh vor dem Ausschuss. „In dem Park hatten die Sowjets auch einen Schießstand aufgebaut.“ Mehrmals war die seit 1994 leer stehende Villa Schliefen bereits zum Verkauf angeboten worden, wie Dorgerloh deutlich machte. Doch niemand wollte sie haben, da sie auch nach dem Verkauf zugänglich bleiben und für wissenschaftliche und kulturelle Zwecke genutzt werden soll. „Wir kommen seit 20 Jahren mit der Sanierung nicht weiter und sind deshalb auf Herrn Döpfner zugegangen“, betonte Dorgerloh. „Seine Bereitschaft, sich zu engagieren, ist eine tolle Chance.“ Der Schlösserchef übte Selbstkritik: „Ich hätte mehr kommunizieren müssen.“ Er ist dabei, das nachzuholen.