Asyl

Schwielowsee bereitet sich auf Flüchtlinge vor

Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende öffnet im Dezember

Nun steht es fest: Ab Anfang Dezember und damit etwa zwei Wochen später als geplant kann das ehemalige Bundeswehrwohnheim im Gewerbegebiet von Ferch als Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt genutzt werden. Trotz Bedenken der Bevölkerung in den angrenzenden Wohnstraßen hat die Gemeinde nach Überprüfung aller rechtlichen und baulichen Bedenken der Nutzung für zwei Jahre zugestimmt. Damit können zunächst 50 Personen einziehen. Die Zentrale Ausländerbehörde ist seit Monaten völlig überlastet und arbeitet am Rande ihrer Kapazitäten. Ausweichquartiere sind dringend notwendig und das ehemalige Militärgelände zwischen dem Schwielowseer Ortsteil Ferch und Glindow, das zu Werder (Havel) gehört, ist eine der wenigen Immobilien in Bundesbesitz, die kurzfristig bezogen werden können.

Vor allem Familien kommen

Fehlende Notausgänge und Rettungstreppen werden noch nachgerüstet, wenn die ersten Bewohner bereits eingezogen sind. Dann können auch die oberen Etagen genutzt werden. Bis Februar soll die Zahl der Flüchtlinge in Ferch verdoppelt, bis Mitte 2015 nach derzeitigen Planungen auf rund 280 Personen erhöht werden. Einziehen sollen Familien und alleinreisende Frauen mit Kindern, die zurzeit zu einem großen Teil aus Syrien kommen. Trotz dieser Personengruppen hatten sich bei einem ersten Informationstreffen in Werder (Havel) Mitte Oktober zahlreiche Stimmen geregt, die eine deutliche Ablehnung durch die Anwohner angrenzender Straßen auf Glindower Gebiet erkennen ließen. Konkrete Befürchtungen wurden zwar nicht genannt, wer sich jedoch offen für die Aufnahme von Asylsuchenden aussprach, wurde lauthals ausgebuht.

Ganz anders am Mittwochabend in Caputh, das wie Ferch zur Gemeinde Schwielowsee gehört. Die evangelische Kirche hatte zu einem Flüchtlingsnetzwerktreffen aufgerufen, nachdem zahlreiche Schwielowseer ihr Interesse an ehrenamtlicher Hilfe im neuen Flüchtlingsheim geäußert hatten. Rund 30 Teilnehmer hatte Pfarrer Frank-Michael Theuer erwartet, es kamen mehr als doppelt so viele. Mit dabei waren auch zwei Vertreterinnen der Diakonie, die sich um die asylrechtlichen Belange der Neuankömmlinge kümmern, sowie der Leiter der Zentralen Ausländerbehörde des Landes Brandenburg, Frank Nürnberger, und der Geschäftsführer der B.O.S.S. Sicherheitsdienste, Peter Handel. Seit fast 20 Jahren betreibt die Berliner Firma die Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt, sorgt für Sicherheit und Vollversorgung der Bewohner. „Allein in der vergangenen Nacht hatten wir 57 Neuzugänge“, erzählte Handel und verdeutlichte die absolute Dringlichkeit, ein Ausweichquartier zu finden. In Ferch werde man zunächst eine Sozialarbeiterin stundenweise und Wachschutzleute rund um die Uhr einsetzen. Eine Arzthelferin stehe bei Bedarf ebenfalls zur Verfügung und mit dem Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum gebe es bereits eine Übereinkunft zur medizinischen Versorgung der Bewohner.

Handel zeigte sich erstaunt über die große Hilfsbereitschaft der Schwielowseer. Meist treffe man eher auf Ablehnung der betroffenen Bevölkerung. In Caputh zeigte sich auf erfreuliche Weise das Gegenteil. Viele sind mit ganz konkreten Hilfsangeboten ins Gemeindehaus gekommen. Pfarrer Theuer und sein Kollege Hans-Georg Baaske wollen daraus nun Gruppen bilden und weitere Treffen organisieren, um konkrete Angebote für Kinder und Erwachsene machen zu können. Besonders wichtig seien beispielsweise Basis-Deutschkurse, damit die Flüchtlinge schnell ohne ständige Hilfe zurechtkommen. Dazu brauche es keine ausgebildeten Lehrer, betonte Cyrielle Fernandez von der Diakonie Potsdam. Ehrenamtliche könnten unterrichten oder Aktivitäten für Kinder anbieten. Denn gerade die Kleinen würden unter den traumatischen Erlebnissen der Flucht leiden. Da in Ferch kein Spielplatz gebaut werden kann, müssten Eltern und Kinder ohne entstprechende Angebote von außen viel Zeit in den engen, spartanisch eingerichteten Zimmern verbringen.

In Caputh war man sich einig, dass den neuen Nachbarn vor allem gezeigt werden soll, wie willkommen sie in Deutschland sind. Nun heißt es, auch den Glindowern die Angst vor den Fremden zu nehmen. Dazu gehört eine wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit, dachte sich der engagierte Werderaner Hans-Hartwig Lau. Er wirbt mit der Facebook-Seite „Ihr Schicksal betrifft mich“ für eine angemessene Willkommenskultur.