Übergabe

Cottbuser Schlosskirche wird zur ersten Synagoge Brandenburgs

Jüdische Gemeinde erhält Schlüssel des Gotteshauses

– Die jüdische Gemeinde in Cottbus hat wieder ein eigenes Gotteshaus – als erste in Brandenburg. Superintendentin Ulrike Menzel überreichte am Sonntag die Schlüssel der evangelischen Schlosskirche Cottbus an den Landesverband der Jüdischen Gemeinden Brandenburg. „Es ist schön, dass das Gebäude wieder ein Gotteshaus wird“, sagte Menzel, nachdem sie die 14 Hauptschlüssel überreicht hatte. Die Kirche ohne eigene Gemeinde war im September entwidmet worden. Das Land kaufte das Gebäude für 582.000 Euro. Die Einweihung als Synagoge ist für den internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2015 geplant. Die jüdische Gemeinde in Cottbus hatte aufgehört zu existieren, als die Nationalsozialisten wie in anderen deutschen Städten auch am 9. November 1938 die frühere Synagoge abbrannten. Erst seit 1998 gibt es wieder eine Gemeinde in der Stadt – doch bislang ohne Gotteshaus. Es fügte sich, dass es in Cottbus eine Kirche ohne Gemeinde gab. Bislang hatte die jüdische Gemeinde Wohnungen im Stadtzentrum gemietet.

Die Schlosskirche Cottbus wurde im 18. Jahrhundert von Hugenotten errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gotteshaus in der Innenstadt für kurze Zeit die einzige nutzbare Kirche für die Cottbuser Gemeinden, heißt es in einem Informationsblatt, herausgegeben vom Kuratorium der Schlosskirche. In den 1970er Jahren diente das Gebäude als Ökumenisches Gemeindezentrum, genutzt von der Stadtmission. Es gab „Andachten für Eilige“, mehr als 1000 Orgelvespern, Jugendprojekte, Chorproben.

Das Veranstaltungsspektrum weitete sich auf Umweltkreise aus. In der Wendezeit galt die Kirche als Ausgangspunkt für viele Aktionen. Später öffneten sich die Türen für Obdachlose, die dort Essen bekommen. 2003 wurde die Kirche, die keine eigene Gemeinde hat, saniert.

Auch in der Landeshauptstadt Potsdam soll eine Synagoge entstehen. Um den Neubau gibt es jedoch heftigen Streit. Im vergangenen Sommer legte die bisherige rot-rote Landesregierung die Planungen auf Eis. Laut Zentralrat der Juden in Deutschland gibt es bundesweit 99 Synagogen.