Schwarzhandel

Zollamt warnt vor verseuchten Zigaretten

Mäusekot, Milben, zerschredderte CDs – die Schmuggelware enthält nicht immer reinen Tabak

Neben dem Tanken stehen bei deutschen Schnäppchenjägern in Polen nach wie vor Zigaretten hoch im Kurs. Nahezu jeder Zweite kauft die preiswerteren Glimmstängel östlich der Oder. Durchschnittlich 17 bis 20 Euro pro Stange statt 25 bis 27 Euro in Deutschland sind wohl einfach zu verlockend. Woher genau die Zigaretten stammen, die Deutsche beispielsweise in der polnischen Grenzstadt Slubice kaufen, interessiert häufig nicht. Diesen Eindruck haben auch die Berater des deutsch-polnischen Verbraucherinformationszentrums in Frankfurt. Anlass zur Vorsicht hätten die Kunden allemal.

„Wenn die nicht in Ordnung wären, dürften die Polen die Glimmstängel doch gar nicht verkaufen“, glaubt Manfred Ziesler aus Berlin. Der nach eigenen Angaben starke Raucher holt seinen Nachschub regelmäßig in Slubice. „Ich kaufe schon seit Jahren beim Händler meines Vertrauens“, erzählt auch Inge Heise aus Frankfurt, die zum Zigarettenkaufen mit einer Freundin über den großen Grenzbasar am südlichen Ende von Slubice schlendert. „Ich war immer zufrieden, irgendwie komisch schmeckten die noch nie“, sagt die Rentnerin. Die deutschen Zollbehörden hingegen sind alarmiert, seit auf dem Flughafen in Polens Hauptstadt Warschau bei einem Reisenden aus Vietnam radioaktiv verseuchte Rauchware entdeckt wurde.

Kontrollen nur in Stichproben

„Bei uns gibt es bisher keine Anhaltspunkte dafür, dass derart verunreinigte Zigaretten auch ins Bundesgebiet gelangten“, sagt Andreas Behnisch, Sprecher des Frankfurter Hauptzollamtes. Ganz ausschließen lässt sich die Sache allerdings nicht. Denn seit dem Wegfall der Grenzkontrollen vor sieben Jahren können die Zöllner nur noch stichprobenartig Reisende genauer unter die Lupe nehmen. Das heißt, sie greifen sich gezielt Fahrzeuge aus dem rollenden Verkehr, um sie zu kontrollieren. Da kann ihnen einiges durch die Lappen gehen. Fündig werden sie dabei in Sachen Schmuggelzigaretten aus Osteuropa oder Asien allerdings immer wieder, wie ein Blick in die gut gefüllte Asservatenkammer der Behörde zeigt. Fast 25 Millionen Zigaretten wurden 2012 im Bereich des Frankfurter Hauptzollamtes, also im Brandenburger Grenzgebiet zu Polen, entdeckt. 2013 waren es „nur“ 10,5 Millionen. Die Zahl der Feststellungen war mit rund 1900 nahezu gleich, lediglich die entdeckten Mengen fielen kleiner aus.

Doch schon in diesem Jahr dürfte die Bilanz wieder deutlich höher ausfallen. Entdeckten Zöllner des Frankfurter Hauptzollamtes doch bereits Anfang 2014 in einem polnischen Lkw auf der Autobahn 24 insgesamt 13,5 Millionen ukrainische Schmuggelzigaretten, die offenbar für den britischen Schwarzmarkt bestimmt waren. Zum Vergleich: Als noch direkt an den polnisch-deutschen Grenzübergängen kontrolliert wurde, lag die Zahl bei rund 70 Millionen beschlagnahmten Schmuggelzigaretten oder gar noch höher.

Die Frankfurter Zöllner verfügen laut Behnisch über Messgeräte, die bei einer eventuellen Radioaktivität anschlagen würden. „Diese Geräte haben wir, weil wir ja mit Röntgentechnik arbeiten, um etwa Transporter-Ladungen genauer zu überprüfen“, sagt der Zollsprecher und verweist auf die Containerprüfanlage an der Autobahn 12, Haupttransitstrecke für den Warenverkehr zwischen Ost- und Westeuropa.

Mobile Röntgengeräte für Busse

Auf dem ehemaligen Vorstauplatz steht ein riesiges Röntgengerät, durch das die Laster geschickt und so durchleuchtet werden. Erst wenn auf den Monitoren Unregelmäßigkeiten bemerkt werden, können sie die Ladung genauer untersuchen. Erst vor einer Woche entdeckten Zöllner damit rund 800.000 Zigaretten in einem polnischen Sattelzug, der laut Frachtpapieren lediglich gefaltete Kartonagen transportierte. Ein weiteres Hilfsmittel ist ein mobiles Röntgengerät, das in einem Kleintransporter installiert wurde An den Seiten ähneln die Öffnungen jenen Gepäck-Kontrollanlagen, wie man sie von Flughäfen kennt. „Das Gerät erspart mühseliges Durchsuchen von Koffern, Reisetaschen oder auch Reservereifen, wenn wir beispielsweise Reisebusse kontrollieren“, so Behnisch. Die Röntgenanlagen seien so sensibel, dass sie sofort anschlagen würden, wenn Radioaktivität im Spiel sei. Zwar sei das noch nicht vorgekommen, dafür fanden sich in näher untersuchten Schmuggelzigaretten in der Vergangenheit seinen Angaben nach bereits Mäusekot, Milben, Reste von zerschredderten CDs oder auch Arsen – Zusätze, die wohl auch dem stärksten Raucher den Appetit verderben dürften. Zöllner fischten die illegale Ware aus Benzintanks oder Aluminiumschrott.

Doch Behnisch gibt auch etwas Entwarnung. Die Zigaretten, die in Polen beispielsweise in Tankstellen oder speziellen Tabakläden verkauft würden, seien in der Regel „ganz legale Ware“. 800 Stück davon dürfe der Käufer nach Deutschland mitbringen, ohne dafür Abgaben zahlen zu müssen. Meist trügen diese Zigaretten auch ordnungsgemäße polnische Steuerbanderolen, doch diese seien für den Laien nicht unbedingt identifizierbar, wie der Zollsprecher einräumt.