Einschätzung

Mindestlohn: Betriebe fürchten teure Folgen

Der ab 2015 geltende gesetzliche Mindestlohn könnte einige Branchen in Brandenburg, die auf Saisonarbeitskräfte setzen, teuer zu stehen kommen.

Wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab, seien besonders für den Obst- und Gemüseanbau sowie für Schausteller drastische Folgen möglich.

Mit Obst aus Ländern, in denen geringere Löhne gelten, könnten märkische Produkte dann preislich erst recht nicht mehr mithalten, sagte der Geschäftsführer des Landes-Gartenbauverbands (GVBB), Andreas Jende. Länder wie Polen, Spanien oder die Türkei hätten einen deutlich niedrigeren oder wie Italien keinen gesetzlichen Mindestlohn. Sie könnten dementsprechend Waren günstiger anbieten.

Der Mindestlohn wird nach Einschätzung Jendes unterschiedliche Folgen haben. Um Arbeitskosten zu senken, werde womöglich weiter automatisiert. „Kulturen, die sich unter diesen Bedingungen nicht mehr rentabel produzieren lassen, werden in Brandenburg nicht mehr angebaut.“

Viele Saisonarbeitskräfte kommen aus dem Ausland – vor allem aus Polen, Kroatien oder Rumänien. Der GVBB geht davon aus, dass zu Spitzenzeiten in der Saison 5000 bis 6000 Saisonarbeitskräfte im Land arbeiten, vor allem bei der Spargel-, Obst- und Gurkenernte.

Auch die Schausteller erwarten negative Folgen. „Mit dem Mindestlohn werden sich die Preise für Karussellfahrten erhöhen, einige Schausteller werden ihr Geschäft auch ganz aufgeben“, sagt der Geschäftsführer des brandenburgischen Schaustellerverbands (BSV), Ron Affeldt. Hilfsarbeiter würden in der Branche vor allem für den Auf- und Abbau der Buden gebraucht.

Auf geringfügig Beschäftigte greift ab der Vorweihnachtszeit auch der Einzelhandel zurück. „Das sind zum Teil Studenten oder Schüler“, sagt der Geschäftsführer des brandenburgischen Handelsverbands (HBB), Nils Busch-Petersen. Von ihnen verdiene aber kaum jemand weniger als zehn Euro pro Stunde.

Auch der Onlineversandhändler Amazon zahlt den Saisonkräften in seinem Logistikzentrum in Brieselang (Havelland) eigenen Angaben zufolge deutlich mehr als den gesetzlichen Mindestlohn. „Im zweiten Jahr erhalten sie ein Mindestgrundgehalt von 10,47 Euro brutto pro Stunde, im ersten Jahr sind es 9,55 Euro brutto“, sagte eine Unternehmenssprecherin.