Gedenken

„Die Mauer war Potsdamer Realität“

Die Feierlichkeiten zum Jubiläum des Mauerfalls finden in der Landeshauptstadt an drei Orten statt

Wenn Tom Hanks demnächst über die Glienicker Brücke geht, wird er dort nur seinem Filmteam begegnen. Der Hollywood-Star spielt die Hauptrolle im neuen Agententhriller von Oscar-Preisträger Steven Spielberg. Gedreht wird am Originalschauplatz – auf der Brücke, die durch den Agentenaustausch als ein Symbol des Kalten Krieges galt. Und die später zum Symbol für die Wiedervereinigung Deutschlands wurde. Für die Dauer der Dreharbeiten soll die Brücke gesperrt werden. Doch wenn am 10. November rund um die Glienicker Brücke an die Grenzöffnung vor 25 Jahren erinnert wird, bleibt die Brücke geöffnet. Die Brücke ist einer von drei Orten, auf die Potsdam bei den Feierlichkeiten zum Mauerfall den Fokus richtet.

Ein weiterer Ort ist die Friedrichskirche in Babelsberg. „Der Auftakt zum Widerstand gegen das SED-System ist eng mit dieser Kirche verbunden“, sagt Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Vergangenen Sonnabend jährte sich der Tag zum 25. Mal, an dem sich mehr als 3000 Menschen in und vor dem Gotteshaus versammelten, um einen demokratischen Wandel in der DDR einzufordern. Das Pfarrer-Ehepaar Annette und Stefan Flade sowie Pfarrer Hans-Georg Baaske informierten damals bis in die Nacht hinein vor allem über die Bewegung „Neues Forum“. „Die Menschen waren wissbegierig, sie wollten eine politische Veränderung“, sagt Jakobs, der in jener Zeit noch im Bezirksamt Spandau tätig war. Die Friedrichskirche als Keimzelle des Protests – daran erinnern die Superintendentin der evangelischen Kirche Heilgard Asmus und Pfarrerin Sabine Müller bei einem Gedenkgottesdienst am 9. November um 10 Uhr in der Friedrichskirche am Babelsberger Weberplatz.

Bereits eine Stunde später lädt das Potsdam Museum zu einem Gespräch mit den Potsdamer Künstlern Peter Rohn und Christian Heinze ein. Rohn hat unmittelbar nach der Grenzöffnung den Abbau des Mauerabschnitts zwischen Babelsberg und Glienicke fotografisch festgehalten. Grafiker Heinze, der seit den 60er-Jahren in der Berliner Vorstadt in Potsdam lebt, dokumentierte den Abbau der Mauer rund um den Neuen Garten und die Glienicker Brücke mit Stift und Feder. Die Gesprächsrunde unter dem Titel „Potsdam grenzenlos“ ist eingebettet in die aktuelle Sonderausstellung des Potsdam Museums „Stadt-Bild / Kunst-Raum“, die Werke von Potsdamer und Ost-Berliner Künstlern aus der Zeit von 1949 bis 1990 zeigt.

Begegnung mit Zeitzeugen

Nächster Schauplatz des Mauerfall-Jubiläums: die unter Denkmalschutz stehende Mauergedenkstätte in Groß Glienicke. Derzeit wird das Areal rund um die Original-Segmente der einstigen Mauer und den Metallzaun, der einst ebenfalls Bestandteil der Grenzanlagen war, noch auf Vordermann gebracht und eine Gedenktafel errichtet. Mit 35.000 Euro schlagen Sanierung und Gestaltung zu Buche. Kosten, die sich die Stadt Potsdam und der Berliner Bezirk Spandau teilen, markieren die erhaltenen Anlagen doch den früheren Grenzverlauf zwischen Groß Glienicke und Spandau. Gemeinsam werden Potsdams Oberbürgermeister Jakobs und der Spandauer Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) dort an den Mauerfall erinnern – bei einer Gedenkfeier am 9. November um 15.30 Uhr.

Ihren Höhepunkt erreichen die Feierlichkeiten schließlich am 10. November – dem Tag, an dem vor 25 Jahren die Grenze auch an der Glienicker Brücke fiel. Einen Tag nach der Maueröffnung zwischen Ost- und West-Berlin. Das Motto der zentralen Potsdamer Gedenkfeier lautet: „Aus dem Dunkel ins Licht: Gedenken, Erinnern, Strahlen“. Beginn ist um 18 Uhr. Eine mit Bedacht gewählte Uhrzeit, denn um 18 Uhr sollte seinerzeit auch dieses Stück des Eisernen Vorhangs fallen. Doch beiderseits der Brücke drängten sich damals schon lange vorher so viele Menschen, dass sich die Grenze bereits eine halbe Stunde eher öffnete. Geplant sind bei der Gedenkveranstaltung Gespräche mit Zeitzeugen, illustriert von Bildern aus der Zeit des Mauerfalls. Zudem werden Filme über die geschichtsträchtige Brücke gezeigt. Im Laufe des Abends soll die Brücke dann „ihr Aussehen verändern“. Geplant ist eine speziell für diesen Abend choreografierte Illumination.

Mit den Feierlichkeiten rund um den 9. November wolle man „noch einmal intensiv an die Akteure und Orte von 1989 erinnern“, sagt Oberbürgermeister Jakobs. Die Berliner Mauer sei eine „Potsdamer Realität gewesen“.