Gerichtsverhandlung

Mord an Kind aus „niederen Beweggründen“

Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haftstrafe

Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines fast drei Jahre alten Mädchens hat die Staatsanwaltschaft für den 26-jährigen Ole E. am Freitag eine lebenslange Haftstrafe beantragt. Der Angeklagte müsse wegen Mordes aus niederen Beweggründen verurteilt werden, sagte Staatsanwältin Anette Bargenda. Objektiv sei aus ihrer Sicht auch das Mordmerkmal der „Grausamkeit“ erfüllt. Für die Mutter forderte die Anklagevertreterin eine Strafe von drei Jahren.

Die kleine Lilly war am 11. Dezember vergangenen Jahres in der gemeinsamen Wohnung in Strausberg (Märkisch-Oderland) von Ole E., der nicht der leibliche Vater ist, schwer misshandelt worden. Er hatte das zierliche Kind geschüttelt, es mehrfach mit dem Kopf zuerst auf den Boden fallen lassen, hatte ihm mit der Faust mehrfach in den Leib geschlagen. Es war eine Quälerei, die sich, unterbrochen von Pausen, über mehrere Stunden hinzog. Anlass für diese unglaublichen Gewaltausbrüche war der Unmut des Angeklagten darüber, dass Lilly Stunden zuvor bei einem Besuch bei Verwandten mehrfach geweint hatte. Staatsanwältin Bargenda sprach in ihrem Plädoyer von „einer demonstrativen Bestrafung, die schon fast Hinrichtungscharakter hatte“.

Lillys ebenfalls angeklagte Mutter hatte zwar versucht, den Lebensgefährten von den Misshandlungen abzuhalten. Die 26-jährige Jane M. hatte aber keine Hilfe geholt. „Obwohl sie ein Handy hatte“, sagte Bargenda, „obwohl sie zu einer Nachbarin gehen konnte, und obwohl sie für den Lebensgefährten in dieser Nacht sogar noch zu einer Tankstelle gefahren war, um für ihn Bier zu kaufen.“

Die milde Strafe von drei Jahren für die Mutter des Kindes begründete die Staatsanwältin mit Jane M.s umfassenden Geständnis nach dem Tod der Tochter. Anfangs habe die Angeklagte ihren Lebensgefährten aber sogar noch zu decken versucht. So habe sie am Morgen des 12. Dezembers Lilly in der Notaufnahme des Krankenhauses in Rüdersdorf von einem vermeintliche Unfall gesprochen: Das Kind sei angeblich bei einem scharfen Bremsen im Auto gegen den Vordersitz geknallt. Eine zweite Variante war die Lüge, Lilly sei ihr beim Baden aus der Hand gerutscht.

Beide Erklärungen waren ihr zuvor von dem dominanten Ole E. eingeredet worden. Der als intelligent eingeschätzt Angeklagte hatte vor Gericht angeben, dass er sich an die Taten wegen reichlich genossenen Alkohols nicht erinnern könne. Ein psychiatrischer Gutachter widersprach angesichts des Tatablaufs dieser Behauptung. Ole E. habe sein Verhalten durchaus kontrollieren können. Es handele sich bei ihm um einen egozentrischen Menschen, der große Empathie-Defizite habe. Das Motiv für die Tat sei auch allein bei ihm zu suchen: „Eigene Missbefindlichkeiten mussten abreagiert werden. Das Kind ist dabei das Opfer geworden.“ Das Urteil wird am Mittwoch erwartet.