Justiz

Prozess um den Maskenmann: Sohn des Opfers sagt aus

Zwölfjähriger musste seinem Vater die Hände fesseln

– Ricardo T. ist überzeugend. Der heute Zwölfjährige war dabei, als sein Vater im Oktober 2012 aus dem Ferienhaus im Storkower Ortsteil Hubertushöhe entführt wurde. Täter war der so genannte Maskenmann.

Die Vernehmung des Schülers findet nicht im Schwurgerichtssaal des Frankfurter Justizgebäudes statt, sondern in einem Nebenraum. Es ist eine audiovisuelle Vernehmung: Ein Kamera nimmt auf, wie der Junge die Fragen der Prozessbeteiligten beantwortet. Das Video wird in den Verhandlungssaal übertragen.

Ricardo T. kann sich gut an den Abend des 5. Oktober 2012 erinnern. Er und sein Vater – der 51-jährige Investmentkaufmann Stefan T. – saßen gegen 21.35 Uhr vor dem Fernseher und schauten ein Video: „Männerherzen I“. Seine Mutter ließ vor dem Schlafengehen noch mal kurz den Hund in den Garten. Sie wollte Tür schließen, es gab einen Widerstand. Und plötzlich habe dieser Mann im Ferienhaus gestanden, erinnert sich Ricardo T. „Mit einer Art Moskitonetz vor dem Gesicht, schwarzen Lederhandschuhen, schwarzer Hose, schwarzen Gummistiefeln, in der rechten Hand eine Pistole.“ Sein Vater habe „Was willst du?“ geschrien und eine Flasche Wein in Richtung des Eindringlings geworfen. Worauf der Täter drohend in Decke schoss und mit dunkler heiserer Stimme sagte: „Es geht nur um Geld!“ Sie mussten sich auf den Boden legen. Der Vater ging nur auf die Knie und fragte, ob das so auch reiche.

Eine glaubhafte Erinnerung

Der Maskenmann legte eine Rolle Packband auf die Rückenlehne eines Sessels und forderte Ricardos Mutter auf, dem Ehemann die auf dem Rücken gekreuzten Hände zu fesseln. Sie konnte es nicht. „Also habe ich es gemacht“, sagt Ricardo T. Und er habe dem Vater, als diesem die Augen verklebt wurden, die Brille in die Hosentasche gesteckt. Bevor der Maskenmann mit dem Vater das Haus verließ, habe der noch gefordert, ihnen nicht nachzuschauen und auf keinen Fall die Polizei zu alarmieren. Seine Mutter, so Ricardo T., habe es aber doch getan. Obwohl er gewarnt habe: „Mach das lieber nicht.“

Es ist eine durch und durch glaubhafte Aussage. Sie führt Spekulationen, dass es diese Entführung vielleicht gar nicht gegeben habe, ad absurdum. Offen ist jedoch nach wie vor, ob es sich bei dem 46-jährigen Angeklagten Mario K. auch tatsächlich um den Maskenmann handelt.