Justiz

Maskenmann-Prozess: Anwalt kritisiert Stimmenvergleich

– Der 20. Verhandlungstag im sogenannten Maskenmann-Prozess vor dem Frankfurter Landgericht gab am Montag Einblicke in die kleinteilige Polizeiarbeit. Mehr als Indizien erbrachten die Ermittlungen demnach nicht, wie Kriminalbeamte als Zeugen vor Gericht berichteten.

So fanden sich bei der Durchsuchung in der Wohnung der Freundin des Angeklagten Mario K. Schlafsack, Nachtsichtgerät und ein Zelt, bei den befreundeten Eltern seiner früheren Lebensgefährtin rötliches Kunsthaar für Bärte. Mehrere tatverdächtige Männer hatten die Ermittler überprüft, schilderten Zeugen. Der Verdacht gegen sie habe sich jedoch nicht erhärtet. K. blieb als einziger im Visier der Fahnder und sitzt nun wegen zweier Überfälle auf eine Millionärsfamilie 2011 in Bad Saarow und wegen der Entführung eines Unternehmers in Storkow 2012 auf der Anklagebank. Die Verteidigung war bemüht, durch intensive Befragung der Zeugen Hinweise dafür zu sammeln, dass sich die Ermittler schon frühzeitig auf den Angeklagten konzentrierten und angeblich einseitig ermittelten. Vorwürfe dieser Art waren bereits zum Prozessauftakt bekannt geworden – durch die Selbstanzeige eines Kriminalisten der Soko „Imker“. Tenor: Widersprüchen und Verdachtsmomenten, die nicht im Zusammenhang mit K. stammten, seien die Ermittler nicht nachgegangen. Dieser wichtige Zeuge wird am 16. September vor Gericht gehört.

Am Montag ging es um die heimlich im Jobcenter Lichtenberg mitgeschnittene Stimme des Angeklagten, die das Entführungsopfer Stefan T. später wiedererkannt hatte. Wie ein Ermittler als Zeuge aussagte, seien zehn weitere Stimmen von Polizisten als Vergleich aufgezeichnet und T. vorgespielt worden. Ausgewählt wurden Stimmen mit Berliner Dialekt. Der Täter aber war von Zeugen als „hochdeutsch“ sprechend beschrieben worden, so die Verteidigung. „Sollten die ausgewählten Stimmen nun der von Mario K. ähneln oder der des Täters“, lautete die Frage von Rechtsanwalt Axel Weimann. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.