Prozess

Mutter schildert vor Gericht Qualen der getöteten Tochter

Der Ex-Partner der Frau ist wegen Mordes angeklagt

Vielleicht war es Überforderung, vielleicht Sadismus, vielleicht beides. Es ist rätselhaft, was den 26-jährigen Ole E. im Dezember vergangenen Jahres dazu trieb, ein zweijähriges Mädchen zu töten. Er steht jetzt wegen Mordes aus niederen Beweggründen vor dem Schwurgericht in Frankfurt (Oder). Neben ihm sitzt seine ehemalige Lebensgefährtin. Die 27-jährige Jane M. ist die Mutter des getöteten Kindes. Ihr wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, ihr Kind, „dass sich in hilfloser Lage befand, im Stich gelassen“ zu haben.

Auf dem ersten Blick scheint es die übliche tragische Konstellation zu sein: Zwei junge Menschen, beide aus prekären Verhältnissen, lernen sich kennen. Sie bringt kleine Kinder mit in die Beziehung – bei Jane M. waren es drei. Er kümmert sich zunächst. Ole E. wollte das jüngste Kind Lilly sogar adoptieren, fühlt sich aber zunehmend genervt. Und eines Tages kommt es dann zum Exzess: Er nimmt das schreiende Kleinkind, will es zur Ruhe bringen und schüttelt es – was bei den Kleinkindern fast immer zu schweren Schäden führt, nicht selten auch zum Tod.

Bei Ole E. hatte es am Abend des 10. Dezember nicht einmal einen Anlass gegeben. Der kräftig wirkende junge Mann hatte wieder mal ein paar Bier getrunken, war nach der bisherigen Einschätzung eine psychiatrischen Sachverständigen aber voll steuerungsfähig.

Die Kinder schliefen schon. Ole E. sei dann unvermittelt aufgestanden und ins Kinderzimmer gegangen, sagt Jane L. vor Gericht. Sie habe sich nichts dabei gedacht. Und plötzlich habe sie gehört, wie Lilly heftig zu weinen begann. Was dann in der Wohnung an der Friedensstraße im brandenburgischen Strausberg folgte, war ein mehrere Stunden währender Ausbruch von Gewalt: Ole E. schüttelte das Kleinkind, zerrte es am Bein aus dem Bett, sodass es mit dem Kipf nach unten hing, und ließ es auf den Boden fallen. Im Anklagesatz wird von einem „deutlich wahrnehmbaren Knall berichtet“. Er schlug Lilly mit der Faust, trat auf ihren Bauch, duschte sie eiskalt ab, stieß sie mit dem Kopf gegen einen Heizkörper. Es ließe sich noch einiges aufzählen. Lilly wurde erst am nächsten Morgen zum Arzt gebracht. Aber auch eine Notoperation konnte das Kind nicht mehr retten. Jane L. kann vor Gericht jedes Detail dieser schrecklichen Nacht beschreiben. Sie weint, beteuert, dass sie Ole E. immer wieder in den Arm gefallen sei. Vergeblich. „Ich hatte keine Chance, er ist stärker als ich.“ Und er habe gedroht: „Hab kein Mitleid mit dem Balg! Wenn du nicht aufhörst, wird alles noch schlimmer!“ Sie habe es auch nicht gewagt, mit dem Handy Hilfe zu rufen. Sie hatte nicht einmal Hilfe geholt, als Ole E. sie gegen 22.30 Uhr zu einer Tankstelle schickte, um für ihn Bier zu kaufen. Und sie tat auch nichts, als Lilly gegen Mitternacht nur noch zuckte und röchelte.

Ole E. selbst kann sich angeblich an die Tatnacht nicht mehr erinnern. Er sei Alkoholiker, habe sich schon zuvor des Öfteren nicht unter Kontrolle gehabt, heißt es in einer vorbereiteten Erklärung. Und dass er das alles furchtbar bereue: „Ich habe sie doch geliebt, alle vier.“