Architektur

Halbzeit am Schloss Babelsberg

Die Stiftung Schlösser und Gärten stellt erste Sanierungserfolge vor. Besichtigungen der Anlage sind aber noch nicht möglich

Noch steht das riesige Baugerüst rund um das Schloss Babelsberg. Doch nun ist der erste Teil der Außensanierung abgeschlossen. Seit dem Frühjahr 2013 arbeiten mehr als 50 Handwerksbetriebe an der Sanierung, um das Schloss wieder ansehnlicher zu machen. Es ist das erste Projekt dieser Art seit dem Bau im Jahr 1833. Bis zum Herbst 2015 sollen die Arbeiten vollständig abgeschlossen sein.

Mit dem Sonderinvestitionsprogramm für die preußischen Schlösser und Gärten wollen der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg wesentliche Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft vor dem Verfall retten. Das Abkommen sieht vor, dass die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) bis 2017 insgesamt 155,03 Millionen Euro in die Rettung nationaler Kulturgüter zusätzlich investieren kann. Insgesamt sollen 23 Baudenkmäler saniert werden. Eines davon ist das Schloss Babelsberg.

Prinzenschloss und Hochschule

Die Außensanierung des Schlosses soll 9,7 Millionen Euro kosten. Die Konzentration der Arbeiter gilt dabei vor allen Dingen der mit Sichtziegelbauweise errichteten Fassade, aber auch das Dach und die Fenster sollen instand gesetzt werden. „Bisher liegen wir gut in der Zeit und halten den Kostenplan ein“, sagte Ayhan Ayrilmaz, Leiter des Masterplans der SPSG. Das Kaiserschloss wird wieder sichtbar.

Das Schloss sowie der Park Babelsberg wurden ab 1833 für den preußischen Prinzen Wilhelm und seine Gemahlin Augusta von Sachsen-Weimar angelegt. Über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren verbrachte das spätere Kaiserpaar hier seine Sommertage. Auch nach dem Tod Wilhelms I. wurde das Schloss weiter genutzt. So war ab 1953 in einigen Räumen die Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR untergebracht. Die Hörsäle befanden sich in Gebäuden hinter dem Schloss. Ein Jahr später gründete sich an gleicher Stelle die Hochschule für Film und Fernsehen, bevor der Bau später zu einem Museumsschloss mit verschiedenen Ausstellungen umgewandelt wurde. Heute ist die Anlage ein bedeutendes Kulturdenkmal und Teil des Unesco-Welterbes „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ zu dem unter anderem auch die Sommerresidenz Friedrichs II. von Preußen, das Schloss Sanssouci, gehört.

In den letzten Jahren bot Schloss Babelsberg aus der Nähe betrachtet eher einen trostlosen Anblick. Die bröckelnde und schmutzige Fassade sowie ungestrichene Fenster und Türen luden nicht gerade zu einer Erkundungstour ein. Fast 180 Jahre hatten ihre Spuren hinterlassen. Das einst so prunkvolle Gebäude passte nicht mehr in die gepflegte und grüne Umgebung des Parks Babelsberg. Aufwertungsarbeiten waren dringend nötig.

„Der Zustand war zwar nicht katastrophal, dennoch gibt es immer noch einiges zu tun“, sagte Ayrilmaz. Vor allen Dingen habe die Substanz des Schlosses unter Wettereinflüssen gelitten. Eine besondere Schwierigkeit bei den Arbeiten stellen die unterschiedlichen Materialien dar, aus denen das Gebäude einst errichtet wurde. So gebe es viele verschiedene Zementarten, die alle unterschiedlich behandelt werden müssten, so Ayrilmaz. Auch dies sei ein Grund dafür, dass so viele verschiedene Handwerksbetriebe an dem Projekt mitwirken. Die Arbeiten am Schloss würden deutlich von anderen Außensanierungen abweichen. Mit einer speziellen Lasertechnik haben die Arbeiter bereits einen Großteil der Fassade gereinigt, da andere Säuberungsarten die Bausubstanz gefährdet hätten.

„Es wird nicht einfach, sich den Aufgaben der Zukunft zu nähern“, sagte Brandenburgs Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Sabine Kunst, bei einem Rundgang. Sie machte deutlich, dass nach der Außensanierung noch viel Arbeit im Innenbereich warte, denn hier bröckele der Putz immer noch von den Wänden. Wann Touristen das Schloss wieder besichtigen können, steht noch nicht fest.

„Ein Ort der Bildung“

„Zunächst müssen wir natürlich auch die Innensanierung vornehmen“, sagte Ayrilmaz. Bis diese Arbeiten abgeschlossen sind, kann es allerdings noch dauern. Schließlich handele es sich bei dem bisherigen Vorhaben erst einmal nur um eine Teilsanierung. Die gesamte Haustechnik, wie die Heizungen oder die Wasseranschlüsse, müsse später noch auf den neuesten Stand gebracht werden.

„Auf Dauer soll das Schloss aber wieder ein Ort politischer und kultureller Bildung sein“, fügte Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der SPSG, hinzu. Es sei jedoch nicht wahrscheinlich, dass hier ein ganzjähriger Betrieb stattfände, denn ursprünglich handele es sich ja um ein Sommerschloss. Gerade im Winter sei es schwierig, die oberen Etagen ausreichend zu beheizen, ohne dass Kondenswasser die Substanz wieder angreifen würde. Doch in den kühleren Monaten sei durchaus denkbar, dass nach der Innensanierung wieder Veranstaltungen stattfinden könnten.

Bis es so weit ist, werden aber noch einige Jahre vergehen. Zunächst soll jetzt erst einmal die Hüllensanierung abgeschlossen und anschließend die Außenterrassen instand gebracht werden. Dann, so die Hoffnung der Sanierer, passt die Erscheinung des Schlosses hoffentlich auch wieder besser in den Park Babelsberg und wird zu einem Blickfang in der Umgebung.