Untersuchung

Erneut Verdacht auf Weltkriegsbombe in Oranienburg

Kurz vor Abschluss ihrer Kampfmittelsuche hat die Berliner S-Bahn möglicherweise noch eine Bombe entdeckt.

In der Nähe der S-Bahn-Werkstatt in Oranienburg stießen die Experten bei Bohrungen auf einen sogenannten Verdachtspunkt in fünf Metern Tiefe. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es sich dabei um eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg handelt. „Es kann gut sein, dass dort etwas ist, bestätigen können wir es aber noch nicht“, sagte ein Bahn-Sprecher.

Zwecks Überprüfung wird die Stelle am Montag aufgegraben und ein Sicherheitskasten abgesenkt. Sollte es sich um eine Bombe handeln, soll diese am kommenden Donnerstagvormittag entschärft werden. Zunächst wird ein Sperrkreis von 50 Metern errichtet und je nach Zündertyp auf bis zu 1200 Meter ausgeweitet. Da das Streckengleis der Fernbahn Birkenwerder–Oranienburg nur neun Meter entfernt liegt, wäre der Zugverkehr ab Dienstag unterbrochen. Betroffen wäre auch der Regionalverkehr, die Bahn plant einen Ersatzverkehr mit Bussen. Ein solcher besteht für die S-Bahn-Linie 1 wegen der Kampfmittelsuche bereits seit drei Wochen, die Busse fahren noch bis zum 31. August zwischen Oranienburg und Birkenwerder. Der gesamte Monat wurde genutzt, um 18 verdächtige Stellen genauer zu untersuchen, die bei Sondierungen im April und Mai entdeckt worden waren.

Immer wieder werden in Oranienburg Bombenfunde gemacht, rund 180 seit 1990. Die 40.000-Einwohner-Stadt nördlich von Berlin war als Sitz chemischer Industrie und Rüstungsbetriebe Ziel alliierter Luftangriffe. Manche der Sprengkörper hatten Langzeitzünder, durch die sie erst zwölf bis 48 Stunden nach dem Aufprall zünden sollten – um die Bevölkerung zu demoralisieren. Dafür wurde eine Säure verwendet, die sich langsam aber stetig zum Schlagbolzen der Zündung hindurchfraß. Da manche Bomben sich im Boden aber bewegten, blieb die Explosion aus – bis heute. Für die Entschärfung der Blindgänger in Oranienburg gibt Brandenburg jährlich drei Millionen Euro aus. Das entspricht der Hälfte des Geldes, das dem Bundesland dafür zur Verfügung steht.