Informatik

Im virtuellen Klassenzimmer lernen Schüler programmieren

Hasso-Plattner-Institut bietet kostenloses Seminar

– Fachleute sind sich einig: Kinder sollten so früh wie möglich spielerisch an Informatik herangeführt werden – doch in den Schulen gibt es dazu nicht genug Angebote. Informatik ist lediglich in Bayern und Sachsen Pflichtfach, an den meisten Schulen steht es freiwillig zur Wahl. „Deutschland zeigt, wie man in diesem Bereich Analphabeten erzieht“, beklagt Bernd Birkicht vom Chaos Computer Club (CCC), selbst Informatiklehrer an einer Heilbronner Schule.

Dabei ist Informatik im digitalen Alltag hilfreich. „Wenn man programmieren lernt, versteht man, wie der Rechner reagiert“, sagt Christian Willems, Doktorand am Hasso-Plattner-Institut. Das Potsdamer Institut will diese Lücke mit einem neuen Angebot füllen. In einem Kurs sollen Kinder innerhalb von vier Wochen online kostenlos programmieren lernen. „Besondere Vorkenntnisse oder eine spezielle Software sind nicht nötig“, wirbt Instituts-Direktor Christoph Meinel für die Bildungsplattform (www.open.hpi.de). Jenseits des Klassenzimmers sollen Schüler lernen, wie ein Rechner funktioniert und wie man Computerprogramme schreibt. Sie können sich vom Computer zu Hause aus anmelden und mitmachen.

Am 22. September soll der Kurs starten. Wer mitmacht, landet in einem virtuellem Klassenzimmer. In der einen Hälfte des Bildschirms ist Kursleiter Martin von Löwis zu sehen – einer der Entwickler der Programmiersprache Python. Die zweite Hälfte zeigt die Schritte, die der Kursleiter beschreibt. Neue Kapitel werden nach und nach freigeschaltet. „Alle sollen auf dem gleichen Level sein“, erklärt Doktorand Willems. Am Ende der Woche gibt es Hausaufgaben und Tests.

Während des Kurses sollen die Teilnehmer sich untereinander bei Problemen helfen und Tipps geben. „Je mehr dabei sind, umso spannender wird das“, sagt HPI-Direktor Meinel. Mindestens 5000 Teilnehmer sollten es aus seiner Sicht sein.

Bei dem neuen Kurs sei jeder angesprochen, der neugierig ist, wie sich im Alltag Aufgaben mit Berechnungsverfahren lösen lassen, betont HPI-Direktor Meinel. Der Kurs sei so angelegt, das ihn jeder alleine bewältigen könne. „Unsere Empfehlung ist jedoch, dass ihn Lehrer oder Leiter von Arbeitsgemeinschaften gemeinsam mit den Schülern machen und unser Material als Anregung verstehen“, sagt er.

Auch der Chaos Computer Club arbeitet mit Lehrern zusammen. „Wir gehen an die Schulen, um Medienkompetenz zu vermitteln“, berichtet Peter Hecko vom CCC. Die Organisation hat das Projekt „Chaos macht Schule“ angestoßen, um den Mangel zu kompensieren – ehrenamtlich. „Das ist teils schwierig, weil wir selbst beruflich sehr eingespannt sind. Aber wir haben den Anspruch, etwas anzustoßen und eine Grundbasis zu schaffen“, sagt Hecko. „Eltern und Lehrer müssen aber mitmachen.“