Training

Der Nase nach: Rettungshunde proben Ernstfall

Hilfsorganisationen treffen sich zur Katastrophenschutzübung

Capo bellt. Schnell arbeitet sich Maria Moreno durch die graue Trümmerwüste und stößt auf eine Frau. „Hallo, können Sie mich hören? Geht es Ihnen gut, haben Sie irgendwelche Schmerzen?“ Exakt sieben Minuten hat es gedauert, bis die 22-Jährige und ihr Mischlingshund am Ziel sind – ganz unten in einem verfallenen Bunker tief im brandenburgischen Wald. „Ich möchte Menschenleben retten. Das ist schon immer mein Traum“, sagt die junge Frau vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) am Freitag.

Wäre die Suche nach der Verschütteten in den Trümmern ein Ernstfall gewesen, wäre Morenos Traum vielleicht in Erfüllung gegangen: „Das war eine schnelle Suche“, lobt Solveig Søndergaard auf Englisch. Die Chance, die Vermisste in dieser Zeit lebend zu finden, wäre nicht schlecht gewesen. Die Dänin gehört zu einer internationalen Gruppe von Bewertungsrichtern, die die jährliche Katastrophenschutzübung begleitet.

Moreno hat sich auf die weite Reise von Lörrach in Baden-Württemberg nach Lobetal in Brandenburg gemacht. Dort und an anderen Orten im Landkreis Barnim trainieren mehr als 40 Rettungshunde verschiedener Hilfsorganisationen aus ganz Deutschland den Ernstfall – 36 Stunden am Stück mit nur kurzen Pausen. Das Szenario: Zerstörungen und in Trümmern liegende Gebäude nach einem Tsunami mit Erdbeben.

Bei der Übung sollen der Trainingsstand von Hunden und Betreuern überprüft und die Kooperation der Hilfsorganisationen geprobt werden, erklärt Swantje Krüger, Ausbilderin bei der Rettungshundestaffel der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Kreis Barnim. „Im Katastrophenfall arbeiten auch alle zusammen.“ Ein solches Training werde seit 2004 einmal im Jahr irgendwo in Deutschland veranstaltet. Im Ernstfall sollen laut DLRG Hundeführer und andere Retter internationale Standards kennen, nach denen die Organisationen zusammenarbeiten. Bewertungsrichterin Søndergaard sagt, dass bei großen Katastrophen die Vereinten Nationen prüften, wie welches Land helfen könne. Dänemark etwa liefere häufig mobile Krankenhäuser, Deutschland und Japan schickten oft Rettungshunde.

Daher muss nicht nur die Zusammenarbeit deutscher Hilfsorganisationen trainiert werden, sondern auch die Kooperation auf internationaler Ebene. So gibt es etwa die Internationale Rettungshunde Organisation. In diesem Jahr treffen sich Søndergaard zufolge zudem Rettungshunde mit ihren Führern aus verschiedenen Ländern für mehrere Tage in Österreich. Dann wird auch die Dänin mit ihrem Schäferhund Hekate dabei sein. Am Freitag lobt sie aber erst einmal die anderen: Maria Moreno und Capo seien nicht nur schnell gewesen, sondern auch ein eingespieltes Team. Sie sei seit ihrem 18. Lebensjahr schon öfter im Einsatz gewesen, erzählt Moreno und weiß schon jetzt: Nicht immer erfüllt sich der Traum, Menschen zu retten.