Infrastruktur

Schlechte Noten für Brandenburgs Schienenverkehr

Gutachten stellt große Mängel bei den Verbindungen fest

In den meisten Landesteilen Brandenburgs kommt man ohne Auto nur schwer klar. Wie ein Gutachten im Auftrag der Grünen-Fraktion im Landtag ergeben hat, ist man von Potsdam aus in den Südosten des Landes mit der Bahn weitaus länger unterwegs als mit dem Auto. Nach Cottbus müssen die Fahrgäste derzeit über zwei Stunden einplanen, mit dem Pkw dagegen nur anderthalb Stunden. Wer dann noch aufs Dorf will, hat echte Probleme. Nachdem zahlreiche Strecken in den vergangenen Jahren stillgelegt worden sind, fehlt im Land vielfach die Anbindung. „Oft kommen die Fahrgäste nach der Bahnfahrt nicht weiter“, sagte der Berliner Verkehrsexperte Volkmar Wagner vom Verkehrsberatungsunternehmens „Teamred“. Das Büro hatte das Gutachten erstellt.

Viele Ausflugsziele seien nicht mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar. „So bringt einem die Bahn am Wochenende zwar nach Joachimsthal, dann geht es aber nicht weiter zum Werbellinsee.“ Das Angebot des Öffentlichen Personen Nahverkehrs (ÖPNV) sei vorrangig auf den Schülertransport unter der Woche ausgerichtet. „Linien, die elementare Anforderungen des Freizeit- und Ausflugsverkehrs entsprechen, existieren fast gar nicht“, sagte Wagner. Er schlägt deswegen vor, Express-Busse einzusetzen.

Vor allem in der Hauptsaison und im Feiertagsverkehr bestünden zum Teil gravierende Kapazitätsprobleme. Häufig seien Fernverkehrsverbindungen weggefallen. Dafür wurden Regionalbahnen eingesetzt. Dies führe aber zu einer drastischen Verschlechterung des Komforts. „Platz für die Mitnahme von Gepäck und Fahrrädern fehlt, die Züge fahren durch längere Ein- und Aussteigezeiten unpünktlicher“, so die Gutachter.

Zudem seien mehr als zehn Prozent des Bahnnetzes in einem desolaten Zustand. Durch die nötigen Geschwindigkeitsbeschränkungen ergäben sich an einem durchschnittlichen Werktag Verspätungen von fast drei Stunden. 34 Prozent aller Bahnbrücken seien stark sanierungsbedürftig, 65 Eisenbahnbrücken müssten komplett erneuert werden. Zwei Drittel der Bahnhöfe im Land wiesen nur die einfachste Ausstattung aus.

Die Bündnisgrünen im Landtag sehen sich durch das Gutachten darin bestätigt, dass sich die Fahrgastzahlen im öffentlichen Verkehr Brandenburgs bis zum Jahr 2030 verdoppeln lassen. Mit schnelleren Fernverbindungen, längeren Zügen und der dringend notwendigen Sanierung des Streckennetzes. „Noch immer ist das Bild in Brandenburg geprägt von einem ausgedünnten Schienennetz, fehlenden Busverbindungen auf dem Land und überfüllten Regionalzügen am Wochenenden“, sagte der Verkehrsexperte der Grünen, Michael Jungclaus. „Dazu kommen schlecht abgestimmte Fahrpläne und eine teilweise marode Infrastruktur.“ Grünen-Fraktionschef Axel Vogel forderte die Landesregierung auf, die Finanzierung des ÖPNV auf eine stabile Grundlage zu stellen. Das Gutachten zeige aber auch, dass deutliche Verbesserungen nicht nur mit mehr Geld, sondern vor allem mit besseren Strukturen möglich seien.

Nach Angaben des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) nutzten im vergangenen Jahr täglich rund 3,6 Millionen Fahrgäste öffentliche Verkehrsmittel, darunter allein 600.000 Reisende im Land Brandenburg. Die Gutachter von „Teamred“ schlagen weiterhin vor, den Verantwortungsbereich des VBB noch auszudehnen – zu einem „Verkehrsverbund der Aufgabenträger und Mobilitätsdienstleister“.