Krimi

Zwei Autoren, zwei Orte, zwei Leichen

Der Politkrimi „Schwarzkonto“ spielt in Potsdam und am Bodensee

Zwei Leichen. Beide nackt. Die eine wird in Kressbronn am Bodensee angeschwemmt. Die andere am Kleinen Wannsee in Berlin. Der eine Tote war ein Banker in Liechtenstein, der andere ein bekannter Politiker. Er hätte nach der Bundestagswahl Finanzminister werden sollen. Zwei Fernseh-Journalisten. Kathi Kuschel aus Potsdam und Lebrecht Fritz aus dem Bodensee-Kreis in Baden-Württemberg. Sie recherchieren an beiden Tatorten. Und entdecken eine heiße Spur. Sie führt zu einem schwarzen Parteikonto in Vaduz.

„Schwarzkonto“ (Gmeiner Verlag, 11,99 Euro) ist ein ebenso unterhaltsamer wie spannender Politkrimi. Geschrieben von dem 41 Jahre alten RBB-Moderator Dirk Platt und dem 58 Jahre alten Schriftsteller Erich Schütz. Zwei Journalisten, die wie ihre Buchhelden Kathi Kuschel und Lebrecht Fritz mehr als 700 Kilometer auseinander wohnen. Die beiden kennen sich aus der gemeinsamen Zeit bei einem lokalen Fernsehsender am Bodensee. Bei einem Segelturn vor drei Jahren entstand die Idee, zusammen einen Krimi zu schreiben. Das Buch haben die beiden Freunde jetzt in Potsdam präsentiert – auf einem Floß an der Schiffbauerngasse. Unweit der Wohnung des im Roman ermordeten Politikers an der Berliner Vorstadt nahe der Glienicker Brücke.

„Die Idee zu Schwarzkonto entstand zu der Zeit, als die Diskussion um die Steuer-CDs aufkam“, sagt der TV-Journalist Dirk Platt. Eigentlich sollte es ein Krimi über medizintechnische Skandale werden. „Ich sehe es an der Hüftprothese meiner Mutter, wie sehr da Schindluder getrieben wird“, so Schütz. „Jedes Autoteil muss durch den TÜV, aber wenn es um unseren Körper geht, wird nichts überprüft.“ Das Buch bringt mit Steuerhinterziehung und Medizintechnik-Betrug zwei aktuelle, brisante Themen zusammen.

Erich Schütz, von dem auch die Krimis „Judengold“, „Doktormacher-Mafia“ und „Bombenbrut“ stammen, musste sich erst überreden lassen, das Buch gemeinsam zu schreiben. „Es hat dann aber wahnsinnig Spaß gemacht“, sagt er. „Wir haben die Handlung abgesprochen, also den Plot gemeinsam entwickelt.“ Später arbeiteten sie an den Texten in einer Cloud im Internet.

Natürlich weisen die Autoren im Buch darauf hin, dass Personen und Handlung frei erfunden sind. „Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.“ Der Kanzlerkandidat Günther Robert Clausdorff trägt aber Züge des ehemaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD). Ein Kümmerer-Typ, einer, den die Wähler als ehrlich einschätzen. Holger Frey, der Mann hinter dem Kanzlerkandidaten Clausdorff, könnte Brandenburgs Ex-Innenminister Rainer Speer sein. Er galt als Mann fürs Grobe, hielt Platzeck damit den Rücken frei. Vor knapp vier Jahren trat Speer nach einer Unterhaltsaffäre in Potsdam zurück. Die Figur Frey erinnert aber auch an den SPD-Fraktionschef im Landtag, Klaus Ness. Jahrelang disziplinierte er als Generalsekretär die Partei und stellte als Parteistratege die Weichen. Bundesfinanzminister Thomas Leiple ist an Wolfgang Schäuble angelehnt. „In die Figuren sind unsere Erfahrungen mit Politikern eingeflossen“, sagt Dirk Platt.

Zum 375-Seiten-Buch ist in der Serie „Ohrenschmaus“ ein Hörbuch erschienen. Produziert und besprochen von Schauspieler Mike Maas, bekannt aus dem Tatort und als Gorm in „Wickie und die starken Männer“.