Tourismus

Die Welt zu Gast im Seenland

Immer mehr ausländische Touristen besuchen Brandenburg. Übernachtungsrekord in Berlin

Berlin und Brandenburg steuern auf einen neuen Rekord im Tourismus zu. Vor allem die Hauptstadt ist beliebt wie nie: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres kamen nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg 5,5 Millionen Gäste nach Berlin. Das sind 4,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Übernachtungszahlen stiegen um 6,3 Prozent – auf 13,2 Millionen. „Die Zeichen stehen gut, dass wir in der Gesamtbilanz für 2014 einen neuen Jahresrekord werden verzeichnen können“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Freitag. 2013 haben 11,3 Millionen Gäste Berlin besucht und 26,9 Millionen Übernachtungen gebucht.

Die Hauptstadt zieht vor allem immer mehr internationale Besucher an. Inzwischen kommen 43 Prozent der Touristen aus dem Ausland – vor zehn Jahren war es nur ein Drittel. „Berlins internationales Image als offene und tolerante Metropole trägt auch in dieser Hinsicht Früchte“ , sagte Wowereit.

Auch das Land Brandenburg rechnet mit einem weiteren Anstieg der Touristenzahlen in diesem Jahr. „Brandenburg wird bei Urlaubern aus dem In- und Ausland immer beliebter“, sagte Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke). Die Branche habe sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich positiv entwickelt. „Die Übernachtungszahlen sind von 2008 bis 2013 von rund zehn Millionen auf 11,5 Millionen gestiegen“, sagte Christoffers.

Der Anstieg dürfte in diesem Jahr aber erneut deutlich niedriger ausfallen als in Berlin. Die Brandenburg-Zahlen für Juni liegen laut Statistikamt noch nicht vor. Von Januar bis Mai kamen 1,49 Millionen Besucher. Das sind 0,5 Prozent mehr Gäste als im gleichen Zeitraum des vorigen Jahres. Brandenburg besuchten 7,9 Prozent mehr Besucher aus dem Ausland.

Platz eins: Seenland Oder-Spree

Die Touristen haben in den fünf Monaten dieses Jahres in Brandenburg 3,82 Millionen mal übernachtet, das bedeutet ein Minus von 1,6 Prozent. Bei der Verweildauer liegt Brandenburg aber leicht vor Berlin: Dort blieben die Besucher im Durchschnitt bislang 2,6 Tage. In Berlin waren es im ersten Halbjahr 2,2 Tage. Am beliebtesten in Brandenburg war bei den Übernachtungsgästen 2013 das Seenland Oder-Spree. Dazu zählen Bad Saarow und der Scharmützelsee wie auch der Storkower See, Beeskow und der Schwielochsee, Buckow in der märkischen Schweiz, Neuzelle, das Schlaubetal und der Oderbruch mit Neuhardenberg. Mehr als zwei Millionen Übernachtungen wurden hier gebucht.

Auf Platz zwei folgt der Spreewald mit 1,45 Millionen Übernachtungen. Potsdam liegt mit gut einer Million Übernachtungsgästen auf dem fünften Platz. Die Landeshauptstadt musste im vorigen Jahr aber einen Übernachtungsrückgang von drei Prozent hinnehmen. „Wir gehen in diesem Jahr von einem Wachstum bei den Übernachtungen zwischen einem und drei Prozent aus“, sagte Brandenburgs Tourismus-Chef Dieter Hütte. Um künftig noch mehr Touristen ins Land zu locken, will Brandenburg noch stärker auf den Wassertourismus setzen. Denn eine Untersuchung des Instituts für Management und Tourismus hat ergeben, dass Brandenburg sich beim Thema Wassersport nur „durchschnittlich“ im bundesdeutschen Wettbewerb positioniert. Brandenburgs Wirtschaftsminister Christoffers kündigte an, dass das Land den wichtigen Wassertourismus weiter ausbauen wolle. So sind mehr Wasserwander-Rastplätze geplant. Viel Potenzial habe etwa das Lausitzer Seenland, Europas größte künstliche Wasserfläche. „Wir wollen dafür sorgen, dass die Menschen beim Thema Wasser nicht nur an Mecklenburg-Vorpommern, sondern zunehmend an Brandenburg denken“, sagte Christoffers. Der Bund müsse dafür auch wieder die Finanzierung der Wasserstraßen leisten. Die Schleusen in Kleinmachnow und Fürstenwalde gehörten saniert. Zudem sollen die Radwege auf 5000 Kilometern verbessert werden.

„Bei den Themen Gärten und Parks sowie Kultur und Radfahren schafft Brandenburg es, sich bestens zu vermarkten“, sagte Professor Bernd Eisenstein bei der Vorstellung der Marktforschungs-Ergebnisse am Freitag in Potsdam. Das Institut fand heraus, das in Brandenburg ein überdurchschnittlich großer „Grauer Markt“ bei den Übernachtungen existiere. Darunter fallen Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben unter zehn Betten oder im Wohnmobil, aber auch bei Verwandten und Bekannten. Im Bundesdurchschnitt betrage der Anteil 49 Prozent, in Brandenburg aber 56 Prozent.

50 Prozent wollen wiederkommen

Danach übernachten im Land mehr als doppelt so viele Besucher wie in der offiziellen Statistik ausgewiesen. Sie nutzen aber die Angebote und geben Geld aus. Die Umfrage hat weiter ergeben, dass die Hälfte der Touristen Brandenburg ein weiteres Mal besuchen will. Damit liege Brandenburg im Durchschnitt, so der Marktforscher. Nur zehn Prozent sagen, dass sie auf keinen Fall wiederkommen wollen.